Nissan Newbird: Bluebird elektrisch reloaded

Nissan schenkt sich zum 35-jährigen Produktionsjubiläum im britischen Werk Sunderland einen umgebauten elektrischen Bluebird.

Buntes Geschenk: Der Elektro-Bluebird zum 35-jährigen Produktionsjubiläum im britischen Werk Sunderland. | Foto: Nissan
Buntes Geschenk: Der Elektro-Bluebird zum 35-jährigen Produktionsjubiläum im britischen Werk Sunderland. | Foto: Nissan
Gregor Soller

Zeitweise war Nissan in Sachen Stückzahlen der größte Autoproduzent Großbritanniens. Der „Newbird“ soll die langjährige Tradition mit der Nissan Ambition 2030 verbinden und der beschleunigten Elektrifizierung Rechnung tragen: Der „Restomod“ nutzt den vollelektrischen Antriebsstrang des Leaf, der seit zehn Jahren ebenfalls im Werk Sunderland produziert wird.„Der Newbird repräsentiert alles, was an unserem nun 35-jähriges Produktionsjubiläum feiernden Werk großartig ist: die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft“, freut sich Alan Johnson, Vice President Manufacturing im Nissan Werk Sunderland.

Umfassende Modifikationen waren nötig - und kosteten viel Kofferraumvolumen

Für die vollelektrische Neuauflage wurde der Nissan Bluebird umfassend modifiziert: Satt Verbrenner kamen Elektromaschine, Wechselrichter und ein 40-kWh-Batteriepaket, das für eine gute Balance auf Motor- und den Kofferraum aufgeteilt wurde, Letzterer verschwand dafür fast völlig – kleines Package-Problem. Eine spezielle Aufhängung trägt das zusätzliche Gewicht der Batteriemodule. Auch Servolenkung, Bremsen und Heizung wurden überarbeitet und auf den elektrischen Betrieb ausgelegt.

Hinter der Tankklappe versteckt sich nun der Ladeanschluss: Der Hochvoltakku kann mit bis zu 6,6 kW aufgeladen werden. Die ursprüngliche Instrumententafel ist nun mit dem EV-System verbunden und zeigt den Ladestand der Batterie an. Die Reichweite des nicht zugelassenen Prototyps wird auf rund 130 Meilen (209 Kilometer) pro Akkuladung geschätzt. Die Beschleunigung von null auf 100 km/h erfolgt in knapp 15 Sekunden.

Für das Exterieur entwarf das europäische Nissan Designzentrum ein neues grafisches Motiv, das beliebte optische Akzente der 1980er Jahre mit der Ästhetik des 21. Jahrhunderts verbindet. Die LED-Hintergrundbeleuchtung setzt die originale Motorhaube (im Stand) in Szene und verweist auf den innovativen Antrieb.

Der Umbau wurde von Kinghorn Electric Vehicles geleitet: Das in Durham beheimatete Familienunternehmen liegt nur wenige Kilometer vom Nissan Werk entfernt und hat sich auf die Umrüstung von Oldtimern auf vollelektrischen Antrieb spezialisiert. Hierfür nutzt es gebrauchte Motoren, Wechselrichter und Batterien des Nissan Leaf. George Kinghorn eruinnert sich: „Die Werkseröffnung hat im Nordosten einen großen wirtschaftlichen Aufschwung ausgelöst. Der Bluebird war das erste Fahrzeug, das vom Band lief. Er steht für den Beginn dieses Optimismus, des Fortschritts und der globalen industriellen Präsenz, die bis heute anhält. Elektrofahrzeuge sind nicht nur die Zukunft, sie sind das Hier und Jetzt! Wenn man ältere Fahrzeuge auf Elektroantrieb umrüstet, kann man diese legendären Oldtimer im Alltag nutzen. Sie machen genauso viel Spaß, sind aber zuverlässiger und stoßen vor allem keine schädlichen Emissionen aus. Wir glauben, dass wir mit diesem Projekt ein Auto geschaffen haben, das die Seele des Nissan Bluebird mit dem Herz eines Nissan LEAF verbindet.“

Im Wandel: Das europäische Nissan Werk

In dem 1986 eröffneten Nissan Werk Sunderland sind bislang mehr als 10,5 Millionen Fahrzeuge vom Band gelaufen. Die Zahl Belegschaft stieg von ursprünglich 430 auf inzwischen 6.000 Mitarbeitenden – darunter 19 Beschäftigte, die seit der ersten Stunde dabei sind. Als erstes Fahrzeug wurde in Sunderland der Bluebird Job 1 produziert, der auch das Herzstück einer Ausstellung im örtlichen Museum ist. Ihm folgten bis 1990 insgesamt 187.178 weitere Bluebird. Dauerte die Fertigung anfangs mehr als 22 Stunden pro Fahrzeug, läuft heute, 35 Jahre später, ein Leaf schon nach zehn Stunden vom Band – dank moderner Fertigungstechnologie.

Mit der unlängst vorgestellten „Nissan Ambition 2030“ entwickelt sich der japanische Automobilhersteller zum gänzlich nachhaltigen Unternehmen, das sich für eine sauberere, sicherere und integrativere Welt einsetzt. Die Vision unterstützt das Ziel von Nissan, bis zum Jahr 2050 über den gesamten Lebenszyklus seiner Produkte CO2-neutral zu sein. Hierfür werden alle neuen Nissan Fahrzeuge in Schlüsselmärkten wie Europa bis Anfang der 2030er Jahre elektrifiziert: Der im Rahmen der jüngsten Ankündigungen präsentierte Nissan Chill-Out gibt einen Ausblick auf eine neue Generation elektrischer Crossover, die ebenfalls in Sunderland produziert werden.

Windenergie für die Fertigung

Parallel dazu etabliert das Unternehmen mit „EV36Zero“ ein EV-Kompetenzzentrum als ganzheitliches Ökosystem für die Produktion von Elektroautos und Hochvoltbatterien. Hierfür baut Nissan auch den Anteil erneuerbarer Energien am Standort aus: Zu den 6,6 Megawatt/MW) starken Windturbinen und dem 4,75 MW starken Solarpark kommt eine Solarpark-Erweiterung mit 20 MW. Die Installation soll voraussichtlich bis Mai 2022 abgeschlossen sein. Dadurch verdoppelt sich der vor Ort erzeugte Strom aus erneuerbaren Quellen auf 20 Prozent des werkseigenen Energiebedarfs – genug, um jeden in Europa verkauften Nissan LEAF zu bauen. Bis zu neun weitere Solaranlagen sollen folgen.

Was bedeutet das?

Ein bunter und kantiger „Geburtstagskuchen“, den sich Nissan da gegönnt hat! Und ein Hinweis, wie man Klassiker auch lokal emissionsfrei auf der Straße halten könnte, wenngleich es bisweilen mit dem „Package“ Probleme gibt – und das H-Kennzeichen so nicht mehr möglich ist.

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