ONO PAT: Erster Einsatz auf der letzten Meile

Der Logistiker Mail Boxes Etc. in Berlin ordert ein erstes Serienmodell des schweren E-Cargobikes, ersetzt damit einen Van und ergänzt den Fuhrpark um eine stausichere sowie emissionsfreie Alternative.

Der erste Streich: Mailboxes Etc. setzt die First Edition des schwere E-Cargobikes in Berlin Adlershof für Letzte-Meile-Transporte ein. | Foto: Tretbox
Der erste Streich: Mailboxes Etc. setzt die First Edition des schwere E-Cargobikes in Berlin Adlershof für Letzte-Meile-Transporte ein. | Foto: Tretbox
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

Der Berliner Logistikdienstleister Mail Boxes Etc. (MBE) hat als eines der ersten Unternehmen das neue E-Cargobike des Berliner Herstellers Tretbox GmbH in Dienst gestellt. Der sogenannte ONO Pedal Assisted Transporter (PAT) gilt rechtlich als Fahrrad, orientiert sich nach Bekunden des Herstellers in Designs und der Funktionalität und über 220 Kilogramm Nutzlast aber eher an Transportern. Nach einer Testphase im Oktober 2019 bestellten die MBE Adlershof-Geschäftsführer Theo Heckes und René Wolgast ein E-Lastenrad des Berliner Start-ups. Die erste Auflage der Cargobikes, die ab August in Serie produziert werden sollen, bewältigt am MBE- Standort in Adlershof die täglichen Distributionsaufgaben des Franchiseunternehmens im Bereich Versand-, Logistik- und Verpackungsdienstleistungen.

Das dreirädrige, elektrisch unterstützte Leicht-Nutzfahrzeug mit zwei Elektromotoren wird im Mietmodell angeboten. Dabei ist unter anderem die Wartung, eine Vollkaskoversicherung, eventuelle Verschleißreparaturen und ein Zugang zu den Akkutausch-Automaten enthalten.

„Das macht das Fahrzeug für uns zu einer flexiblen und kostensparenden Alternative im Vergleich zum herkömmlichen Transporter mit Dieselantrieb“, meint Heckes.

Er führt zudem die wegfallenden Kosten für den Kraftstoff der Transporter als Argument an. Darüber hinaus benötige der Fahrer keinen Führerschein.

Die beiden Geschäftsführer und ihr Team sehen sich täglich der Herausforderung eines zunehmenden Lieferverkehrs bei einer gleichzeitig immer schwieriger werdenden Verkehrssituation gegenüber. Immer öfter müssten ihre Fahrer in der zweiten Reihe halten, weil keine Parkplätze mehr frei sind, und sich zwischen Autos, Bussen und anderen Kleintransportern hindurch schlängeln, beklagen sie und verweisen auf Zeitverluste und nervliche Belastung. „Wir haben deshalb nach einer schmaleren und umweltfreundlicheren Alternative zu einem Transporter mit herkömmlichem Dieselantrieb gesucht, die unser Sendungsvolumen von täglich bis zu 300 Paketen schnell und effektiv bewältigt“, erläutert Heckes.

Zwei-Kubik-Box schnell wechselbar

Für das wetterfeste, schmale Cargobike sprach aus ihrer Sicht das Ladevolumen von mehr als zwei Kubikmetern, eine Zuladung von 220 Kilogramm, eine Reichweite von bis zu 30 Kilometern pro Akkuladung und einer Tretunterstützung von bis zu 25 Kilometern in der Stunde. „Entscheidend war für uns zudem die abnehmbare Cargo-Einheit flexibler Größe, die sich ganz einfach auf das Chassis des Fahrzeuges montieren lässt“, erklärt Wolgast. Mithilfe des Fracht- Containers, den der Fahrer mit wenigen Handgriffen wechseln kann, ist es für MBE nun möglich, Kunden morgens einen leeren Behälter zur Verfügung zu stellen und beladen am Abend wieder abzuholen.

