Peugeot 308 SW: Ein großer Schritt, aber kein Quantensprung

Mit dem neuen 308 SW legt Peugeot bei dem konventionell angetriebenen (nicht mehr ganz so) Kompakten vor allem bei der Bedienbarkeit und Fahrassistenz nach - und setzt stark auf Plug-in-Hybrid.

Charakterstark, aber nicht mehr ganz so kompakt: Hinter dem großen Löwenlogo im Grill des 4,63 Meter langen 308 SW verbergen sich die Fahrassistenzsysteme. | Foto: Peugeot
Charakterstark, aber nicht mehr ganz so kompakt: Hinter dem großen Löwenlogo im Grill des 4,63 Meter langen 308 SW verbergen sich die Fahrassistenzsysteme. | Foto: Peugeot
Gregor Soller

Im Gegensatz zum 508 legte er 308 SW bei den Abmessungen leider wieder zu: Mit fünf Zentmeter mehr Länge übersprang er jetzt die 4,6 Meter Marke (4633 Millimeter), womit er sich dem Ur-Ford-Granada nähert und wie seine Marktbegleiter in die Mittelklassevordringt. Außerdem ging er mit jetzt 1852 Millimeter (mit Spiegeln 2062 mm) zwei Zentimeter in die Breite, verlor dafür aber mit 1442 mm zwei Zentimeter an Höhe – und leider auch an Ladevolumen, das beim Verbrenner um 20 Liter zurückging, aber immer noch üppige 608 bis 1634 Liter beträgt. Beim Plug-in-Hybrid sind es wegen der fehlenden Unterfächer 548 bis 1574 Liter – genug auch für das große Reisegepäck der Familie oder den Außendienst.

Der Plug-in wird viel wichtiger - mit bis zu 60 km Reichweite

Motorisch bleibt der 308 SW breit aufgestellt, wenngleich die Franzosen künftig mit einem hohen Plug-in-Anteil rechnen. Weshalb man gleich zwei Plug-ins als Spitzenmodelle ins Programm hob mit 180 und 225 PS, wobei man ersten Antrieb aus diversen PSA-Produkten kennt: Hier arbeitet der 1,6-Liter-Benziner mit einer E-Maschine zusammen. Die Plug-ins starten in der Version „Active Pack“ vor Abzug der Förderungen bei 37.900 Euro brutto (das sind knapp 31.850 Euro netto) und reichen für den 225-PS mit GT Pack bis zu 47.250 Euro brutto (das sind knapp 39.706 Euro netto). Zur Relation: Dafür bekommt man bei Tesla eine vollelektrisch angetriebene Limousine der 3er-Reihe mit eher besseren Platzverhältnissen und weit besserer Performance. Im Verhältnis dazu wirkt das Verbrenner-Package allmählich wie ein Auslaufmodell und Peugeot sollte zügig eine reine Familien-E-Limousine auflegen.

Immerhin: Der Akku des PHEV bietet brutto 12,4 kWh Kapazität (netto sollten das rund 10,9 kWh sein), was für bis zu 60 (Hybrid 180) respektive 59 (Hybrid 225) km elektrisches Fahren genügen soll. Der Onboard-Charger kommt in Serie mit eher dezenten 3,7 kW, kann optional aber auf 7,4 kW gesteigert werden. Dann lädt man den 308 SW an der 22-kW-Walbox auch binnen einer Stunde und 55 Minuten. Mit 3,7 kW dauert es drei Stunden 50 Minuten, am 1,8-kW-Haushaltsstrom werden daraus bis zu sieben Stunden und fünf Minuten.

Die Verbrenner gibt es nur noch in drei Versionen, alle Antriebe sind bekannt: Sie starten mit dem Pure Tech 110-Benziner, darüber rangieren der Pure-Tech 130-Benziner und der Blue HDI 130 Diesel, wobei es beide 130-PS-Versionen auch mit Aisin-Achtgang-Automatik gibt. Die Preise starten hier bei 24.200 Euro brutto (gut 20.336 Euro netto) für den Pure Tech 110 als „Active Pack und damit sogar 150 Euro günstiger als beim Vorgänger und reichen bis 37.150 Euro brutto (knapp 31.219 Euro netto) für den Blue HDI Automatik als GT.

Das "Bedienklavier" wurde digitalisiert und ist individuell belegbar

Doch steigen wir endlich ein und freuen uns an einem futuristischen, eigenständigen Interieur mit eingängiger und ergonomisch stimmiger Bedienung. Wenngleich das i-Cockpit immer noch gewöhnungsbedürftig ist und die jetzt klareren Instrumente immer noch nicht für alle Körpergrößen ideal ablesbar sind. Trotzdem gebührt Peugeot Anerkennung für den Mut, das so durchzuziehen, zumal die sonstige Ergonomie merklich verbessert wurde: Das „Klavier“ der Direkteinsprungstasten wurde auf individuell belegbare Touchtasten umgestellt, so waagerecht angeordnet, dass auch lange Damenfingernägel das Gewünschte sofort ertouchen können.

Darunter gibt es weiter eine Reihe an physischen Direkteinsprungtasten und: man kann sich den Zentralscreen und die Instrumente individuell belegen. Für Novizen fast ein Overkill, für den täglichen Nutzer eine gute Idee – einmal programmiert und man hat sich „seinen“ 308 konfiguriert. Außerdem soll die Spracherkennung merklich verbessert worden sein – beim Vorserienmodell zierte sie sich allerdings noch ein bisschen, nachdem wir „Hey Peugeot, ich habe Hunger“ in den Raum gerufen haben. Instrumentengrafik und Töne wurden etwas dezenter gestaltet, aber immer noch legen die Franzosen auf solche Details angenehm viel Wert.

Viel Wert wurde auch auf ein komplettes Sicherheitspaket gelegt: Endlich gibt es einen Ausparkassistenten für hinten, was man vor allem in senkrechten Parklücken zu schätzen weiß, außerdem sattelte man bei Kamerasystem, Auflösung und Rechengeschwindigkeit des Infotainments ordentlich auf: Zoomen wie beim Smartphone klappt jetzt flüssig und die Graphiken kommen jetzt klarer.

Vorn gibt es bei den teuren Versionen jetzt LED-Matrixscheinwerfer - kennt man ähnlich auch von Opel - und innen, ebenfalls aus Rüsselsheim bekannt, dicke AGR-Sitze, belüft- und beheizbar und/oder mit Massage. Dafür bleibt der Platz im Fond etwas begrenzt: Für die Größe und das Größenwachstum dürfte der 308 SW im Fond gern etwas mehr Platz bieten.

Was bedeutet das?

Der neue 308 SW macht im Vergleich zum Vorgänger große und sinnvolle Schritte – und spielt die Rolle des bezahlbaren Designerstücks unter den gar nicht mehr so kompakten Kompaktkombis. Schade, dass er trotzdem nur eine evolutionäre Entwicklung der 308-Reihe ist und im Fond etwas mit Raumausnutzung geizt. Auf ähnlicher Grundfläche können reine Stromer deutlich mehr aus dem Innenraum machen. Hier sollte PSA bald nachlegen – und wie viele andere Hersteller vielleicht eine zweite Peugeot-Linie auflegen, rein elektrisch und gern noch futuristischer. Eigener Look? Kann Peugeot besser als die meisten anderen im Segment, das elegant zwischen Großserie und Premium wandelt! Hier hat er Löwe zuletzt Krallen und Profil fein nachgeschärft.

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