Nio wächst dezent und sammelt neues Geld

2019 verkaufte Nio 20.565 Autos, womit der Hersteller sein Volumen gegenüber 2018 verdoppelt hat. Außerdem sammelte man 100 Millionen Dollar per Anleihe ein.

Neuestes Modell ist das SUV-Coupé EC6. | Foto: Nio
Neuestes Modell ist das SUV-Coupé EC6. | Foto: Nio
Gregor Soller

Nio kommt langsam aus den Startlöchern: Im Dezember 2019 lieferte man 3.170 Fahrzeuge aus, was ein robustes Wachstum von 25,4% im Vergleich zum Vormonat bedeutet, das vor allem durch die starken Verkäufe des ES6 getragen wurde. Die Auslieferungen umfassten 2.537 ES6 und 633 ES8, was einem Anstieg von 22,7% bzw. 37,3% gegenüber November 2019 entspricht. Zum 31. Dezember 2019 erreichten die Gesamtauslieferungen aller Nio-Modelle 31.913 Fahrzeuge, von denen 20.565 im Jahr 2019 ausgeliefert wurden. Das sind für ein Start-up Zahlen, mit denen man zufrieden sein könnte, zumal sie permanent massiv steigen – generell aber sind solche Absatzzahlen für Autohersteller viel zu niedrig.

Trotzdem kämpft Nio weiter und hat sich jüngst frisches Kapital besorgt: Im Rahmen einer Privatplatzierung wurden sogenannte Wandelschuldverschreibungen mit einem Volumen von insgesamt 100 Millionen US-Dollar ausgegeben. Abnehmer sind zwei asiatische Investmentfonds, die ein Volumen von 70 respektive 30 Millionen Dollar übernehmen. Damit dürften vor allem die Serienanläufe weiterer Modelle wie dem SUV EC6 vorangetrieben werden.

William Bin Li, Gründer, Vorsitzender und Vorstandsvorsitzender von NIO, ist aktuell zufrieden:

„Der Dezember war der fünfte Monat in Folge mit steigenden Auslieferungen für Nio, trotz der anhaltenden Schwäche der gesamten Automobilindustrie und insbesondere des deutlichen Rückgangs der Elektrofahrzeugverkäufe in der zweiten Hälfte des Jahres 2019. Diese Ergebnisse sind nicht nur auf unsere Produkte und Dienstleistungen zurückzuführen, die sich in Qualität, Leistung und Preisgestaltung weiterhin von der Konkurrenz abheben, sondern auch auf unsere leidenschaftliche, loyale und unterstützende Benutzerbasis. Durch positive Mundpropaganda und Empfehlungen bleiben unsere bestehenden Anwender ein stetiger und relevanter Motor für neue Aufträge. Unsere Verkäufe profitierten auch von der Erweiterung unseres Vertriebsnetzes durch die kontinuierliche Einführung effizienterer Nio-Zentren.“

Für 2020 soll ein 100-kWh-Batteriepaket kommen und das Premium-SUV-E-Coupé EC6 an den Start gehen. Insofern erwartet Li, dass die immerhin nach oben zeigende Auftragsdynamik „auch in Zukunft anhalten wird".

Neues auch aus Deutschland: In München bereitet man derweil die EU-Homologation für den ES6 vor, dem bald auch der EC6 folgen könnte. Im Gegensatz zum sehr großen ES8 sieht die EU-Zentrale beim doch kompakter bauenden ES6, der ungefähr mit dem BMW X5 oder Daimlers GLE vergleichbar ist, größeres Potenzial. Auch bei Nio hat Europa wegen der Schwäche Chinas mittlerweile eine höhere Priorität.

Was bedeutet das?

Nio hat en Marktstart geschafft, ist aber noch sehr weit weg von den riesigen Volumina, welche ein Autohersteller braucht, um langfristig profitabel arbeiten zu können. Man darf gespannt sein, ob die Investoren hier wie bei Tesla einen langen Atem haben, um die Marke auf ein gewinnbringendes Niveau wachsen zu lassen. Prinzipielles Potenzial wäre vorhanden.

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