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Ökonomisch und ökologisch: Bei E-Nutzfahrzeugen lohnt sich Strom

Beim 2. E-Mobility-Day der Paul-Tochter E-Vade und von Bayern Innovativ zeigen zahlreiche Beispiele, warum es ökonomisch sein kann, auf Elektroantrieb zu setzen - gerade im Gewerbe.

Stromer aller Klassen: Vorn Pauls neuer Stolz, der Retrofit Vario, hinten der eCitaro, den man als Vertriebspartner für Daimler verkauft. | Foto: J. Reichel
Stromer aller Klassen: Vorn Pauls neuer Stolz, der Retrofit Vario, hinten der eCitaro, den man als Vertriebspartner für Daimler verkauft. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Mit dem zweiten E-Mobilitätstag von E-Vade in Vilshofen, der zusammen mit der Initiative Bayern Innovativ des Wirtschaftsministeriums veranstaltet wurde, wollte die Paul-Nutzfahrzeuge-Elektro-Tochter unter Beweis stellen, dass sich der Umstieg auf Elektroantrieb schon heute lohnen kann. Daneben war der Tenor der Veranstaltung, dass die Elektromobilität allem voran im gewerblichen Bereich nicht aufzuhalten ist und Unternehmen sich rechtzeitig damit befassen sollten. "Wir wollen die Entwicklung gestalten, nicht ihr hinterherhinken", gab Paul-Nutzfahrzeuge-Hauptgeschäftsführer Walter Pötzinger als Motto des Symposiums und zugleich seines Unternehmens vor.

Daran knüpfte Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbands eMobilität nahtlos an und lobte, mittelständische Unternehmen wie Paul lieferten viele Innovationen, die die großen Konzerne dann übernähmen. Bei manchem Großen fehle es am "Vorsprung und an der Technik", doch die Einsicht reife, dass die Elektromobilität nicht aufzuhalten sei.

BEM-Präsident zum NOx-Streit: Wollen lebenswertere Städte

Es werde aber nicht genügen, nur die Pkw auf Elektroantrieb umzustellen. Denn die Prognosen sagten eine gewaltige Zunahme des Güterverkehrs voraus, auch der Lieferverkehr wachse unaufhaltsam. In dem Kontext verwies der Präsident die neu aufgeflammte Diskussion um Stickoxidgrenzwerte ins Reich der Absurdität: "Wir wollen doch lebenswertere, gesündere Städte, da machen wir doch jetzt nicht mit dem Diesel weiter wie bisher", wetterte Sigl gegen die Gruppe von Lungenfachärzten und Wissenschaftlern, die mit einem Thesenpapier jüngst von neuem gegen die EU-Regularien zu Felde zogen.
 

Mobilitäts- und Energiewende zusammen denken

Der Verbandschef wies zudem im ländlichen Vilshofen, dem Unternehmenssitz von Paul Nutzfahrzeuge, darauf hin, dass im privaten Bereich mehr Elektrofahrzeuge am Land als in der Stadt zugelassen würden. Beim Antriebskonzept favorisiert Sigl klar den batterieelektrischen Antrieb. "Solange die Energieerzeugung für Wasserstoff 2,5 Mal so viel Strom erfordert und bei sogenannten Syn-Fuels sogar das 6,5-fache, ist das für mich indiskutabel", erklärte der BEM-Chef. Auch bei der Herstellung konventionellen Sprits werde im Schnitt pro Liter 1,6 kWh an Strom eingesetzt, bemerkte er am Rande. Das verschlechtere die Bilanz von konventionellen Fahrzeugen weiter.

"Wenn schon Well-to-Wheel, dann ehrlich und für alle", forderte er.

Im Übrigen mahnte von Seiten der Politik mehr Offenheit für Visionen an und forderte, nicht zuvorderst auf die Probleme der E-Mobilität zu fokussieren, sondern die Chancen zu betonen.

"Wir brauchen keine ewigen Bedenkenträger, warum das alles nicht geht, sondern einen Club der Willigen. Der Vorteil der E-Mobilität ist: Wir können sie klimaneutral gestalten, wenn wir es richtig anpacken", postulierte er.

Und mahnte in dem Zusammenhang vehement, mit der Mobilitätswende müsse eine Energiewende einhergehen und das Speicherproblem gelöst werden. Generell spüre er Aufwind für den E-Antrieb, was sich auch im Zuwachs an Mitgliedern im Verband, mittlerweile 300 Unternehmen, bemerkbar mache. Dazu zählten nunmehr auch prominente Zulieferer der Automobilindustrie, aber viele Mittelständler und auch Hochschulvertreter, berichtete er stolz.

E-Vade: Erster Retrofit-Vario an die BSR übergeben

Diesen Rückenwind fühlt man durchaus auch bei Paul Nutzfahrzeuge, wo anlässlich des E-Mobilitätstages das erste Retrofit-Fahrzeug auf Basis eines umgerüstete Mercedes-Benz Vario mit E-Achse von BpW an die Berliner Stadtreinigung übergeben wurde. Als kommunaler Betrieb sieht man sich, wie BSR-Fuhrparkmanager Wolfgang Wüllhorst darlegte, durchaus als Impulsgeber und Vorreiter.

