Peugeot 2008: Aufstieg mit geschärften Krallen

Der neue 2008 ist um 14 Zentimeter in der Länge gewachsen – und stellt damit die Family-Alternative zum 208 dar, denn wie dieser wird er als Benziner, Diesel und Elektroversion geliefert.

Der neue Peugeot 2008 steigt eine halbe Klasse höher. | Foto: M. Heimbach
Der neue Peugeot 2008 steigt eine halbe Klasse höher. | Foto: M. Heimbach
Gregor Soller

Der neue Peugeot 2008 ist eine halbe Klasse nach oben geklettert. Dazu haben ihm die Franzosen auch die Krallen geschärft – inhaltlich wie optisch. Auch er macht jetzt dank langer LEDs im Stoßfänger vorn auf Säbelzahntiger, was ihn unverwechselbar der Peugeot-Familie zuordnet und vor allem in der Dämmerung durchaus seinen Charme hat.

Auch der 2008 steht auf der CMP-Plattform

Wie der 208 steht auch er auf der CMP-Plattform, misst aber 4,3 Meter in der Länge und bietet 2,60 Meter Radstand – sieben Zentimeter mehr als beim Vorgänger. Damit finden vier groß Gewachsene Passagiere samt Gepäck einigermaßen Platz – jedenfalls viel besser als im Vorgänger. Das Kofferraumvolumen wuchs auf 434 bis 1467 Liter, beim Stromer bleiben davon je 29 Liter weniger übrig: 405 bis 1438 Liter, wobei die nur im Fach unter dem ebenen Ladeboden fehlen.

Auch bei den Sicherheitsassistenten wurde nachgeschärft: Der Neue kann jetzt teilautonom fahren nach Level zwei und schafft in Vollausstattung fünf Sterne im Euro-NCAP-Crashtest. Verzichtet man auf alle Helferlein, verzichtet man auch auf einen Stern. Aber im Innenraum wurden die Krallen optisch geschärft: Das neue 3D-Anzeigecluster ist ganz großes, wenn auch nicht ganz übersichtliches Kino. Und auch die Tatsache, dass Peugeot viele Funktionen ins markentypische „Bedienklavier“ und auf den Zentralscreen verlegt hat, macht die Bedienung für Neulinge der Löwenmarke erstmal nicht einfacher, doch man kann damit leben.

Start mit den Verbrennern

Steigen wir also ein und starten zu Beginn mit dem bewährten 1,5-Liter Blue-HDI 130 mit Aisin-Achtgang-Wandler, der künftig nur noch einen kleinen Teil des Gesamtprogrammes bestreiten könnte. Er geht gewohnt sämig zu Werke und stemmt üppige 300 Newtonmeter bei 1750 Touren auf die Kurbelwelle. Im Standard-„Comfort-Modus“ sorgt das für sattes Mitschwimmen im Verkehr, unter Sport lässt er dann die Muskeln fühlbar spüren, während „Eco“ ihn etwas träge werden lässt – wie einen Löwen, der gerade gefressen und es deshalb eben nicht eilig hat. Der Verbrauch pendelte auf unserer gemischten Testrunde zwischen 5,5 und gut 6,0 l/100 Kilometer, was in Ordnung geht, aber keine Maßstäbe setzt.

Ansonsten gibt es wenig zu bekritteln – die Sitze vorn dürften für große Fahrer etwas mehr Breite und Schenkelauflage haben und ein bisschen breiter sein. Auch die Windgeräusche dürften dezenter ausfallen und es ist schade, dass die Preise erst bei 29.950 Euro brutto, das sind knapp 25.170 Euro netto starten. Denn den BlueHDI 130 gibt es nur als „Allure“ mit Achtgang-Wandler-Automatik von Aisin – da er hauptsächlich für die Langstrecke gedacht ist.

So sauber es "fossil" geht: Schon auf Euro6d-Level

Umstieg in den PureTech 155, ebenfalls mit Achtgang-Aisin-Wandler. Der ist nur als GT verfügbar und kommt mit 33.900 Euro brutto (knapp 28.490 Euro) schon nah an die Preise der Basis-Stromer heran. Er gibt sich mit 1,2-Liter-Dreizylinder deutlich knurriger als der Diesel, schafft aber schon Euro 6d und bietet 240 Nm Drehmoment, ebenfalls bei 1750 Touren. Auch damit ist man souverän motorisiert, die Fahrprogramme sorgen für ähnliche Temperaments- respektive Lethargieschübe wie beim Diesel, nur dass man hier eher mit 7,5 bis 8,0l/100 km unterwegs ist. Insofern würde auch die 130-PS-Version genügen.

Kommt an: Der Stromer erobert beim 208 dreißig Prozent

Insofern könnte der Stromer eine Alternative sein: Er läuft natürlich viel leiser und dezenter als die Verbrenner und schafft bei zartem Gasfuß dank 50-kWh-Akku über 300 Kilometer Reichweite. Er startet bei 35.250 Euro brutto, was gut 29.620 Euro netto vor Abzug der Umweltprämie sind. Er soll über vier Jahre und 48.000 Kilometer nicht teurer kommen als die Verbrenner. Auf den Akku gibt Peugeot die üblichen acht Jahre respektive 160.000 Kilometer Garantie. Seinen Anteil plant man mit aktuell zehn Prozent am Gesamtvolumen ein. Wir prognostizieren deutlich mehr: Denn schon der e-208, der ursprünglich ebenfalls auf zehn Prozent Volumen innerhalb der Baureihe taxiert wurde, liegt aktuell bei dreißig Prozent!

Was bedeutet das?

Der neue 2008 ist eine halbe Klasse an den unteren Rand des kompakten (oder schon Mitteklasse ?)-SUV-Segmentes aufgestiegen und Peugeot hat ihm die Krallen ganz gehörig geschärft. Entsprechend sollten aus den 10.000 bis 14.000 Verkäufen, die der Vorgänger in Deutschland jährlich machte, eher 15.000 plus x werden – auch wenn Peugeot sich zu Absatzzahlen nicht äußern möchte. Könnte klappen - die Krallen dafür hat er.  

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