Nio: Dramatische Aussichten für 2020

Auch Nio hat seine Zahlen für 2019 bekanntgegeben und leidet unter der Corona-Krise: Zwar wurden deutlich mehr Autos verkauft als 2018, doch der Absatz steigt zu langsam und die Liquidität schmilzt zu schnell.

Aktuell plant Nio die Einführung des EC6. | Foto: Nio
Aktuell plant Nio die Einführung des EC6. | Foto: Nio
Gregor Soller

Auch Elektroauto-Hersteller Nio hat seine Geschäftszahlen für 2019 bekanntgegeben und die waren erwartungsgemäß wieder rot. Zwar konnte man den Absatz gegenüber 2018 merklich steigern – von 11.348 auf 20.565 Autos der Baureihen ES6 und ES8, gleichzeitig stiegen aber die Vetriebskosten massiv mit an. Erschwerend hinzu kommt die Abschwächung des chinesischen Marktes im ersten Quartal 2020, bedingt durch den Corona-Virus und die Reduktion der staatlichen Förderung. Entsprechend skeptisch äußert sich Nio im Bericht: „Das Barguthaben des Unternehmens reicht nicht aus, um das erforderliche Betriebskapital und die erforderliche Liquidität für den kontinuierlichen Betrieb in den nächsten 12 Monaten bereitzustellen. Der kontinuierliche Betrieb des Unternehmens hängt von der Fähigkeit des Unternehmens ab, eine ausreichende externe Eigenkapital- oder Fremdfinanzierung zu erhalten.“

Nio will weiterhin an der Finanzierung von Projekten arbeiten, um seine Liquidität zu verbessern. Der Abschluss eines zusätzlichen Finanzierungsprojekts unterliege jedoch inhärenten Unsicherheiten. So schreibt Nio weiter: „Basierend auf der Einschätzung des Managements bestehen aufgrund der relevanten Bedingungen und Ereignisse, einschließlich kontinuierlicher Verluste, Nettomittelabflüsse, negativem Betriebskapital, negativem Eigenkapital und Unsicherheiten bei der Durchführung der Finanzierungsprojekte, erhebliche Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens, als Unternehmen fortzufahren.“

Das klingt dramatisch. Der subventionsbedingt schwächelnde Heimatmarkt hat das Unternehmen stark unter Druck gesetzt. Der regelrechte Markteinbruch in Folge der Covid-19-Pandemie hat die Lage dramatisch verschärft. Ein weiterer Grund für den skeptischen Ausblick nach 2020: Die geplante Finanzspritze aus der Region Hefei ist noch in der Schwebe. Am 25.2.2020 hatte Nio mit der Stadtregierung von Hefei eine Rahmenvereinbarung unterzeichnet, die Nio mehr als zehn Milliarden Yuan (das sind rund 1,3 Milliarden Euro) in die Kassen gespült hätte. Dafür müsste Nio Fabriken und Forschungszentren in der Stadt bauen. Diese Verträge sind aber noch nicht finalisiert. „Die Parteien arbeiten an den rechtsverbindlichen endgültigen Dokumenten, die unterzeichnet werden sollen“, sagte William Bin Li, Gründer und CEO von Nio. Außerdem hat man im Februar und März zusätzliche Wandelanleihen im Wert von 435 Millionen Dollar platziert.

Der Gesamtumsatz des Jahres 2019 beläuft sich auf 1,1 Milliarden Dollar. Der Betriebsverlust im selben Zeitraum liegt laut der Mitteilung jedoch bei fast 1,6 Milliarden Dollar. Im vierten Quartal, in dem alleine über 8.000 Fahrzeuge ausgeliefert wurden, soll sich die finanzielle Lage laut den Nio-Verantwortlichen aber gebessert haben. Wie auch bei Tesla geht es jetzt darum, auch die laufenden Kosten zu senken und die Produktion günstiger zu machen – was immer erst dann stattfinden kann, wenn eine prinzipielle Grundauslastung er Werke steht.  

Wei Feng, CFO von Nio erklärt dazu:

 „Wir glauben jedoch, dass diese Bemühungen unsere Betriebskosten erheblich senken und unsere Cashflows im Jahr 2020 und darüber hinaus verbessern werden. Wir werden die Betriebseffizienz in allen Geschäftsbereichen weiter verbessern, um die Leistung unserer Margen in Zukunft positiv zu verändern.“

Das aktuelle Problem ist der Corona-Virus: Durch den Covid-19-Ausbruch erwartet Nio ein deutlich schwächeres erstes Quartal 2020 als 2019.

Was bedeutet das?

Eigentlich startete Nio solide und mit stetigem Wachstum in den Markt. Doch obwohl man in China seit fünf Quartalen Marktführer bei großen Elektro-SUV ist, ist der Gesamtmarkt für diese Autos per se einfach nicht groß genug. Erschwerend hinzu kommt das starke Abebben des chinesischen Gesamtmarktes, die reduzierten Subventionen für E-Autos und jetzt auch noch der Ausbruch von Covid-19, der die gesamte Weltwirtschaft lahmlegt. Und damit auch die Expansionspläne Nios nach Europa und in die USA.  

 

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