Nio: Neue Kreditlinie und Rekordauslieferungen

Auch Nio scheint seine Krise langsam, aber sicher zu überwinden: Das Unternehmen konnte sich bei sechs chinesischen Banken Kreditlinien über insgesamt 10,4 Milliarden Yuan (das sind rund 1,3 Milliarden Euro) sichern.

Das SUV-Coupé EC6 sollten den Absatz weiter beflügeln. | Foto: Nio
Das SUV-Coupé EC6 sollten den Absatz weiter beflügeln. | Foto: Nio
Gregor Soller

Mittlerweile hat Nio 50.000 Fahrzeuge produziert und die Zahlen steigen kontinuierlich: Ein weißer ES8 lief in Hefei vom Band, wo Nio die Autos noch in einem Joint Venture mit JAC baut. Die bisher ausgelieferten Fahrzeuge haben laut Nio mittlerweile über 800 Millionen Kilometer zurückgelegt. Positiv: Die Auslieferungen steigen derzeit stetig: Im Juni 2020 wurde mit 3.740 ausgelieferten Modellen ein neuer Monatsrekord erreicht werden, im zweiten Quartal habe man bereits 10.331 Fahrzeuge ausgeliefert. Und das trotz Corona, das in China mittlerweile kein Thema mehr zu sein scheint. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2019 bedeutet das einen Zuwachs von 190,8 Prozent.

Deshalb will Nio auch die Produktion neu (und selbst) organisieren, wozu auch das frische Geld dienen soll. Es stammt laut chinesischen Medienberichten ausschließlich aus Zweigstellen staatlicher Geschäftsbanken in der Provinz Anhui, darunter die Bank of China, die Industrial and Commercial Bank of China und die China Construction Bank. Womit wir in der besagten Provinz wären, wo Nio künftig seine Modelle fertigen will respektive soll, denn Nio hat eine Rahmenvereinbarung mit der Stadtregierung der Provinzhauptstadt Hefei unterzeichnet. In der hatte sich das damals stark unter Druck stehende Unternehmen dazu verpflichtet, Fabriken und Forschungszentren in der Stadt zu bauen. Ursprünglich wollte Nio eine Fabrik in Shanghai und später eine zweite in Peking bauen. Doch die Kooperation mit der Stadt Hefei brachte dem Unternehmen eine dringend benötigte Finanzierungszusage über die zehn Milliarden Yuan ein – was nun in Form der Kreditlinie mit lokalen Banken umgesetzt wurde.

Steigen die Stückzahlen weiter, könnte Nio sich ähnlich wie Tesla langsam aber sicher zu einem soliden Start-up entwickeln. Zumal die Amerikaner auch in China mittlerweile den Markt aufgerollt haben: Das in China produzierte Model 3 ist an etlichen heimischen Wettbewerbern vorbeigeschossen und verkauft sich auch in China extrem gut. Entsprechend muss auch Nio seine Exportabsichten weitertreiben. Die USA und Europa stehen nach wie vor auf dem Plan, aber sicher nicht vor 2021 oder 2022.

Was bedeutet das?

Immerhin – Nio ist auf dem Weg, von einer Randnotiz zu einem etablierten Autohersteller zu werden. ES 6 und das Coupé EC6 sollten die Verkäufe weiter beflügeln, trotzdem bleibt der Finanzbedarf hoch: Die Palette muss mittelfristig ausgebaut werden und man muss in Hefei bauen.

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