Opel Vivaro-e: Auch die Vans starten ins Elektro-Zeitalter

Als erste Marke im PSA-Trio enthüllen die Rüsselsheimer Details zu ihrem ersten E-Van. Zur Wahl steht ein 50-kWh- oder 75-kW-Akku, mit dem der Kompakt-Van 230 bis 330 km weit kommen soll. 

Doppelt schnell geladen: Der Vivaro-e glänzt mit 100-kW-DC-Bordlader - und per Fußsensor öffnender Schiebetür. | Foto: Opel
Doppelt schnell geladen: Der Vivaro-e glänzt mit 100-kW-DC-Bordlader - und per Fußsensor öffnender Schiebetür. | Foto: Opel
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Die Rüsselsheimer PSA-Tochter Opel fährt vorweg bei der Präsentation des neuen vollelektrischen Kompakttransporters und hat erste Details zum Vivaro-e bekanntgegeben. Er kommt zeitgleich mit den Pendants Peugeot Expert und Citroen Jumpy ab Sommer auf den Markt. Bei dessen E-Antriebstechnik und Akkupackage nutzt man den Konzernbaukasten und bedient sich des 100 kW starken Elektromotors mit ordentlichen 260 Nm Drehmoment, der das Fahrzeug über die Vorderräder bis zu einem Maximaltempo von 130 km/h antreibt, sowie der Lithium-Ionen-Energiespeicher.

Allerdings bietet der Hersteller anders als beim technischen Pkw-Geschwister Opel Corsa-e (sowie Peugeot e-208 und DS 3 E-Tense) auch eine Variante mit größerem Batteriemodul statt der standardmäßig verbauten 50 kWh, die für 230 Kilometer im realitätsnäheren WLTP-Zyklus genügen soll. Die unterflur und laderaumneutral platzierten Batterien werden über den Kühlkreislauf des Fahrzeugs temperiert, was neben der Reichweite auch die Lebensdauer der Speicher verlängern soll. Diese garantiert der Hersteller über acht Jahre und 160.000 Kilometer Laufleistung.

Für größere Streckenanforderungen von bis zu 330 Kilometer sieht man dann den 75 kWh-Speicher vor, der über 27 statt 18 Module verfügt und dann etwa ein Eigengewicht von über knapp 500 Kilogramm hat statt 345 Kilogramm bei der Standardversion. Das schlägt dann natürlich auf die Nutzlast durch, die bei dem 2,8- bis 3,1-Tonner immer noch bis zu 1.275 Kilogramm betragen soll. Beim Diesel sind dies maximal 1.405 Kilogramm. 
 

Für alle E-Fälle: 100 kW-Lader und wahlweise großer Akku

Die größeren Batteriespeicher sind aber umso weniger notwendig, als der Hersteller dem E-Van einen DC-Schnelllader mit bis zu 100 kW Leistung mit auf den Weg gibt, womit man bei den Transportern ebenfalls neue Maßstäbe setzt. Bisher liegt hier der eSprinter mit 80 kW Ladeleistung vorn. Damit ist die 50-kWh-Batterie binnen einer halben Stunde wieder bei 80 Prozent Kapazität, die 75 kWh-Version benötigt 45 Minuten. Im AC-Modus wird mit standardmäßig 7,4 kW geladen, optional ist ein praxisgerechter 11-kW-Bordlader erhältlich.

Ein weiteres Alleinstellungsmerksmal setzt der Vivaro-e mit der Möglichkeit des Anhängerbetriebs: Bis zu 1.000 Kilogramm schwere Trailer dürfen an die optional bestellbare Kupplung gehängt werden. Auch bei den Versionen steht die E-Variante den konventionellen Modellen nicht nach: Die drei Längen auf Basis von zwei Radständen (4,60/4,95/5,30 Meter und 4,6/5,8/6,6 m³ Volumen) sind als Kastenwagen ebenso verfügbar wie als Doka, Kombi sowie Plattformfahrgestell für Aufbauten oder innovative Features wie die sensorgesteuerte Schiebetüröffnung per Fußwischen.

