Ökoinstitut-Analyse: Wie nachhaltig ist die E-Mobilität?

Im jüngsten Podcast widmet sich das renommierte Institut der Frage der gesamtbilanziellen Nachhaltigkeit von E-Autos. Und kommt zu differenzierten Schlüssen, wenngleich E-Mobile immer besser sind als Verbrenner. Vor allem Strommix und Batterieherstellung sind zentral.

Auf den Strommix kommt es an: Das Ökoinstitut stellt in seinem aktuellen Podcast die Nachhaltigkeitsfrage bei E-Autos - und sieht als zentralen Baustein den Bezug von Grünstrom. | Foto: EnBW
Auf den Strommix kommt es an: Das Ökoinstitut stellt in seinem aktuellen Podcast die Nachhaltigkeitsfrage bei E-Autos - und sieht als zentralen Baustein den Bezug von Grünstrom. | Foto: EnBW
Johannes Reichel

Über den gesamten Lebenszyklus eines Pkw sind Elektrofahrzeuge bereits heute zu 20 bis 30 Prozent klimafreundlicher als benzin- oder dieselbetriebene Fahrzeuge, so die Kernaussage der Berliner Forschungs- und Beratungsspezialisten vom Ökoinstitut. Das zeigten Studien, die die Rohstoffgewinnung, die Herstellung der Bauteile und des Fahrzeugs, seine Nutzung als auch das Recycling einbeziehen. Wichtigste Einflussgröße ist dabei der Strommix, der zum Fahren benötigt wird und der dort enthaltene Anteil der erneuerbaren Energien. Klima- und Rohstoffbilanz, Ressourcenverfügbarkeit, Recycling. Im aktuellen Podcast des Öko-Instituts spricht Dr. Mattias Buchert über Ziele, Chancen und Perspektiven der Elektromobilität.

„Für eine Bewertung der Klimabilanz der Elektromobilität spielen aktuelle Daten zum Strommix und zur Batterieherstellung eine große Rolle“, erklärt Buchert, der den Bereich Ressourcen & Mobilität am Öko-Institut leitet.

Beide Größen veränderten sich im Moment sehr schnell in die richtige Richtung. Gerade bei der Herstellung der Lithium-Ionen-Batterien werde der CO2-Fußabdruck durch die Herstellung großer Stückzahlen kleiner werden, meint Buchert weiter.

Recycling als heimische Rohstoffquelle ausbauen

Im Fokus des Podcasts stehen Rohstoffthemen, etwa die Frage nach der Verfügbarkeit von wichtigen Rohstoffen wie Seltene Erden oder Lithium. Buchert stellt klar, dass es ausreichend Primärrohstoffe gibt, auch wenn es zu temporären Verknappungen kommen könne. Gleichzeitig betont er die Rolle des Recyclings für die Weiterverwendung der Rohstoffe aus Elektromotoren und Batterien.

"Lithium, Kobalt, Nickel – aus Elektrofahrzeugen können Schlüsselrohstoffe rückgewonnen werden. Wichtig ist, die Sammelquote bei den Batterien zu erhöhen und künftig große Recyclinganlagen in Betrieb bringen", meint der Spezialist.

So könne man sich nicht zuletzt von Primärproduzenten unabhängiger machen und gegen Krisen wappnen. Denn gerade beim Ressourcenverbrauch liegen Elektrofahrzeuge im Vergleich zu Verbrenner-Pkw vorn. Zwar benötigen Elektrofahrzeuge mehr Technologiemetalle als Benzin- oder Diesel-Pkw, dafür verbrauchen sie jedoch viel weniger fossiler Brennstoffe, vor allem Rohöl. Die Metalle können nach der Nutzung im Kreislauf geführt werden; die fossilen Treibstoffe sind jedoch verbrannt und die Ressourcen damit verloren. Netto sparen Elektroautos daher Rohstoffe ein – das hatte das Öko-Institut zuletzt auch in einer Studie zum Vergleich des Rohstoffbedarfs bei Pkw gezeigt.

Wo steht die Elektromobilität heute?

Anfang 2022 fuhren rund 600.000 vollelektrische Pkw, was circa 1,3 Prozent der Flotte in Deutschland entspricht; dazu kommen noch einmal genauso viele Plug-In-Hybrid-Pkw, die teilweise mit Strom und teilweise im Verbrennermodus fahren. 15 Millionen vollelektrische Pkw sollen es bis zum Jahr 2030 sein – 30 Prozent der dann auf den Straßen befindlichen Pkw – so die Pläne der Bundesregierung im Koalitionsvertrag.

Wissen statt Alltagsberatung

Der Podcast „Wenden bitte!“ des Öko-Instituts richtet sich an alle mit politischem und ökologischem Interesse aus Politik, Wissenschaft, Medien, NGOs und Öffentlichkeit. Den Podcast moderieren Nadine Kreutzer, Journalistin und Moderatorin, und Mandy Schoßig, Leiterin Öffentlichkeit & Kommunikation am Öko-Institut. Rund eine Stunde lang sprechen sie mit einem Experten bzw. einer Expertin aus dem Öko-Institut über anstehende Nachhaltigkeitstransformationen und sehen sich so als die „Langstrecke der Umweltpodcasts“.

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