New Motion: Erste Vehicle2X-Veranstaltung mit Strom aus E-Autos

Die Energie für das zehnjährige Jubiläum von New Motion stellten sechs Nissan Leaf bereit.

 

Mit starkem Rückenwind feiert New Motion sein erstes Jahrzehnt. | Foto: G. Soller
Mit starkem Rückenwind feiert New Motion sein erstes Jahrzehnt. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Sytse Zuidema, CEO von NewMotion war zufrieden. Und er gehört zu den CEOs, die Klartext sprechen: Mittlerweile entwickelt sich der Komplettanbieter von Ladetechnik prächtig und feierte jetzt in Amsterdam sein zehnjähriges Bestehen – was in der von Start-ups getriebenen Branche fast schon eine Ewigkeit ist. Massive „Anschubhilfe“ leistete dabei sicher Shell. Der Konzern baut sich selbst gerade zum Energieanbieter um und stieg 2017 bei den Niederländern ein. Seitdem profitiert New Motion nachhaltig vom Engagement der neuen Mutter, die sich immer weiter von ihrem angestammten Gas- und Ölgeschäft entfernt. Doch allein kann den Wandel niemand stemmen, wie Sytse Zuidema mehrmals betonte:

„Um die E-Mobilität für jeden zugänglich zu machen, muss die gesamte Branche reifen. Es kommt hauptsächlich auf die Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern und Anbietern von Ladelösungen, aber auch von anderen an der Energiewende beteiligten Unternehmen an. Nur so können wir die vielversprechende Zukunft der Elektromobilität erfolgreich gestalten.“

Spannend war dabei auch eine Umfrage unter E-Autofahrern in den New-Motion-Kernmärkten Niederlande, Großbritannien, Deutschland und Frankreich. Die EV-Driver-Umfrage 2020 von NewMotion ist nach Angaben des Ladetechnikanbieters zur größten jährlichen Umfrage unter E-Autofahrern in Europa. Man hat 4492 Antworten erhalten. Dabei kamen teils unerwartete Ergebnisse zum Vorschein. So fürchten laut New Motion immer noch 45 Prozent der E-Autobesitzer in naher Zukunft einen Mangel an Ladepunkten. Ebenso gaben 46 Prozent der Befragten an, dass vor allem mehr Ladepunkte das „Nachtanken“ von Strom vereinfachen.

Die Kunden wollen keine Ladekartensammlungen

Ganz wichtig auch: Dass man mit nur einer Ladekarte Zugang zu Ladepunkten verschiedener Anbieter hat. Das empfänden 41 Prozent der Befragten als deutliche Erleichterung. Die Realität sieht aber (noch) anders aus. 15 Prozent der europäischen Befragten besitzen fünf Karten oder mehr. Während Elektrofahrzeugfahrer in Deutschland durchschnittlich 3,37 Ladekarten besitzen, benötigen Kunden in den Niederlanden weniger unterschiedliche Karten (1,82). Grund dafür ist vermutlich die dortige Verbreitung von Interoperabilität und dass die Abdeckung mit Ladepunkten dort europaweit am höchsten ist. Was die Niederlande übrigens auch bei ÖPNV- respektive Zugtickets anwenden: Hier gilt landesweit ein Tarif. 

Ebenfalls interessant: 77 Prozent der Befragten haben einen Ladepunkt zu Hause, während nur rund 55 Prozent eine Lademöglichkeit am Arbeitsplatz haben. 53 Prozent der Umfrageteilnehmer, die keinen Ladepunkt zu Hause haben, haben auch keinen am Arbeitsplatz.

Die Preise und geladenen Mengen werden viel wichtiger!

Ein Thema, dass laut Zuidema noch grob unterschätzt wird, in Flotten aber schon extrem wichtig ist: Die Preistransparenz. Dazu müssen wie an der Tankstelle für Benzin der Preis pro Kilowattstunde und wieviel getankt wurde, an der Ladesäule angezeigt werden. Auch wenn viele Kunden laut Zuidema gerade erst beginnen, sich Strom-Äquivalente zu den Literpreisen und Verbräuchen der Verbrenner auszurechnen. Ganz grob gesagt: Unter 20 kWh/100 Kilometer und unter 0,40 Euro pro Kilowattstunde liegt man im Vergleich zu sparsamen Verbrennern schon mal auf der „sicheren“ Seite. Doch gerade in Flotten, den Hauptkunden von New Motion wächst hier die Sensibilität: 43 Prozent der Befragten gaben an, den Preis des Ladevorgangs bereits zu kennen, bevor sie damit beginnen. 37 Prozent recherchieren den exakten Preis, bevor sie ihren Wagen aufladen. Aber auch zwei von fünf Umfrageteilnehmern erlebten mindestens schon einmal eine unwillkommene Überraschung: der tatsächliche Endpreis wich vom vorher am Ladepunkt angezeigten Preis ab. Zuidema erklärt dazu:

