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Nissan-Elektro-Chef Pelletreau: "Vom 10.000-Euro-Auto werden wir uns verabschieden müssen!"

Im Interview erklärt uns Guillaume Pelletreau, Vice President of Electrification and Connected Services, wie er Nissans Zukunft sieht und warum es vermutlich keine vollwertigen 10.000-Euro-Autos mehr geben wird.

Stand Rede und Antwort zur Nissan-Zukunft: Guillaume Pelletreau, Nissan Vice President of Electrification and Connected Services
Stand Rede und Antwort zur Nissan-Zukunft: Guillaume Pelletreau, Nissan Vice President of Electrification and Connected Services
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Gregor Soller

Im Interview erklärt uns Guillaume Pelletreau, Vice President of Electrification and Connected Services, wie er Nissans Zukunft sieht und warum es vermutlich keine vollwertigen 10.000-Euro-Autos mehr geben wird.

Wir treffen Guillaume Pelletreau im Tohru – einem unscheinbaren, aber extrem edlen japanischen Restaurant mitten in München. Von außen deuten nur ein Schild und eine Tür das Restaurant an. Wer es nicht kennt, läuft daran vorbei. Hinter der Tür führen Stufen in den ersten Stock – nichts deutet darauf hin, dass dort ein extrem feines Restaurant sein könnte. Das definitiv zu den Besten Münchens gehört. Sinnbildlich könnte man das für den neuen Nissan Ariya sehen: Bisher ist er noch selten zu sehen, vertritt aber einen viel höheren Anspruch als man der Marke allgemeinhin zuschreibt. Wir treffen Pelletreau im kleinen Kreis und erfahren dann doch so manch spannenden Hintergrund. Er arbeitet seit 2005 bei Nissan und gehört damit zu den „Urgesteinen“. Schnell wird klar: Guillaume ist davon überzeugt, dass der Automobilmarkt in den kommenden Jahren weitere große Umwälzungen erfahren wird. Und auch wenn Nissan weiter auf eine starke Händlerschaft setzt: Die Customer Journey wird seiner Ansicht mehr denn je digital ausgerichtet sein, und die Kunden werden ständig nach neuen, alternativen Mobilitätslösungen suchen.

Interessant: Der Familienvater Guillaume verbringt gerne Zeit mit seiner Frau und seinen Kindern. Und ist ein begeisterter Sportler, der versucht, an so vielen sportlichen Aktivitäten wie möglich teilzunehmen, die gern auch mal fordernd sein dürfen, wie Berg- und Skiwanderungen sowie Ski-Wettkämpfe. Guillaume ist der festen Überzeugung, dass sein Geist nur funktioniert, wenn der Körper in guter Form ist. Sein privates Kontrastprogramm dazu ist das Lesen und Sammeln von Comics. Seine Sammlung umfasst beinahe 2.000 Exemplare, die er von Zeit zu Zeit immer wieder gern liest. Aktuell fährt er einen Ariya, was wir gleich als Einstieg ins Gespräch nutzen.

Noch immer ist der Ariya in Deutschland extrem selten – sind Sie mit dem Absatz zufrieden?

Pelletreau: Für die Stückzahlen, die wir aktuell liefern können, sind wir sehr zufrieden. Absolut gesehen sind wir es natürlich nicht, denn als wir den Launch geplant haben, hatten wir weder Covid, noch die Chipkrise, noch den Ukraine-Konflikt auf dem Zettel. Aber die Situation bessert sich wöchentlich (lächelt).

Qualitativ und preislich setzt der Ariya für Nissan neue Maßstäbe und ragt hier schon ins Premium-Segment hinein. Ist er den Kunden nicht zu teuer?

Pelletreau: Der Ariya ist klar unser Topmodell und unterstreicht Nissans Anspruch in der Elektromobilität. Wir haben auch unsere anderen Modelle deutlich aufgewertet, was bei den Kunden sehr gut ankam.

