ÖPNV-Ergänzung: moovel und SSB starten On-Demand-Dienst in Stuttgart

Neuer Mobilitätsdienst geht aus einem ersten Pilotstadium in den SSB-Betrieb über und verspricht besonders in späteren Abendstunden mehr Flexibilität.

Kombi-Verkehr: Ein On-Demand-Dienst ergänzt seit kurzem das Portfolio der SSB in Stuttgart. | Foto: Daimler
Kombi-Verkehr: Ein On-Demand-Dienst ergänzt seit kurzem das Portfolio der SSB in Stuttgart. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Mit Anfang Juni ist in Stuttgart ein neuer On-Demand-Fahrdienst an den Start gegangen, den die Daimler-Tochter moovel gemeinsam mit der Stuttgarter Straßenbahn AG entwickelt hat. Das neue Angebot mit Namen SSB Flex bündelt in drei Bediengebieten die Fahrtwünsche der Fahrgäste und soll so räumlich oder zeitlich ergänzende, flexiblere Fahrten zusätzlich zum bereits bestehenden Angebot des Nahverkehrs ermöglichen. Der Mobilitätsservice lässt sich "on-demand" per App SSB Flex buchen. Der hinter der SSB Flex App liegende Algorithmus der moovel on-demand Plattform bündelt die Fahrtanfragen der Nutzer intelligent (sog. „Pooling“), und ermöglicht somit das Teilen von Fahrten (sog. „Ridesharing“ ). Der Dienst ist laut Anbieter bundesweit der erste On-Demand Service, der mit einer Liniengenehmigung nach dem Personenbeförderungsgesetz betrieben wird.

Kombination aus Pooling und Ridesharing

„Es ist wichtig für die Stadt, auch im Sinne des Aktionsplans ,Nachhaltig mobil in Stuttgart', neue Formen von vernetzter und multimodaler Mobilität zu erproben“, erklärt Dr. Michael Münter, Referatsleiter für Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität bei der Stadt Stuttgart den Schritt. SSB Flex ist zunächst bis Ende 2019 als Pilot für diese neue Mobilitätsform angelegt. moovel bringt in die Kooperation seine Plattform ein, die bereits seit Dezember 2017 in Stuttgart erprobt wird. Über 20.000 Passagiere hätten bisher den in der Testphase kostenlosen Mobilitätsdienst genutzt. Insbesondere in den späten Abendstunden, in denen die Taktung bestehender ÖPNV-Angebote zurückgeht, habe sich das Angebot als attraktive Fortbewegungsoption erwiesen, so der Betreiber. “Das Feedback der Kunden auf den Flex Pilot und die Anzahl der Passagiere hat unsere Erwartungen übertroffen. Nun übergeben wir den Dienst in die Hände der SSB", kommentierte Daniela Gerd tom Markotten, Geschäftsführerin moovel Group GmbH.

Die SSB setzt eine Flotte von 10 Fahrzeugen ein vom Typ Mercedes-Benz V-Klasse mit je fünf Sitzplätzen im Fond und Mercedes Benz B-Klassen mit elektrischem Antrieb, die drei Sitzplätze im Fond bieten. Alle Fahrzeuge sind am gelb-weißen Design erkennbar. Fahrerinnen und Fahrer seien entweder speziell ausgebildete Flex Fahrerinnen und Fahrer oder zusätzlich geschulte Busfahrerinnen und Busfahrer der SSB. Die Nutzer können Fahrten nicht nur für sich selbst, sondern auch für bis zu vier weitere Mitfahrer buchen. Fahren mehrere Fahrgäste über eine Buchung, sinkt der Fahrpreis für den einzelnen Fahrgast. Der Fahrpreis ist abhängig von der Fahrstrecke, der Anzahl der Mitfahrer in einer Gruppe und vom angegebenen VVS-Ticket.

Was bedeutet das?

Früher hätte man wohl schlicht vom Rufbus gesprochen - heute kommt das natürlich klangvoller daher, als "On-Demand-Mobilitätsdienst". Aber eben auch deutlich eleganter und leichter nutzbar, nämlich per App. So wächst allmählich zusammen, was zusammengehört: Der ÖPNV individualisiert sich, schließt Lücken im Netz und sichert sich damit seine eigene Zukunft. Das ist doppelt von Vorteil: Die Betriebe können wirtschaftlicher, sprich mit kleineren "Gefäßgrößen" arbeiten, die Kunden flexibler vorankommen, besonders in weniger frequentierten Fahrtzeiten.

 

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