„Um die E-Mobilität für ein breites Publikum attraktiv zu machen, muss die Branche bei diesen Themen nachbessern. Bei NewMotion verfolgen wir den Ansatz, ein offenes und für jeden zugängliches Ladenetzwerk zu schaffen, mit dem E-Autofahrer ihren Wagen überall aufladen können. Mit unserem Roaming-Netzwerk, intelligenten Ladelösungen sowie einem umfangreichen Service-Angebot wollen wir das Laden so benutzerfreundlich wie möglich gestalten.“

Interessant auch die Entscheidungen der Nutzer für die Ladepunkte: 52 Prozent der Ladepunktnutzer ist die Bedienfreundlichkeit am wichtigsten, noch vor dem Preis! Auf den achten „nur“ 33 Prozent, während 26 Prozent der Befragten Empfehlungen Dritter, wie Autohändler oder Arbeitgeber, als Entscheidungsgrundlage nehmen. Auch was die Abdeckung mit Ladepunkten am Arbeitsplatz angeht, liegen die Niederlande deutlich vor Deutschland. Während in den Niederlanden 72 Prozent der Befragten eine Lademöglichkeit am Arbeitsplatz vorfinden, sind es in Deutschland nur 41 Prozent.

Interessante Ergebnisse offenbarte auch die Frage nach dem Hauptgrund für den Umstieg auf ein Elektrofahrzeug. Als wichtigsten Grund für den Wechsel nannten 61 Prozent der Umfrageteilnehmer Kosteneinsparungen, 58 Prozent stiegen aufgrund des Fahrerlebnisses um. Allerdings gaben nur zehn Prozent der Befragten an, dass sie aus Umweltschutzgründen zur E-Mobilität gewechselt sind – obwohl sich 81 Prozent der E-Autofahrer im Allgemeinen als umweltbewusst sehen. Was vor allem Renault und Tesla bereits kommuniziert haben: Wer einmal E-Auto fuhr, geht in der Regel nicht mehr zum Verbrenner „zurück“: 86 Prozent der Befragten planen, sich wieder ein E-Auto zuzulegen – nur zwei Prozent würden wieder auf konventionelle Antriebe umsteigen. 90 Prozent der Umfrageteilnehmer würden ein Elektrofahrzeug weiterempfehlen, während nur drei Prozent das nicht tun würden. Die Umfrageteilnehmer sagen der Elektromobilität weiteres Wachstum voraus: 60 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass vollelektrisches Fahren im Jahr 2030 die dominierende Fahrzeug-Antriebsart sein wird. 14 respektive 13 Prozent der Umfrageteilnehmer sehen die Zukunft in Wasserstoff- respektive Hybridantrieben. Nur 12 Prozent sind der Ansicht, dass fossile Kraftstoffe künftig die primäre Antriebsart sein werden.

Vehicle2X-Kommunikation entlastet das Stromnetz massivst

Deshalb treibt New Motion jetzt auch das bidirektionale Laden mit V2X voran, um den Anteil an erneuerbaren Energien im Stromnetz zu erhöhen. Gestartet wird in Piloten mit den beiden V2X-fähigen Fahrzeugen Nissan Leaf und Mitsubishi Outlander PHEV. Die sechs Leaf konnten das rund zweistündige Event übrigens locker mit Strom versorgen. Laut Insidern hätte man die Halle sogar bis zu acht Stunden beleuchten, beschallen und beheizen können, Letzteres war umso wichtiger, da das Wetter draußen massiv abkühlte. 

Die EV-Driver-Umfrage von NewMotion wird jährlich basierend auf einem Online-Fragebogen zum elektrischen Fahren durchgeführt. In diesem Jahr haben 4.492 Elektrofahrzeug-Fahrer teilgenommen. Die Umfrage wurde im Dezember 2019 in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien durchgeführt.

Was bedeutet das?

New Motion geht natürlich auch durch die Partnerschaft mit Shell gestärkt in sein nächstes Jahrzehnt und dürfte auf jeden Fall einer der bekannten Ladetechnikpartner in der Branche werden respektive bleiben. Genau diese Karten werden jetzt gemischt und ausgeteilt. Die Niederländer haben sich dabei bereits ein paar Trümpfe gesichert.

 

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