Nissan schließt spanisches Werk

Nissan reagiert auf den ersten Verlust seit Jahren mit einem massiven Sparprogramm.

Der E-NV 200 wird noch in Barcelona montiert - in Spanien genoss Nissan durch die Ebro-Historie vor allem bei Vans und leichten Lkw den Status einer "spanischen Marke". | Foto: G. Soller
Der E-NV 200 wird noch in Barcelona montiert - in Spanien genoss Nissan durch die Ebro-Historie vor allem bei Vans und leichten Lkw den Status einer "spanischen Marke". | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Die Gerüchte existieren schon länger: Schon seit Jahren fuhr Nissan die Kapazitäten in seinem spanischen Werk zurück. Jetzt soll die Fertigung bei Barcelona geschlossen werden, auch weil Europa nicht mehr als Kernmarkt von Nissan betrachtet wird. Das vermeldet unter anderm die Plattform "Automobilwoche". Damit setzt Nissan auch die neu getroffene Allianzvereinbarung mit Renault und Mitsubishi sofort um, nach der jede Marke Kernregionen zugewiesen bekommt. Und das sind bei Nissan zuvorderst Japan und die USA. Entsprechend wollen die Japaner künftig mit weniger Standorten und weniger Modellen ihre Profitabilität steigern.

Weltweit soll die Produktionskapazität laut Vorstandschef Makoto Uchida um 20 Prozent reduziert werden, wie er auf der digitalen übertragenen Bilanzpressekonferenz in Yokohama ankündigte. Heißt in Zahlen: Statt aktuell 7,2 Millionen Einheiten pro Jahr solle die maximale Jahreskapazität bis 2023 auf 6,0 Millionen Fahrzeuge schrumpfen, wobei die reguläre Jahreskapazität dann nur noch bei 5,4 Millionen Einheiten liegen solle.Dabei erteilt er den aggressiven Expansionsplänen des Ex-CEOS Carlos Ghosn eine klare Absage:

„Wir korrigieren unseren Kurs. An die Stelle von exzessiver Expansion tritt ein stetiges Wachstum.“

Der Restrukturierung fällt demnach unter anderem das Montagewerke im spanischen Barcelona zum Opfer, das einst vom Lkw-Hersteller Ebro übernommen wurde.19820 übernahmen die Japaner die Aktienmehrheit am spanischen Unternehmen Motor Ibérica S.A., das mit Jeep und Alfa Romeo kooperierte und Lkw unter der Marke Ebro fertigte. Zu Spitzenzeiten waren dort bis zu 5200 Menschen beschäftigt. dort sind derzeit noch 2800 Mitarbeiter beschäftigt. Aktuell wird dort noch der NV-200 für Europa montiert, auch als E-Version, dazu der Pickup Navara sowie die Lkw-Modelle der Nissan NT-Serie, die auch an Renault Trucks geliefert werden. Diese Produkte könnten teils in Renault-Fabriken verschoben werden, um dort die Auslastung zu erhöhen. Da Mitsubishi Südostasien betreuen wird, plant Nissan außerdem, sein Werk in Indonesien zu schließen.

Entwarnung gab es dagegen für die Produktion im britischen Sunderland: Hier soll mit der zustzlichen Montage von Renault-Modellen die Kapazitätsauslastung gewährleistet bleiben. Kernmärkte sind für Nissan künftig nur noch Japan, China und Nordamerika. Europa, Lateinamerika und die Asean-Region müssen strategisch hinter diese Regionen treten und werden im Lead von Renault betreut werden. Sehr japanisch die demütige Rückkehr auf den Heimatmarkt. Hierzu sagte Uchida:

„Wir haben unsere loyalen Kunden auf unserem Heimatmarkt enttäuscht.“

Was bedeutet das?

Die neue Ordnung bei der Allianz greift im Falle von Nissan sofort: Seit Jahren fuhr man die Kapazitäten in Spanien zurück – mit dem neuen Sparprogramm kommt jetzt die Schließung.

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