Pendelverkehr: Home-Office reduziert CO2-Fußabdruck um 72 Prozent

Nach einer VCD-Studie zum Homeoffice kommt eine weitere Studie für sechs europäische Länder zu dem Schluss, dass Teleworking massives CO2-Einsparpotenzial aufweist, weil viele Pendel- und Dienstreisen wegfallen, aber vor allem per Energieeinsparung im Gebäudesektor. 

Auf die Mischung kommt es an: Im Winter und bei einem Zugpendler ist es unter Umständen CO2-sparender, im Büro statt zuhause zu arbeiten. | Foto: Screenshot
Auf die Mischung kommt es an: Im Winter und bei einem Zugpendler ist es unter Umständen CO2-sparender, im Büro statt zuhause zu arbeiten. | Foto: Screenshot
Johannes Reichel

Nach einer neuen Untersuchung der Nachhaltigkeitsberatung Carbon Trust und von des Telekommunikationsanbieters Vodafone hat die verstärkte Nutzung von Home Office-Möglichkeiten in Folge der Pandemie den CO2-Fußabdruck jedes einzelnen Beschäftigten um bis zu 72 Prozent reduziert. Untersucht wurden die Arbeitsverhältnisse in sechs europäischen Ländern, Großbritannien, Deutschland, Spanien, Schweden, Italien und die Tschechische Republik. Man ging davon aus, dass 18,4 Millionen Mitarbeitende zwischen März 2020 und März 2021 für 3,5 Tage in der Woche von zuhause aus arbeiteten. Dabei stellte sich heraus, dass Deutschland das größte Potenzial zur Reduktion aufweist, das die Studienautoren auf zwölf Millionen Tonnen CO2 pro Jahr taxieren. Das entspreche 80 Millionen One-Way-Flüge von London nach Berlin. Die italienischen "Telearbeiter" sparem individuell betrachtet am meisten, äquivalent zu sieben solcher Flüge pro Angestelltem.

Überraschenderweise den größten Anteil an der CO2-Reduktion haben nicht die eingesparten CO2-Emissionen durch unterbliebene Pendel- und Dienstfahrten, sondern die reduzierten Energiekosten für Bürogebäude, speziell bei energetisch schlecht ausgestatteten Bauten. Rebound-Effekte durch höheren Energieaufwand daheim würden die Einsparung nicht auffressen. Allerdings schränken die Forscher ein, dass speziell im Winter Telearbeit nicht zwingend zu CO2-Einsparung führt, etwa, wenn ein deutscher Angestellter umweltfreundlich mit dem Zug pendelt und gemeinsam im Büro arbeitet statt zuhause mit erhöhten Heizemissionen. Speziell in Deutschland ist dieser Effekt sehr ausgeprägt, auch im Vergleich zu Schweden. Dabei spielt neben höherem Heizbedarf auch der noch immer hohe fossile Anteil bei der Strom- und Energiegewinnung eine Rolle. Im Umkehrschluss trieben etwa in Spanien im Sommer die Klimaanlagen in den Wohnungen den CO2-Ausstoß, sodass hier im Sommer Büroarbeit effizienter sein könnte. Es sei höchst komplex, mahnen die Autoren, ein "Carbon Optimum" zu errechnen, im schlechtesten Falle könnte sogar eine hybride Arbeitsform der Zukunft die Effizienzvorteile der Stadt kompensieren. Die Studie versucht, Entscheidungsträger mit gezielten Hinweisen zu helfen, den richtigen Mix zu finden.

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