NewMotion: Deutschland bis 2024 Weltmarktführer bei E-Autos?

Studie der Shell-Tochter prognostiziert einen rasanteren Markthochlauf als bisher angenommen - und sieht deutsche Hersteller gut aufgestellt. Deutschland könnte 2024 Weltmarktführer unter E-Autoherstellern und der Betrieb von E-Autos bereits 2025 günstiger als der Verbrenner sein.

Türöffner: Vor allem die Firmenflotten könnten der E-Mobilität aufgrund niedrigerer Kosten zum Durchbruch verhelfen, glauben die Befragten der NewMotion-Studie. | Foto: NewMotion
Türöffner: Vor allem die Firmenflotten könnten der E-Mobilität aufgrund niedrigerer Kosten zum Durchbruch verhelfen, glauben die Befragten der NewMotion-Studie. | Foto: NewMotion
Johannes Reichel

In seinem E-Mobility Report 2020 hat die Shell-Tochter NewMotion, einer der führenden Anbieter von intelligenten Ladelösungen für Elektrofahrzeuge, die Stakeholder aus der Automobil- und E-Mobilitätsindustrie befragt, um herauszufinden, ob diese ambitionierten Pläne realistisch sind. Dabei sei ein umfassendes Bild zu künftigen Entwicklungen der E-Mobilität in Deutschland und Europa entstanden, wie der Anbieter angibt. Und auf die Zahlen verweist. Diese sprächen eine klare Sprache. So habe es 2019 bereits 23 Mal mehr Ladepunkte in Deutschland gegeben als sieben Jahre zuvor. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur schreite voran. Die befragten Stakeholder in der Automobilindustrie erwarten, dass Mitte der 2020er-Jahre die Kosten pro Kilometer für E-Autos geringer sind als für Verbrenner. Diesen Aspekt hält man zentral, um der E-Mobilität endgültig zum Durchbruch zu verhelfen. Unternehmensflotten ließen sich so günstiger betreiben als konventionell.

Unerwartet: Deutschland 2024 Weltmarktführer in der E-Mobilität?

Bereits im Jahr 2024 solle der Anteil deutscher Automobilhersteller am weltweiten E-Automarkt bei 29 Prozent liegen, so die Prognose. Damit wäre Deutschland Weltmarktführer vor China. Der steigende Anteil an E-Autos bringe auch hierzulande zahlreiche Herausforderungen mit sich. Eine der größten sehen die Befragten im Ausgleich der Energienetze.

"Während E-Autos 2014 noch 0,03 Prozent des Energiebedarfs in Europa ausgemacht haben, werden es 2050 bereits 9,5 Prozent sein", so die Prognose.

Doch nicht nur die steigende Nachfrage werde einen stärkeren Ausgleich der Energienetze erforderlich machen. Je mehr der Strommix aus erneuerbaren Energien bestehe, desto größer würden Angebotsschwankungen im Stromnetz. Es bedürfe intelligenter Ladelösungen, die den Energiebedarf für das Laden von E-Autos so verteilten, dass das Stromnetz nicht überlastet werde, fordern die Befragten. Auch die Vehicle-to-Grid- bzw. Vehicle-to-Anything-Technologie (V2G bzw. V2X) könne ihren Teil zum Netzausgleich beitragen. Werde der im Akku eines E-Autos gespeicherte Strom gerade nicht benötigt, könne er ins Netz eingespeist werden und so dazu beitragen, zu nachfragestarken Zeiten den Energiebedarf zu decken.

Die Kernaussagen des Berichts:

  • Intelligentes Laden wird die Wende zu sauberer Energie vorantreiben: E-Mobilität wird beim globalen Umstieg auf saubere Energie eine entscheidende Rolle spielen, indem sie sowohl die Emissionen reduziert als auch mehr erneuerbare Energie im Netz ermöglicht. Die gute Nachricht ist, dass das Stromnetz mit ziemlicher Sicherheit in der Lage sein wird, für die bevorstehende enorme Zunahme an Elektrofahrzeugen genügend Energie zu liefern. Dennoch wird ein Netzausgleich unerlässlich sein, um Nachfragespitzen zu vermeiden und Schwankungen in der Versorgung mit erneuerbarer Energie auszugleichen. Intelligente Ladetechnologien werden dabei eine wichtige Rolle spielen.Unser Bericht hebt das enorme Potenzial von Elektrofahrzeugen als „Mini-Kraftwerke“ hervor. Die neue V2X-Technologie bedeutet, dass Elektroautos bi-direktionales Laden verwenden können, um bei Nachfragespitzen oder bei Schwankungen erneuerbarer Energien überschüssigen Strom ins Netz – oder ins Haus – zurückzuspeisen.
  • Durchschnittsverbraucher verlangen nach Standardlösungen: Im Gegensatz zu den enthusiastischen Early Adoptern von Elektrofahrzeugen erwarten Durchschnittsverbraucher Standardlösungen.

„Das geistige Bild, das sich in den letzten Jahren bei uns herausgebildet hat, basiert auf den Early Adoptern... Massenadaptionen werden aber durch Menschen realisiert, die weder stolz darauf, noch bereit dazu sind, mit all den zusätzlichen Hindernissen umzugehen“, so einer der befragten Experten. Vor allem die Durchschnittsverbraucher werden ein reibungsloses Ladeerlebnis sowie Verbesserungen bei der Verfügbarkeit von Ladestationen, der Reichweite, den Kosten und der Auswahl der verfügbaren Automodelle verlangen.

  • Roaming-Interoperabilität verändert die Kundenerfahrung: Da die Zahl der Elektrofahrzeuge steigt, wächst der Bedarf an einer hochmodernen Ladeinfrastruktur. Die neuesten Trends beim Laden zu Hause, im Büro und im Unternehmen werden dazu ebenso beitragen wie öffentliches Laden und – ganz entscheidend – die Interoperabilität. Die Autofahrer brauchen reichlich vorhandene, einfach zu bedienende, einwandfreie Lademöglichkeiten, damit der Markt wirklich durchstartet.
  • Europas E-Auto-Zukunft erfordert kostengünstige Modelle und Investitionen in die Ladeinfrastruktur: Laut Prognosen wird Europa in diesem Jahr beim weltweiten Wachstum und Verkauf von Elektrofahrzeugen führend sein. (BloombergNEF). Es ist leicht zu verstehen, warum: Der Erfolg von Elektrofahrzeugen wird auf all diesen Märkten durch emissionsabhängige Subventionen, Zuschüsse und ein progressives Besteuerungs- und Anreizsystem untermauert. Großzügige neue staatliche Anreize in den ökologischen Konjunkturprogrammen nach Covid-19 verstärken diesen Effekt. Da jedoch die Anzahl der Elektrofahrzeuge steigt und die Regierungen beginnen, die Kaufprämien für Fahrzeuge zu reduzieren, ist das anhaltende Wachstum von Niedrigpreismodellen – und die Preisparität mit Verbrennern – für die zukünftige Marktdurchdringung von entscheidender Bedeutung. Dies gilt auch für die Fortsetzung von staatlichen Investitionen in nationale Ladeinfrastrukturen und geringere Kosten für private Ladelösungen.
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