Volles Programm an Fahrerassistenz

Ebenso zum Standard zählt eine elektrische Parkbremse und wie bei den Modellen mit konventionellen Antrieben das komplette Arsenal an nicht zuletzt langstreckenrelevanten Fahrerassistenzsystemen, was neben dem großen Akku und schnellen Lader untermauert, dass man mit dem Fahrzeug nicht nur auf urbane Anwendungen peilt. Dazu zählen neben einem Head-up-Display auch ein Spurhalteassistent, erweiterte Verkehrszeichenerkennung, Müdigkeitswarnung, semiadaptive Geschwindigkeitskontrolle, Frontkollisionswarner und Notbremsassistent.

Beim Rangieren helfen Ultraschallsensoren an Front und Heck. Sie überwachen zudem den toten Winkel. Die 180-Grad-Heckkamera überträgt ihre Bilder auf den Sieben-Zoll-Touchscreen im Cockpit. Daran gekoppelt sind die Infotainment-Systeme Multimedia Radio und Multimedia Navi Pro (mit 3D-Navigation), die selbstredend via Apple CarPlay und Android Auto konnektiv mit dem Smartphone sind.

Was geht App: Ladesäulen suchen oder Ladezustand prüfen

Über den Telematikdienst OpelConnect, mit der myOpel App und der Free2Move Services App eröffnet sich zudem eine Reihe von Services und Bedienmöglichkeiten via Smartphone. Im Rahmen der Free2Move Services App kann man auf über 140.000 Ladepunkten europaweit zugreifen, inklusive der Bezahlung, wie der Hersteller wirbt. Der Ladepunkt-Finder listet auf einer Karte alle registrierten Ladesäulen auf, zeigt neben der genauen Adresse auch, ob der Ladepunkt frei oder besetzt ist, informiert über Ladegeschwindigkeit sowie den aktuellen Preis. Die neuen Funktionen von OpelConnect erlauben es, über das Smartphone den Ladezustand der Batterie zu prüfen, die Innenraumtemperatur vor Fahrtantritt sowie die Ladezeiten programmieren. Darüber hinaus bietet das System automatischen Notruf sowie einen direkten Draht zur Pannenhilfe. Mit der Live-Navigation werden Verkehrsereignisse in Echtzeit erfassen und Staus dynamisch umfahren.

Zu den Preisen des Vivaro-e wurde noch nichts verlautbart. Sie dürften etwa bei 40.000 Euro starten. Das Fahrzeug ist ab Sommer bestellbar und soll noch in diesem Jahr zu ersten Kunden rollen. Auf den Vivaro-e soll schon im nächsten Jahr eine vollelektrische Version des City-Vans-Combo folgen, parallel mit den Konzerngeschwistern von PSA sowie den Kooperationspartner Toyota und dann möglicherweise auch dem neuen Konzernpartner Fiat Professional.

Was bedeutet das:

Es ist schon beeindruckend, mit welchem Tempo der PSA-Chef Carlos Tavares auch die leicht angestaubte Tochter Opel wieder flott gemacht hat - und wie schnell nicht zuletzt bei den Nutzfahrzeugen die Synergien im Konzern genutzt werden. Und Corona-Krise hin, Pandemie her, der Hersteller hält stramm Kurs bei der Elektrifizierung des Portfolios. Auch weil man weiß: Die gewerblichen Fahrzeuge und speziell Transporter werden immer wichtiger. Nicht nur der Online-Handel und der Shift weg vom Privatmarkt gibt hier einen Schub, sondern natürlich auch die Klima-Krise. Die wiederum dürfte in ihrer etwas zeitversetzten, aber noch viel dramatischeren Virulenz durch den "Katalysator" der Pandemie noch viel klarer zu Tage treten.

Und damit steigt der Handelsdruck für Unternehmen noch weiter, schnell emissionsfreie Flotten zu realisieren. PSA schnürt hier ein praxisnahes, vernünftiges, relativ leichtes und falls nötig dank Schnelllader sogar mittel- und langstreckentaugliches Ab-Werk-Package, das von jedem Bastel-, Umrüst- oder Pilotseriencharme befreit ist und auch preislich attraktiv sein dürfte. Umso mehr wäre das der Fall, wenn sich die Politik zu großzügiger Förderung im gewerblichen statt im privaten Bereich durchringen könnte. Hier werden die Meilen gemacht, hier ist der Klimaschutzeffekt viel größer. So oder so: Der Vivaro-e und seine Brüder kommen zur rechten Zeit.

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