Mit dem Container in den Lastenaufzug

Die zweiwöchige Testphase habe auch bestätigt, dass das Fahrzeug direkt vor der Haustür der Kunden halten könne, ohne dass der Fahrer sich erst umständlich einen Weg bahnen musste. „In einem Fall konnten wir sogar mit dem abgenommenen Container in den Lastenaufzug des Kunden gehen und ihm diesen direkt vor die Bürotür stellen“, berichtet Heckes. Von den Fahrern seien wiederum positikve Rückmeldungen gekommen, etwa zum hohen Fahrkomfort mit ergonomischem Sattel und Rückenlehne, diversen Aufbewahrungsmöglichkeiten und der automatischen Wegfahrsperre.

Einen Verbrenner komplett ersetzt

MBE-Adlershof fährt an fünf Tagen in der Woche mehrere Touren täglich mit herkömmlichen Transportern, um Sendungen bei den Kunden abzuholen. Das E-Cargobike ersetzt am Standort Adlershof eines der Verbrennungsfahrzeuge komplett. „Mit der ONO lassen sich Touren flexibler und effektiver gestalten. Die nervige Parkplatzsuche fällt weg und man kommt viel näher an die Abholstellen. Das erspart dem Fahrer lange Fußwege mit der Sackkarre“, meint MBE-Geschäftsführer Wolgast. Außerdem würden der Straßenverkehr und die Umwelt entlastet.

Wichtiger Faktor: 24-Stunden-Reparaturgarantie

„Wir haben im realen Einsatz gesehen, dass unser Produkt perfekt zu den Anforderungen eines KEP- Dienstleisters passt. Aufgrund des täglichen Austausches konnten wir direkt auf Wünsche und Verbesserungsvorschläge eingehen“, meint ONO-Geschäftsführer Beres Seelbach. Das Start-up lässt das Fahrzeug bei einem Automobilzulieferer fertigen, sodass die Bauteile dem hohen Qualitätsstandard der Automotive-Branche entsprechen sollen, wie man verspricht. Sollte dennoch etwas am Fahrzeug kaputt gehen, garantiert der Anbieter innerhalb von 24 Stunden eine Reparatur oder ein Ersatzfahrzeug.

Verbindung mit Mikrodepots plausibel

Der Standort Technologiepark in Adlershof eignet sich hervorragend für die Zustellung mit einem Lastenrad, da MBE in einem Umkreis von fünf Kilometern relativ viele Kunden bedienen kann. In unmittelbarer Nähe hat sich die schmale Dörpfeldstraße als Verkehrsader mit vielen Geschäften, viel Lieferverkehr sowie Bus- und Tramhaltestellen etabliert. Hier will der Logistiker das E-Cargobike in Kombination mit einem Mikrodepot einsetzten. Ein Konzept hat Heckes bereits entwickelt und vorgelegt. „Wir hoffen, dass wir nun zügig in die Pilotphase gehen können“, resümiert der Franchiseunternehmer. Geschäftskunden aus Adlershof hätten dann die Möglichkeit, ihre Sendungen in das MBE-Depot liefern zu lassen. Auf der „letzten Meile“ übernimmt dann das Bike die Auslieferung. Die konsolidierte Anlieferung könnte das aufgrund von Lieferfahrzeugen verursachte Verkehrsaufkommen deutlich reduzieren, ist man sich sicher.

Das MBE-Center in Berlin-Adlershof übernimmt seit 2005 die Abholung, die Verpackung sowie den nationalen und internationalen Versand von Waren, wichtiger Dokumente und Gefahrgut. Zum Unternehmensportfolio gehören auch die Zollabfertigungen von Im- und Exportsendungen, die Lagerung und Kommissionierung sowie Grafik- und Druckprodukte. Vor allem Forschungsinstitute und Unternehmen am Wissenschaftsstandort Adlershof nutzen diesen Service.

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