Pilotprojekt: Schweiz will Cargo-U-Bahn bauen

Zwischen St. Gallen und Genf: Mit einer neuen Gesetzgebung will man den Weg zu einem einheitlichem Plangenehmigungsverfahren für die 400 Kilometer lange, unterirdische Güterbahn ebnen. Damit soll massiv CO2 eingespart werden.

Das Frachtprojekt Cargo sous terrain geht in die nächste Phase: Der Schweizer Bundesrat schafft ein eigenes Gesetz, um das Logistiksystem umzusetzen. (Grafik: CST)
Das Frachtprojekt Cargo sous terrain geht in die nächste Phase: Der Schweizer Bundesrat schafft ein eigenes Gesetz, um das Logistiksystem umzusetzen. (Grafik: CST)
Johannes Reichel
von Sandra Lehmann

Der Schweizer Bundesrat hat beschlossen, eine Gesetzesgrundlage für Cargo sous terrain (CST), ein Projekt für den unterirdischen Transport von Gütern, zu schaffen. Dabei soll in einem ersten Projekt eine 400 Kilometer lange Strecke zwischen St. Gallen am Bodensee und Genf realisiert werden. Basierend auf partei- und wirtschaftsübergreifenden positiven Rückmeldungen zu dem Konzept, unterstützt der Bundesrat nach Angaben von CST auch das Ziel das Projekt als privat finanzierte Innovation mehrheitlich in Schweizer Hand voranzutreiben. Hinter der Aktiengesellschaft stehen eine Reihe namhafter Schweizer Unternehmen, neben der Schweizer Bahn SBB, der Post und der Swisscom auch die Großhandelsketten Coop und Migros sowie Logistik- und Energieunternehmen und Versicherungen.

Die Eröffnung der 70 Kilometer langen Teilstrecke von Härkingen-Niederbipp nach Zürich ist für 2031 angestrebt. Die Verlagerung des Transports auf unterirdische Systeme könne auf diesem Stück 40.000 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr einsparen, was in etwa den Emissionen einer Ortschaft mit 7.500 Einwohnern wie Motiers entspreche. Die Kosten werden auf 30 Milliarden Franken taxiert, etwa 28 Milliarden Euro. Wie CST berichtet, soll das Projekt nach seiner Realisierung ausschließlich mit erneuerbarer Energie betrieben werden. Gegenüber heutigen Lastwagentransporten verbrauche CST dadurch bis zu 80 Prozent weniger CO2 pro transportierte Tonne Güter. Auch in einer Zukunft mit elektrobetriebenen Lkws schneide CST ökologisch besser ab als alle übrigen Transportszenarien. Dies resultiere aus der Reduzierung von Lärmemmissionen und Landverbrauch, so die Projektbetreiber.

"Cargo sous terrain wird mehrheitlich als zukunftsorientierte und umweltfreundliche Ergänzung des Schienen- und Straßengüterverkehrs beurteilt", erklärte das Kabinett am Mittwoch.

Das mit dem Beschluss des Bundesrates zu schaffende Spezialgesetz ist CTS zufolge die Voraussetzung, um das Gesamtlogistiksystem umzusetzen. Es schaffe klare Bedingungen für Bau und Betrieb der Anlagen sowie die nötige Rechtssicherheit für Investoren. CST begrüßt nach eigenen Angaben insbesondere, dass das Gesetz den Weg für ein einheitliches Plangenehmigungsverfahren ebnet. Somit könne das kantonsübergreifende Projekt mit schweizweit einheitlichen Bedingungen entwickelt werden.

Keine Konkurrenz: Komplementär zur bisherigen Güterbahn

Gemäß Schätzungen des Schweizer Bundes wird die auf der Straße und Schiene transportierte Gütermenge bis 2040 um 37 Prozent höher sein als im Jahr 2010. Das sei für das Schweizer Logistiksystem eine enorme Herausforderung. CST biete hierfür eine intelligente und effiziente Lösung. Mehr 90 Prozent der künftig von CST transportierten Güter würden ohne das Projekt auf die Straße verschoben. Bahn und CST sind den Projektbetreibern zufolge komplementär, weil auf der Schiene wenig kleinteilige, palettenbasierte Transporte stattfinden. Die Güter sollen digital gesteuert und rund um die Uhr unterirdisch fahren.

Die vernetzte City Logistik von Cargo sous terrain soll zudem die Städte um bis zu 30 Prozent des Lieferverkehrs und um 50 Prozent der Lärmemissionen entlasten, so CST. Eine übergeordnete Steuerung des Gütertransports entlang der gesamten Wertschöpfungskette und die ziel- und zeitgerechte Aufreihung der Waren im Tunnel sollen dies möglich machen. Verkaufsstellen und Endabnehmer würden nicht mehr separat von verschiedenen Anbietern beliefert, sondern koordiniert ab den City Hubs in umweltschonenden Fahrzeugen mit Waren versorgt. Die Belieferung und Entsorgung erfolge in gemeinsamer Tour.

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