Trotzdem startet das Nissan-Programm durch den Auslauf des aktuellen Micra mittlerweile mit dem nicht mehr ganz günstigen Juke, der für knapp 21.000 Euro erhältlich ist. Diese Situation wird auch der neue kompakte Stromer (auf Basis des elektrischen Renault 5 Anm. d. Red.) nicht ändern. Wird Nissan da nicht vielen Stammkunden zu teuer?

Pelletreau: Fakt ist, dass Elektromobilität aktuell kaum unter 20.000 Euro dargestellt werden kann. Im Segment der Kompaktwagen machen die Akkukosten derzeit einen großen Anteil an den Gesamtkosten aus, und solange diese Kosten nicht merklich sinken, bekommen wir hier keine günstigeren Modelle. Nissan plant, die Batteriekosten bis 2028 um 65 Prozent zu senken. Abgesehen davon glaube ich, dass wir uns wohl von der magischen 10.000-Euro-Marke verabschieden müssen.

In China schafft BYD es, den „Seagull“ aktuell knapp unter dieser Marke anzubieten…

Pelletreau: Allerdings nicht mit einem Package, das Nissan-Kunden erwarten. Aber uns ist auch klar, dass viele Kunden die höheren Preise nicht mehr mitgehen können oder wollen. Für diese bieten wir Alternativen: Zum einen die Möglichkeit, unsere Fahrzeuge dank starker Restwerte zu attraktiven Konditionen zu leasen oder auch junge Nissan Gebrauchtfahrzeuge zu erwerben. Diese entsprechen dank Software-Updates unseren Nissan Neuwagen. Ich setzte hier stark auf die Over-the-Air- Updates.

Aber Nissan hatte mit Datsun auch einen kostengünstigen Ableger wie es Dacia für Renault ist?

Pelletreau: Das ist grundsätzlich korrekt, nur dass der vor allem für emerging markets gedacht war. Nissan-Kunden erwarten mehr, während reine Preiskäufer dann andere Marken bevorzugen. Auch wir hatten ab 2009 mit dem Nissan Pixo ein sehr günstiges Einstiegsmodell im Portfolio, aber das wurde nur bedingt angenommen. 

Nissan bewegt sich also nach oben – was wird dem Ariya demnächst folgen?

Pelletreau (lächelt): Viele neue Produkte. Um ganz ehrlich zu sein, die Zeit seit 2018 war definitv kein „walk in the park“. Aber jetzt stimmen die Lieferketten wieder, die Prozesse und Produkte. Und wir werden in nicht allzu ferner Zukunft ein elektrisches SUV und ein elektrisches Kompaktmodell bringen, beide Fahrzeuge haben wir bereits angekündigt.

Welches sind aktuell die Topseller?

Pelletreau: In Europa klar der Qashqai.

Beides aber noch Modelle, die nur elektrifiziert, aber nicht elektrisch sind…

Pelletreau: Wir orientieren uns hier klar am Kunden. Dank e-Power kann man erfahren, wie angenehm es ist, rein elektrisch zu fahren, ohne sich Sorgen um die Reichweite zu machen. Und dank e-Power steigt das Interesse an rein elektrischen Fahrzeugen, die unsere Zukunft sein werden!

 

Zu Guillaume Pelletreau:

Guillaume ist seit Januar 2022 Vice President of Electrification and Connected Services am Hauptsitz von Nissan AMIEO in Paris. Er spielt eine Schlüsselrolle bei der Elektrifizierung der AMIEO-Region und unterstützt das Unternehmen dabei, die Elektromobilität in der Region, die von Afrika, dem Mittleren Osten, Indien und Europa bis Ozeanien (AMIEO) reicht, zu fördern. Dies ist ein wichtiger Pfeiler der „Ambition 2030“ von Nissan, mit der der Konzern auf eine sauberere, sicherere und integrativere Welt abzielt. Im Zusammenhang mit Connected Car Services umfasst Guillaumes Aufgabe, die AMIEO-Region so zu strukturieren und zu organisieren, dass Dienstleistungen rund um das Fahrzeug effizient spezifiziert, entwickelt und erbracht werden können, mit dem Ziel, die Kundenzufriedenheit und -loyalität zu erhöhen.

Das Interview führte Gregor Soller

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