Oply: Investor SAIC zieht die Reissleine

Auch der junge Carsharing-Anbieter schafft es nicht, ein nachhaltiges Geschäftsmodell für sein zonenbasierte System zu entwickeln. Der chinesische Investor SAIC will jetzt kein Geld mehr nachschießen.

Auf gute Nachbarschaft: Die Leitidee von Oply war Carsharing mit Quartiersbezug, die meisten der 510 Fahrzeugen stammten von Ford. | Foto: Oply
Auf gute Nachbarschaft: Die Leitidee von Oply war Carsharing mit Quartiersbezug, die meisten der 510 Fahrzeugen stammten von Ford. | Foto: Oply
Johannes Reichel

Der Münchener Carsharing-Dienst Oply hat angekündigt, den Betrieb bis Ende Februar einzustellen. Offenbar fehlt vor allem das Geld: Der Dienst gehört zu einem luxemburgischen Unternehmen, dessen Hauptanteilseigner wiederum der chinesische Automobilkonzern SAIC ist. Dem Vernehmen nach verliert dieser jetzt die Geduld. Leitidee des Carsharing-Dienstes war eine Mischung aus Free-Floating und Quartiersgebundenheit darzustellen, quer durch alle Fahrzeugklassen vom Roadster über Kleinwagen bis hin zu Transportern. Das wurde durch den Slogan "Dein Nachbar auf Rädern" unterstrichen. Zuletzt waren mehr als 60.000 Kunden von dieser Idee überzeugt, die auf 510 Fahrzeuge, davon viele Ford sowie Renault-Transporter und den Roadster Madza MX5 zurückgreifen konnten. Die sämtlich geleasten Fahrzeuge gehen jetzt zurück an die Hersteller.

Die 36-jährige Deutschland-Geschäftsführerin von Oply Katharina Wagner, die früher für Car2Go arbeitete, glaubte an eine Nische zwischen Autovermietern und den großen Carsharing-Anbietern wie ShareNow unter dem FreeNow-Dach. Allerdings kämpft auch das Joint-Venture von Daimler und BMW mit den Problemen, aus dem Carsharing ein profitables Geschäft zu entwickeln und befand sich zuletzt auf dem Rückzug. Man stellte den Dienst in Nordamerika sowie wichtigen europäischen Städten ein.

"Ich habe das Gefühl, dass da gerade eine Blase platzt", erklärte Wagner gegenüber der Süddeutschen Zeitung.

Für den Chef und Gründer der Muttergesellschaft passe das Angebot zonenbasierten Carsharings zwar genau in die Zeit. Er sehe aber ein "schlechtes Momentum" für Finanzierungen. "Oply sagt Goodbye" steht nun auf der Homepage des Unternehmens - über dem hoffnungsvollen "Oply ist immer für Dich da!".

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