"Wir können neue Antriebe in der Praxis erproben und Innovationen anstoßen", erklärte er.

Allerdings müssten die E-Fahrzeuge die gleichen Anforderungen erfüllen wie konventionelle Diesel, beim Müllsammelfahrzeug etwa elf Tonnen Nutzlast, gleiche Pressleistung und vieles mehr. Der E-Vario muss die gleichen Winterdienste versehen können wie in seinem ersten Leben als Diesel. Sechs bis sieben Jahre plant er, das umgerüstete Fahrzeug noch einzusetzen, das sich bei einer ersten Proberunde tadellos fahren ließ - und deutlich leiser und komfortabler als der Selbstzünder. Um die E-Mobilität auch wirtschaftlich und praktisch zu integrieren, seien aber Anpassungen in der Infrastruktur notwendig: Dafür habe man 80 AC-Ladesäulen an sieben Standorten installiert, betreibe etwa auch eine Biomethan-Anlage für die 150 CNG-Lkw im Fuhrpark. Für ihn besteht kein Zweifel: Die Kommunal- und Abfallsammelfahrzeuge der Zukunft fahren und arbeiten elektrisch. Auch eine elektrische Kehrmaschine hat man übrigens schon realiseirt.

Zwischenschritt: Der optimierte Verbrenner mit Start-Stopp

Als Zwischenschritt setzt man beim Konzept eines Abfallsammlers 2020+, den man mit einem Fahrzeug- und einem Aufbauhersteller ab April einsetzen will, auf ein energieoptimierten Dieselantrieb. Der soll 25 Prozent weniger Sprit im ersten Schritt verbrauchen, im zweiten Step soll mit Hilfe einer Start-Stopp-Automatik ein Drittel Diesel gespart werden. Auch über eine Nachrüstung der Euro-5-Diesel denke man im Moment nach.

Das Interesse an dem Elektro-Umrüstkit jedenfalls, der neben der Elektroachse aus zwei Lithium-Ionen-Akkus vom BMW i3 sowie BpW-eigener Steuerungselektronik besteht, sei gewaltig, die erste Jahreskapazität von 100 Exemplaren bereits so gut wie ausgebucht, berichtete Thomas Kotowski, Key Account Manager bei E-Vade.

"Die Fahrzeuge werden bei den Kommunen behandelt wie Goldstaub. Es gibt bis heute kein ähnlich robustes Konzept im 7,5-Tonner-Transporterbereich", meint er süffisant.

Nach seiner Schätzung sind in Deutschland noch 60.000 Vario-Modelle im Altbestand. Besonders stolz ist er, dass auch ein nahmhafter Paket-Logistiker sich für das Umrüstkit interessiert und bereits testweise ein Fahrzeug umbauen lässt, der bisher einen anderen Anbieter für den E-Umbau favorisiert.

Vario-Upcycling: Die Nachfrage von Kommunen ist hoch

Oft seien die alten Benz mit teuren Auf- und Ausbauten versehen, die eine Umrüstung rentabler machten als eine komplette Neuanschaffung, so der E-Mobilitätsexperte. Die Fahrzeuge verbleiben also im Eigentum der Betreiber, werden bei Paul mit dem Retrofit umgerüstet und komplett "entkernt, entdieselt und aufgearbeitet", wie Kotowski formuliert und gingen dann, frisch lackiert und in gutem Gebrauchtzustand zurück an den Betreiber.

Mit dem Umbau gewinnen die Fahrzeuge sogar an Nutzlast, weil die Kardanwelle und der schwere Diesel-Motor wegfielen. Außerdem erhöhe der radnahe Antrieb mit den zwei E-Maschinen der kontinuierlich weiter verfeinerten BPW-Achse die Effizienz deutlich und senke die Betriebskosten. Und den Upcycling-Aspekt will er auch nicht vergessen wissen: Schließlich verschlinge auch die Herstellung eines Neufahrzeugs Unmengen an Energie. Die Kunden erhielten zudem ein zu hundert Prozent geprüftes Fahrzeuge, das sich als Premium-Umbaupartner nicht von einem Daimler-Serienfahrzeug unterscheiden dürfe, wirbt Kotowski für die Qualitäten des Mittelständlers.

Ein E-Cargobike als "Besenwagen"

Daneben rüstet E-Vade den Streetscooter Work in diversen Branchenausführungen um, vom Kipper bis zum Müllsammelfahrzeug oder einem gewaltigen Paketkoffer von Humbaur. Auch dieses Geschäft nehme kontinuierlich zu, berichtet der Evade-Mann. Daneben hat man sich den E-Cargobikes von Streetscooter angenommen und es zu einem kleinen Hausmeister- und Besenfahrzeug umgestaltet.

Mit welchen Fahrzeugen, welchen Konzepten und welcher Förderung man schon heute gewerblich elektromobil sein kann, lesen Sie demnächst.

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