Nio ET7: Starke Strom-Limousine

Die Fließheck-Limousine kann ab sofort als Start-Sonderedition sowie regulär mit den Batterieoptionen 70 oder 100 kWh vorbestellt werden. Die günstigste Version mit Mietakku startet bei rund 47.800 Euro.

Der ET7 ist Nios erste Limousine und punktet mit starken Daten. | Foto: Nio
Der ET7 ist Nios erste Limousine und punktet mit starken Daten. | Foto: Nio
Gregor Soller

Nio scheint die zwischenzeitlichen Turbulenzen gut weggesteckt zu haben und präsentiert jetzt die Serienversion des ET7 und damit das erste Nicht-SUV. In China soll die elektrische Allrad-Limousine ab dem ersten Quartal 2022 ausgeliefert werden, vorbestellt werden kann sie ab sofort. Ganz kurz die Fakten: Der ET7 gehört von en Abmessungen her klar in die Luxusklasse, wo auch BMW 7er und Co. parken: Er misst 5.098 mm x 1.987 mm x 1.505 mm und bietet einen langen Radstand von 3.060 mm.

Zur Coupéoptik gehören rahmenlose Fenster, selbstständig sanft schließende Türen mit elektrisch ausfahrbaren Türgriffen, eine smarte Luftfederung, die die Strecke analysiert, und ein Bremssystem mit Komponenten von Brembo. Wie beim Tesla Model 3 soll ein großes Glasdach soll viel Licht ins Innere gelangen – es misst 1,9 Quadratmeter. Entworfen wurde die ET-7-Studie in München, die Serienversion kommt jetzt geringfügig „pragmatischer“ daher. Auffällig ist vor allem das minimalistische Interieur-Design auf, das von zwei Screens dominiert wird: Einem 10,2-Zoll-Instrumentencluster und einem 12,8-Zoll-Zentraldisplay – hier folgt die Limousine grob den SUV. Auffällig sind auch die smarten, gut versteckten Lüftungsgitter. In Sachen Konnektivität wartet der ET 7 mit Sprachsteuerung, 5G und V2X-Kommunikation auf. Alle Sitze bieten Sitzheizung und Massagefunktion. Und auch Nio springt bei den Materialien auf den Zug der Nachhaltigkeit auf. Ein neues Soundsystem mit 23 Speakern soll für ein gutes Klangerlebnis sorgen.

Starker Antrieb, günstiger cW-Wert

Der ET7 bietet viel Kraft und Leistung: Nio nennt 480 kW und 850 Nm Drehmoment, hecklastig ausgelegt, denn: Der Motor an der Vorderachse bietet 180 kW und der an der Hinterachse 300 kW. Der Spurt von 0 auf 100 km/h soll in 3,9 Sekunden erledigt sein. Auch beim ET7 plant Nio drei Batterieoptionen: Zu den 70 und 100 kWh-Optionen soll es eine 150 kWh-Version geben, bei den Reichweiten heißt es Klotzen statt Kleckern: Nio nennt 500, 700 beziehungsweise 1.000 Kilometer allerdings nach dem wenig realistischen NEFZ-Testzyklus. In der Realität gehen wir je nach Verbrauch eher von 300, 500 und rund 700 Kilometern plus und nicht minus x aus – da Nio hier mittlerweile auch zu den effizienten Marken gehört. Dazu trägt auch die gute Aerodynamik bei: Den Luftwiderstand gibt Nio mit einem cW-Wert von 0,23 an. Zum Vergleich: Das Tesla Model 3 bietet hier ebenfalls günstige 0,24.Zu den Ladefähigkeiten machte man auf dem “NIO Day”, auf dem das neue Flaggschiff am vorgestellt wurde, leider noch keine Angaben.

Mit dem neuen Sensorsystem soll der ET7 den Sprung vom assistierten zum autonomen Fahren schaffen. Basis dafür ist ein selbst entwickelter, besonders hochauflösender Lidar-Sensor, der zentral vorn auf dem Dach sitzt, ein Blickfeld von 120 Grad abdeckt und links und rechts von zwei Kameras unterstützt wird. Diese drei sind klar sichtbar, aber nur ein Teil von insgesamt 33 Überwachungselementen wozu weitere Kameras, Radare und Ultraschall-Sensoren zählen. Das komplette System generiert bis zu acht Gigabyte Daten pro Sekunde, die wiederum von einem neuen Rechnersystem verarbeitet werden. Das Gesamtsystem wurde „Nio Autonomous Driving“ getauft, kurz NAD.

Günstige und durchdachte Preise

Die Preise liegen auch beim ET7 erstaunlich günstig: Nio bietet für den ET7 in China wie bei seinen anderen Modellen die Option zum Batteriekauf oder zur Batteriemiete an. Die Version mit 70-kWh-Akku kostet 448.000 Yuan vor Förderung (knapp 57.000 Euro). Mietet man den Akku, kostet der ET7 nur noch oder 378.000 Yuan (rund 48.000 Euro), wobei der Akku dann mit 980 Yuan monatlich, das sind umgerechnet rund 124 Euro extra zu Buche schlägt. Für die Version mit 100-kWh-Akku ruft Nio analog 506.000 Yuan (rund 64.000 Euro) oder ohne Akku 378.000 Yuan (rund 48.000 Euro) auf. Hier kommen dann monatlich 1.480 Yuan, das sind rund 187 Euro monatliche Batteriemiete dazu. Und natürlich startet auch der ET7 in einer „Premier Edition”: Mit dem großen 100 kWh-Akku und reichlich Sonderausstattung, unter anderem Nappa Premium Interieur, 20-Zoll-Performance Reifen sowie Nios Digital-Assistent Nomi Mate 2.0. Er kostet 526.000 Yuan (rund 66.500 Euro) oder ohne Akku 398.000 Yuan (gut 50.000 Euro) zuzüglich 1.480 Yuan (rund 187 Euro) monatliche Batteriemiete. Auch das Nio Autonomous Driving-System soll im Abo kommen, das 680 Yuan monatlich kosten wird, umgerechnet rund 86 Euro. Für frühe Vorbesteller kündigt das Unternehmen Boni an. Die Fahrzeuge würden ab dem ersten Quartal 2002 in der Reihenfolge des Bestelleingangs ausgeliefert. Interessant für Flotten und Firmenkunden: Besitzer des ET7 können mit einer Gratis-Wallbox und mehreren lebenslang geltenden Services (Wartung, Batterietausch, kostenlose Connectivity etc.) rechnen.

Die 150kWh-Version folgt später: Eventuell mit Festkörperakku

Einen Preis für die später folgende 150-kWh-Variante nennt Nio bislang noch nicht, zumal sie auch noch nicht vorbestellbar ist. Viel spannender ist aber, dass Nio hier eine Festkörperbatterie mit einer Energiedichte von 360 Wh/kg ankündigt.

Was bedeutet das?

Mit dem ET7 macht Nio entwicklungsseitig wieder einen großen Schritt nach vorn – bleibt nur zu hoffen, dass der Export bald startet: Die Anlagen und Daten stimmen und Stand Januar 2021 ist der ET 7 bei den großen Elektropremiumlimousinen ganz vorn mit dabei. Also ab 2022 bitte auch nach Europa exportieren!

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