Nissan plant Elektroauto-Kompetenzzentrum in Sunderland

Unter der Initiative „Nissan EV36Zero“ plant Nissan unweit des britischen Nissan-Standorts Sunderland „ein weltweit einzigartiges Fertigungszentrum“ für Elektroautos.

Nissan will in Sunderland ein elektrisches Kompakt-Crossover fertigen. | Foto: Nissan
Nissan will in Sunderland ein elektrisches Kompakt-Crossover fertigen. | Foto: Nissan
Gregor Soller

Auch Nissan schaltet bei seiner Dekarbonisierungsstrategie einen Gang hoch und plant ein Elektrofahrzeugkompetenzzentrum in Großbritannien. Damit bleibt Nissan im Gegensatz zu Honda auf der Insel und plant dort für die Zukunft. In das Projekt plant Nissan mit seinem Batteriepartner Envision AESC und der Stadt Sunderland, zunächst eine Milliarde britische Pfund (umgerechnet rund 1,17 Milliarden Euro) zu investieren.

Nissan EV36Zero umfasse drei miteinander verbundene Initiativen zur Produktion von Elektrofahrzeugen, erneuerbarer Energien und Batterien und stelle damit eine Blaupause für die Zukunft der Automobilindustrie dar. Nissan-CEO Makoto Uchida erklärt dazu:

„Dieses Projekt ist richtungsweisend, um Kohlenstoffneutralität über den gesamten Lebenszyklus unserer Produkte zu erreichen.“

Dabei verfolgt auch Uchida einen ganzheitlichen Ansatz zur CO2-Senkung und –Vermeidung:

„Unser ganzheitlicher Ansatz beinhaltet dabei nicht nur die Entwicklung und Produktion von E-Fahrzeugen, sondern auch die Nutzung der Antriebsbatterien als stationärer Energiespeicher und ihre Wiederverwendung für Sekundärzwecke. Unsere Ankündigung heute ist das Ergebnis langer Diskussionen innerhalb unserer Teams und wird unsere Bestrebungen, Kohlenstoffneutralität für unsere Aktivitäten in Europa zu erreichen, erheblich beschleunigen. “

Ein neues Elektromodell aus Europa für Europa

Dabei sollen bis zu 423 Millionen britische Pfund (ca. 493 Millionen Euro) investiert werden, um „ein vollkommen neues vollelektrisches Fahrzeug der nächsten Generation“ in Großbritannien zu produzieren. Dabei soll es sich um einen Crossover im „Fahrzeugdesign der Zukunft“ handeln, der Effizienz und neueste Batterietechnologie verbinde. Dem ersten Teaserfoto nach würde das Modell unterhalb des Ariya stehen. Es steht logischereise auf der CMF-EV-Plattform der Allianz Renault-Nissan-Mitsubishi auf und soll von Sunderland aus in die europäischen Märkte exportiert werden.

Neben dem Auto- entsteht ein neues Akkuwerk

Envision AESC betreibt in Sunderland bereits ein Batteriewerk. Es wurde 2012 für die lokale Produktion des Nissan Leaf errichtet, mittlerweile werden auch Energiespeicher für den Kleinbus e-NV200 hergestellt. Für das neue elektrische Crossover-Modell investiert Envision AESC laut Nissan 450 Millionen britische Pfund (ca. 525 Millionen Euro) in eine neue Fabrik für Batterietechnologie der nächsten Generation. Das Werk entsteht im International Advanced Manufacturing Park (IAMP), der an das Nissan-Werk angrenzt. Die Fabrik soll zunächst eine Kapazität von 9 Gigawatt (GWh) bieten. Bis 2030 ist laut Nissan der Ausbau in weiteren Schritten auf bis zu 25 GWh denkbar. Die potenzielle Maximalkapazität an diesem Standort liege bei 35 GWh.

Laut Nissan steigere die neue Produktionsstätte die Wettbewerbsfähigkeit der in England gebauten E-Auto-Batterien der fünften Generation, da sie eine um 30 Prozent höhere Energiedichte für mehr Reichweite und Effizienz bietet. Außerdem sollen möglichst viele Komponenten lokal vor Ort gefertigt werden, was unnötige Transporte vermeidet und so ebenfalls den CO2-Footprint senkt. Außerdem sollen die Batterien werden damit günstiger werden.

Ein Megawatt Akkuspeicher aus gebrauchten Leaf-Batterien

Der Stadtrat von Sunderland unterstützt Nissans Pläne mit einem „Microgrid“, das erneuerbaren Strom für die Produktion zur Verfügung stellt und jährlich 55.000 Tonnen CO2 einsparen soll. Mit der Möglichkeit, die bestehenden Wind- und Solarparks von Nissan einzubeziehen, könnten nach ersten Plänen bis zu zehn Solarparks mit einer voraussichtlichen Leistung von 132 Megawatt (MW) entstehen. Sie werden direkt an das britische Stromnetz angeschlossen, um Nissan und die im angrenzenden International Advanced Manufacturing Park ansässigen Automobilunternehmen zu versorgen. Das Microgrid-Projekt umfasst auch Pläne für ein 1-MW-Batteriespeichersystem, das aus gebrauchten Elektroauto-Batterien von Nissan und Envision AESC besteht. Es soll die überschüssige Energie, die tagsüber erzeugt wird, speichern, um die Nachfrage im Netz auszugleichen und die Energie zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung zu stellen.

Was bedeutet das?

Nachdem zuletzt viele japanische Konzerne ihre Aktivitäten in Europa merklich zurückfuhren, bekennt sich Nissan jetzt zum Standort Sunderland und will ihn zusammen mit Envision AESC zu einem Elektroauto-Kompetenzzentrum umwandeln und damit die Dekarbonisierung vorantreiben.

Printer Friendly, PDF & Email