Opel Astra: Kantiger und charakterstärker

Opels neues Kompaktmodell und zieht jetzt auch auf eine Stellantis-Plattform um. Die ermöglicht aktuell Plug-in-Hybride, aber keine reinen Stromer.

Der Astra "L", wie er Opel-intern heißt, punktet mit starker Markenidentität. | Foto: Opel
Der Astra "L", wie er Opel-intern heißt, punktet mit starker Markenidentität. | Foto: Opel
Gregor Soller

Rolle rückwärts: Intern heißt die neue Astra-Generation „L“, da dessen Vorgänger 1961 beim Kadett „A“ begannen und die Buchstabenzählweise bei Opel vom Namenswechsel ausgenommen blieb. Die sechste Astra-Generation ist also gleichzeitig die zwölfte Kompaktgeneration und kommt komplett neu. Die Produktion, einst im mittlerweile geschlossenen Werk Bochum gestartet und zuletzt ins Vauxhall-Werk nach Ellsmere Port nach UK und nach Gliwice in Polen verlagert, kommt zurück ins Stammwerk Rüsselsheim, wo auch der nahe Verwandte DS 4 gebaut wird, dessen Serienfertigung bereits anlief.

Sicken und Kanten – tun der Markenidentität gut

Auch optisch blickt Opel ein bisschen zurück, aber im positiven Sinne: Die Sicke auf der Haube und das kantige Interieur erinnern Opelaner sogar ein bisschen an die großen KAD-Modelle von 1968 bis 1977 und diese Kantigkeit verleiht dem Kompakten Charakter! Well done! Dazu kommt der Vizor an der Front, der hier optisch nahtlos in die Scheinwerfer überzugehen scheint – dahinter erstrahlen wie im Insignia je 84 LED. Heller und präziser als die Matrix-LED des Vorgängers.

Basis des Neuen ist die bekannte EMP2 Plattform, auf der bereits seit 2013 PSA-Modelle stehen. Neben DS 4 auch Peugeot 308, Opel Grandland X sowie Opel Zafira Life und Citroën C4 Picasso. Eine weitere Neuerung: Mit der neuen Plattform rollt der Astra nicht mehr im britischen Ellesmere Port oder im polnischen vom Band, sondern in Rüsselsheim. Die Länge bleibt mit 4,37 Meter gleich, die Breite wächst auf 1,86 Meter und auch der Radstand legt ein paar Zentimeter zu, um mehr Platz im Fond zu schaffen.

Intelligentere Assistenz, durchdachte Bedienung

Innen orientiert sich der Astra an Corsa und Mokka und wird digitaler: Ein Display fungiert als digitales Cockpit dar, der zweite Screen übernimmt die Infortainment- und Navigations-Darstellungen und ist auch hier leicht zum Fahrer geneigt, optional gibt es ein Head-up-Display. So radikal „enttastet“ wie VW das leider beim Golf tat, hat Opel den Astra nicht: Das Klima wird nach wie vor klassisch eingestellt – danke dafür! Und weil wir grade bei Ergonomie und Sicherheit sind: Auch das hat Generation „L“ nachgelegt: Je fünf Kameras und Radarsensoren sollen 360-Grad-Rundumblick bieten. Und natürlich kann auch der Astra jetzt ein bisschen „vorausschauen“, Stichwort E-Horizon-Connectivity: Dabei können die Assistenzsysteme vorausschauend die Geschwindigkeit etwa bei Kurvenfahrt anpassen sowie beim Halten oder Wechseln der Spur helfen. Ein Stop-and-go-Assistent folgt im Kolonnenverkehr dem Vordermann. Auch beim Einparken helfen Assistenten und warnen vor kreuzenden Fahrzeugen. Das Smartphones kann man kabellos koppeln und das Infotainment soll deutlich sprachverständiger sein – bisher keine PSA-Stärke.

Motorisch bleibt man (leider) beim Bekannten

Motorisch wird es leider nicht ganz so revolutionär, denn eine reine E-Variante ist vorerst nicht geplant, dazu hätte der Astra wie der Citroen C4 die kleinere Plattform nutzen müssen. Deshalb treiben vor allem Drei- und Vierzylinder den Astra an, darunter aber zwei Plug-in-Hybride. Basis sind die 1,2 Liter-Dreizylinder mit 110 und 130 PS, dazu kommt der .1,5-Liter-Diesel mit 102 PS. Die Plug-in-Versionen kombinieren den 1,6-Liter-Vierzylinder-Benziner 180 PS und den E-Motor, der bis zu 109 PS beisteuert, was die bekannten 225 System-PS ergibt – als Fronttriebler. Dazu dürfte ein Allrad-OPC-Version kommen, die 300 PS locker macht. Auch die kennt man von den Konzernmodellen. Gekoppelt sind die Aggregate mit Sechsgang-Schaltboxen oder Aisin-Achtgangautomaten.

Im Gegensatz zur französischen Verwandtschaft soll der Opel Astra mit Verbundlenker-Hinterachse, aber ohne Adaptivdämpfer fahraktiver abgestimmt sein. Eine Insiderin verrät: „Auch wenn sich alle im PSA-Regal bedienen, stimmen am Ende ihre Fahrzeuge alle selbst ab – da werden die Türen für die anderen Marken dann geschlossen“. Man darf gespannt sein, wie sich der Astra im Vergleich zu DS 4, Peugeot 308 und Citroen C 4 fährt. Die Produktion soll im Herbst nach den Werksferien starten, die Auslieferung soll ab 2022 beginnen.

Was bedeutet das?

Auch Opel bleibt beim Astra vorsichtig und bietet ihn weiter konventionell angetrieben an. Trotzdem wird es immer virulenter, in dieser Klasse auch einen reinen Stromer am Start zu haben, zumal die wichtigen Plug-ins, die beim Peugeot 308 trotz ihrer Preise schon ein hohes Volumen erreichen, eher teuer sind. Man darf gespannt sein, wie Opel den Astra weiter unter Strom setzt. In der Kompaktklasse ist er auf jeden Fall eine wichtige Bereicherung.

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