Opel-Händler sollen Restwertrisiko bei E-Autos tragen

Neue Turbulenzen über Rüsselsheim: Die Opel-Händler sollen offenbar das nicht unbeträchtliche Risiko bei Restwerten von E-Modellen übernehmen. Die Staatsprämie irritiert den Gebrauchtmarkt.

Nur mit spitzen Fingern: Leasinggesellschaften scheuen laut Ferdinand Dudenhöffer E-Autos wegen des Restwertrisikos. Bei den Kunden findet der Mokka-e aber (zu) reißenden Absatz und stellt die Verbrennerversion in den Schatten. | Foto: Opel
Nur mit spitzen Fingern: Leasinggesellschaften scheuen laut Ferdinand Dudenhöffer E-Autos wegen des Restwertrisikos. Bei den Kunden findet der Mokka-e aber (zu) reißenden Absatz und stellt die Verbrennerversion in den Schatten. | Foto: Opel
Johannes Reichel

Nach den Lieferengpässen und Auftragsstornierungen beim Mokka-e und den zu 2019 um über ein Drittel eingebrochenen Verkaufszahlen im vergangenen Jahr hat Opel jetzt auch noch mit internen Querelen um das Restwertrisiko bei Elektroautos zu kämpfen. Nach einem Bericht des Branchenblattes Automobilwoche will der Hersteller offenbar das Risiko für die Restwerte bei E-Mobilen auf die Händlerschaft abwälzen. Dies sei aus Kreisen des Händlerverbands bestätigt worden, so das Blatt. „Opel scheint nicht mehr an seine eigenen Produkte zu glauben“, zitiert die AW einen anonymen Händler.

Diese hegen laut AW die Furcht, ohne Subventionen durch den Hersteller auf gebrauchten E-Fahrzeugen sitzenzubleiben. Die vollelektrischen Opel-Modelle Corsa-a und Mokka-e werden mit üppigen 9.000 Euro „Umweltbonus“-Kaufprämie gefördert, 3.000 Euro davon gibt der Hersteller in Form eines Netto-Nachlass. Bei Plug-in-Hybrid-Modellen wie dem Opel Grandland X Hybrid lassen sich insgesamt 6.750 Euro an Zuschuss ergattern. Die starken Incentivierungen wiederum schaffen unsichere Perspektiven im Bezug auf die Restwertentwicklung, die Preise auf dem Gebrauchtwagenmarkt geraten entsprechend unter Druck.

„Insgesamt gilt, dass mit der Innovationsprämie der Markt erheblich verzerrt wird“, gab jüngst Automobilwissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut zu Protokoll.

Aus seiner Sicht sind Elektroautos von gestern "in ihren Restwerten zerstört". Wie es nach der Prämie aussehe, wisse auch niemand. "Herstellerunabhängige Leasinggesellschaften fassen Elektroautos nur mit spitzen Fingern an“, so Dudenhöffers Einschätzung.

 

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