Pirelli: Simulator verkürzt Reifen-Entwicklung

Mit dem digitalen Verfahren will der Hersteller die Entwicklungszeiten um 30 Prozent kürzen und Formel-1-Knowhow für Straßenpneus nutzen. Zusammenarbeit mit Fahrzeugherstellern soll ausgebaut werden.

Virtuell auf der Piste: Entwickler von Pneus simulieren nun Straßen, Fahrzeuge und Reifen | Abb.: Pirelli
Virtuell auf der Piste: Entwickler von Pneus simulieren nun Straßen, Fahrzeuge und Reifen | Abb.: Pirelli
Johannes Reichel
von Dr. Karsten Düsdieker

Der Reifenhersteller Pirelli hat einen Simulator in Betrieb genommen, mit dessen Hilfe die Entwicklung, Tests und Vorlaufzeiten für neue Reifen beschleunigt und die Zahl erforderlicher Prototypen gesenkt werden soll. Die so verkürzte Time-to-Market soll die Kooperation mit Fahrzeugherstellern stärken. Anders als in üblichen Entwicklungsmethoden lässt sich per Simulator das virtuelle Modell eines beliebigen Fahrzeugs ins System programmieren. Das Modell stammt entweder vom Fahrzeughersteller oder wird intern erzeugt. Auch gemeinsame Konstruktions- und Entwicklungsarbeiten sind am Simulator möglich. Hierdurch lässt sich die Vorlaufzeit der Reifenentwicklung mit jener des aktuellen Fahrzeugs harmonisieren. Und dass somit weniger physische Prototypen hergestellt werden müssen, ist gut für die Umwelt.

Vorbild Rennsport

Formel 1 und andere Motorsportserien nutzen Simulatoren zur Konstruktion und Entwicklung von Reifen schon seit über zehn Jahren. Nun entwickelt diese Technologie auch Straßenreifen. Der von VI-Grade hergestellte Simulator umfasst einen umlaufenden 210-Grad-Panoramaschirm mit 7,5 Metern Durchmesser und kann unterschiedlichste Fahrbedingungen, Straßen und Rennstrecken nachahmen. Herzstück des Systems ist ein statisches Fahrzeug mit diversen Technologien, die aktiv und deutlich spürbar das Fahrempfinden reproduzieren: etwa per Sitz, Lenkrad, Sicherheitsgurte und verschiedene Schwingungs-Systeme, die Bewegungen der Federung und des Motors nachbilden.

Zielgebiet Nutzfahrzeuge?

Ein Kontrollraum koordiniert den gesamten Prozess. Von dort lässt sich der Simulator so programmieren, dass er technische Eigenheiten beliebiger Reifen oder Autos nachbildet. Das System misst und protokolliert die Interaktion zwischen Reifen und "Straße" samt weiterer Schlüsselparameter für das Reifenverhalten. Diese werden um subjektive Eindrücke des Testfahrers ergänzt.

Die praktischen Erfahrungen mit dem System sollen in die Weiterentwicklung eines Simulators des Politecnico di Milano fließen, der Quer- und Längsbeschleunigungen sowie Umdrehungen nachbildet. Mit diesem Institut arbeitet Pirelli schon seit längerem zusammen.

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