Neuer VDL Citea: Braves Design, revolutionäre Technik

Als zentrale Features setzt man auf Batterien im Fahrzeugboden, aus einem Stück gefertigte Verbundseitenwand, intelligentes Energiemanagement, cleveres Klimasystem und ergonomischen Fahrerplatz.

Auf den ersten Blick kommt der neue VDL Citea bieder daher. (Foto: VDL)
Auf den ersten Blick kommt der neue VDL Citea bieder daher. (Foto: VDL)
Johannes Reichel
von Claus Bünnagel

Auf einer digitalen Pressekonferenz hat VDL am heutigen Donnerstag die neue Citea-Generation vorgestellt, die es ausschließlich als Elektrofahrzeug in vier Längen von 12,2 bis 18,1 m geben wird. Im Außendesign kommt der neue Elektrobus eher unspektakulär, fast bieder daher. Die wesentlichen, revolutionären Neuerungen sind unter dem Kleid aus Verbundwerkstoff verborgen: Batterien im Fahrzeugboden, aus einem Stück gefertigte Verbundseitenwand, intelligentes Energiemanagement, ausgeklügeltes Klimasystem und ergonomische Fahrerumgebung.

„Bei der Entwicklung der neuen Citea-Generation konnten wir die neuesten Hightech-Technologien auf höchst effiziente Weise integrieren. Wir haben bei Null angefangen, wobei der Fokus auf ,null Emission‘ lag. Ausgangspunkt war das ideale Layout des Fahrzeugs. Optimale Sitzeinteilung und bestmöglicher Fahrgastfluss bei optimaler Gewichtsverteilung waren essentiell bei der Entwicklung. In dieser Phase haben wir auch beschlossen, die Batterien serienmäßig im Boden zu integrieren – mit dem Ziel, den Schwerpunkt zu senken und die Gewichtverteilung und Anordnung aller notwendigen Komponenten zu optimieren.“ (Alex de Jong, Business Manager Öffentlicher Personenverkehr bei VDL Bus & Coach)

Reichweite bis 600 km

Der neue Citea wird in vier Längenvarianten gebaut: 12,2 m (Low Floor und Low Entry), 13,5 m (LE), 14,9 m (LE) und 18,1 m (LF). Die 13,5-m-Variante hat zwei Achsen, kann es aber in puncto Sitzkapazität mit einem Dreiachser aufnehmen. Die Reichweite der neuen Citea- Generation hat sich deutlich verbessert: Alle Fahrzeuge haben laut VDL einen Aktionsradius von bis zu 500 bis 600 km im gesamten Nutzungszeitraum. Möglich ist eine Batteriekapazität von 490 kWh bei einem 12,2 m langen VDL Citea. Geht man davon aus, dass 80 % der Kapazität genutzt werden können, läge der Stromkonsum von Traktion und Nebenverbrauchern bei idealen Bedingungen bei 0,65 kWh/km – ein realistischer Wert, vergleichbar dem Verbrauch des MAN Lion’s City 12 E bei einem Dauertest im Mai in München.

Bei einem realistischen Verbrauch von 1,3 bis 1,4 kWh/km bei harten Winterbedingungen läge die Minimalreichweite des Fahrzeugs bei 280 bis 300 km – ausreichend für einen Großteil der innerstädtischen Buslinien in Deutschland. Selbst für Regionallinien mit Linienlängen bis 100 km und Tageseinsätze von 600 km wäre das neue VDL-Modell bei maximal einer Zwischenladung am Tag somit eine Option. 

Batterien im Boden 

Das Standardbatteriepaket ist bei der neuen Citea-Generation im Boden und nicht im Fahrgastbereich untergebracht. Das Ergebnis ist ein besserer Fahrgastfluss und eine Maximierung der Sitzplatzzahl. Außerdem hat der Bus durch die in den Boden integrierten Batterien einen tieferen Schwerpunkt und somit eine stabilere Straßenlage. Last but not least wurde das Fahrzeuggewicht reduziert. 

Verbundseitenwand 

Ein Novum ist die Seitenwand, die aus einem Stück gefertigt wird und von VDL selbst entwickelt wurde. Sie besteht aus Verbundwerkstoff und bewirkt eine erhebliche Gewichtsreduzierung. Das Ergebnis sind weniger Schwingungen und eine Filterung der Außengeräusche. Außerdem sinkt der Energieverbrauch des Fahrzeugs. Denn die innovative Verbundseitenwand ist 15 % leichter als eine herkömmliche Seitenwand. Außerdem verbessert sich die Isolierung des Busses durch diese Konstruktion ganz erheblich, und der Verbrauch der Klimaanlage sinkt deutlich. Auch Kältebrücken in der Seitenwand gehören laut VDL der Vergangenheit an. Die Folge ist ein höherer Fahrgastkomfort. 

Klimasystem 

Weil es die ideale Temperatur für alle Fahrgäste nicht gibt, wurden im neuen Citea mehrere Klimazonen geschaffen, die zur Senkung des Energieverbrauchs bei optimiertem Komfort beitragen. Der Fahrer kann seine eigene thermische Zone schaffen. Dazu verfügt er über eine spezielle Heizung, die warme Luft zu Beinen und Oberkörper leitet. Damit kann er zwischen 17 und 27°C die Temperatur einstellen, die er als angenehm empfindet. Um in den Fahrzeugen der neuen Citea-Generation verschiedene Klimazonen einrichten zu können, hat VDL ein eigenes System für die Wärmepumpe entwickelt. Es sorgt für die möglichst richtige Temperatur an verschiedenen Stellen im Fahrzeug. Die Wärme kommt zu 60 % aus dem Boden. 

Energiemanagement 

Durch den serienmäßigen Einsatz von Doppelglas im neuen Citea ist der Energieverbrauch um 10 % gesunken. Die Isolierung wurde dadurch stark verbessert, so dass die Scheiben an der Innenseite weniger Kälte abstrahlen, Außengeräusche gedämpft werden und weniger Kondenswasser entsteht. Das Ergebnis ist ein deutlich höherer Fahrgastkomfort. Der allgemeine Energieverbrauch ist um circa 25 % gesunken. Dies wird außer durch das Doppelglas u.a. durch intelligente Software, den Antriebsstrang, das Klimasystem, die Aerodynamik und Gewichtsreduzierung erzielt. 

Ergonomische Fahrerumgebung 

In der neuen Citea-Generation wurde nicht nur die Sitzposition des Fahrers stark verbessert. Auch der Verstellbereich der Lenksäule ist größer geworden, und geringere Lenkkräfte erhöhen den Komfort. Dabei wurden moderne Techniken angewandt, wie sie in der Automobilindustrie üblich sind. Der Fahrer profitiert von flexiblen, erweiterten Einstellmöglichkeiten und ausreichend Stauraum. Neu ist auch die Wahl der gewünschten Pedalanordnung. Auf der Grundlage von Forschungsergebnissen wurde viel Zeit in die Verbesserung der Interaktion zwischen Fahrzeug und Fahrer sowie in Sicherheitssysteme investiert. Auch wurden künftige Entwicklungen in den Bereichen Bezahlsysteme und autonomes Fahren vorweggenommen.

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