Neuzulassungen: Über ein Drittel sind SUV

Die Nachfrage nach Geländefahrzeugen ist ungebrochen und erreicht im ersten Halbjahr einen neuen Höchststand: 34,8 Prozent der Neuzulassungen sind laut CAR-Auswertung SUV. Ein völlig falscherTrend.

Licht und Schatten: Hochbauende, schwere und platzraubende SUV liegen weiter voll im Trend, immerhin zunehmend elektrisch, wie der VW ID.5 GTX. | Foto: VW
Licht und Schatten: Hochbauende, schwere und platzraubende SUV liegen weiter voll im Trend, immerhin zunehmend elektrisch, wie der VW ID.5 GTX. | Foto: VW
Johannes Reichel

Wie eine Auswertung des Center of Automotive Research in Duisburg ergibt, war im ersten Halbjahr 2021 mehr als jedes dritte neuzugelassene Fahrzeug ein sogenannter SUV. Die ersten Zahlen für Juli deuteten sogar auf einen weiteren Ausbau des Marktanteils der hochbauenden Geländefahrzeuge hin, so das Institut. "Es ist ein neuer Rekordwert und alles spricht dafür, dass es nicht der letzte sein wird", zitiert die Süddeutsche Zeitung aus der Analyse. Immerhin kommt der größte Zuwachs im Segment der Hochbauwagen aus dem Untersegment der Klein- und Kompakt-SUV.

Jüngst hatte etwa Volkswagen mit dem Taigo ein sogenanntes SUV-Coupè vorgestellt. Neben den deutschen Premium-Marken BMW mit 36 Prozent und Daimler mit 33 Prozent, hat vor allem Volvo einen hohen SUV-Anteil am Portfolio, wo sich sogar 77 Prozent der Kunden für ein Hochdachmodell entscheiden. Auch weltweit boomt die Klasse weiter: In den USA ist bereits jedes zweite Neufahrzeug ein SUV, in China 47 Prozent. Immerhin kommen immer mehr der Geländewagen mit Elektroantrieb auf den Markt. Nicht zuletzt hatte Tesla den Start seines Kompakten E-SUV Model Y noch für dieses Jahr avisiert. VW will zur IAA ein elektrisch angetriebenes SUV-Coupè bringen, unter der Bezeichnung ID.5 GTX.

Was bedeutet das?

Wie man es auch dreht und wendet: Eine kompakte., flache und leichte Limousine ist immer effizienter als ein hochbauender, raumgreifender und schwerer Geländewagen. Speziell bei E-Autos zahlt auch die Aerodynamik enorm auf die Reichweite ein, wie unsere VM-Tests immer wieder ergeben. Insofern hilft auch die Ausrede "aber immer mehr elektrisch" nicht wirklich aus der Bredouille. Und die lautet: Die Welt kann sich einen SUV-Boom eigentlich überhaupt nicht leisten, er konterkariert die drängenden Klimaschutzbemühungen auf das krasseste.

Was wir brauchen, sind kleinere, leichtere und sowieso elektrische Fahrzeuge, wollen wir die bereits eskalierende Klimakrise noch in den Griff bekommen.

Und das gilt es, für die Politik zu steuern, mit entsprechend höheren Abgaben auf die Geländekreuzer. Und nicht wie die Hersteller die Hände in den Schoß zu legen und zu sagen, ja, mei, die Kunden wollen es halt so. In Anbetracht des gigantischen SUV-Booms weltweit fühlt man sich leider an das geflügelte, freilich im ganz anderen Kontext der HartzIV-Gesetze gesprochene Westerwelle-Wort von der "spätrömischen Dekadenz" erinnert. Geländewagen? Brauchen eigentlich nur Bauunternehmer und Förster. Oder sind wir ein Volk von Rückenleidenden geworden? Kommt mal wieder runter von den hohen Rössern!

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