Neue StVO: Tern verweist auf "Mitnahme-Effekt" für E-Bikes

Hersteller wirbt für die neue Option, erwachsene Personen per Zweirad befördern zu dürfen und stellt einen Spezialsitz für seine E-Cargobikes vor. Damit eilt man einem Trend vor, den die Regelung beflügeln dürfte.

Aufsitzen, bitte: Auch Erwachsene dürfen jetzt auf dem Gepäckträger befördert werden. Tern hat darauf reagiert und bietet Halterung und Sitz an. | Foto: Tern
Aufsitzen, bitte: Auch Erwachsene dürfen jetzt auf dem Gepäckträger befördert werden. Tern hat darauf reagiert und bietet Halterung und Sitz an. | Foto: Tern
Johannes Reichel

Der taiwanesische Spezialist für urbane Mobilität und Falträder Tern hat im Kontext der StVO-Novelle eine Zusatzvorrichtung für sein E-Cargobike GSD vorgestellt, mit der sich auch erwachsene Personen auf dem Gepäckträger befördern lassen. Mit der Novelle ist seit 28. April 2020 die Altersbeschränkung „bis 7 Jahre“ aufgehoben, sodass auch Erwachsene jetzt als Passagiere auf dem Fahrrad befördert werden dürfen, sofern dies über eine entsprechende Ausrüstung verfügt.

Das beliebte elektrisch untetstützte Lastenrad GSD transportiert bisher zwei Kinder auf den Sitzpolstern eines speziellen Gepäckträgeraufsatzes. Vor Speichenkontakt schützen die serienmäßigen Packtaschen oder der ‘Sidekick Wheel Guard‘, während die Füße auf den ‘Sidekick Lower Deck‘-Trittbrettern ruhen. Auf dem vorderen Gepäckträger können sogar noch 20 kg Einkäufe transportiert werden, denn das GSD ist für 200 kg Gesamtgewicht zugelassen..

Bequem aufsitzen auf dem Captain's Chair

Weil es für seinen hinteren Gepäckträger aber kein separate Gewichtsbeschränkung gibt, können dort künftig auch
jugendliche oder auch erwachsene Beifahrer aufsitzen, wirbt der Hersteller. Ihre Füße platzieren sie wahlweise auf optionalen Fußrasten oder Trittbrettern als Unterlage wird das ‘Sidekick Seat Pad‘ auf den Gepäckträger geklickt und als Haltemöglichkeit dient ein kleiner Zusatzlenker namens ‘Sidekick Bars‘. Neu ins Zubehört kommt im Kontext der StVO-Novelle der ‘Captain’s Chair‘, der als Rücken- und Armlehne dient, dazu gehört ein per Klettverschluss angebrachtes Sitzkissen. Für zusätzlichen Halt sorgt entweder wiederum der kleine ‘Sidekick Bars‘-Lenker oder der neue, ebenfalls an der Sattelstütze befestigte ‘Sidekick Joyride Bars‘-Zusatzlenker. Auch im Falle des leichteren Modells HSD gibt es diese Option, dann allerdings mit Begrenzung auf 60 Kilo auf dem Gepäckträger. Für Vortrieb sorgen weiterhin die E-Bike-Mittelmotoren von Bosch.

Was bedeutet das?

Klar, so halblegal hat man das ja eigentlich schon immer gemacht - mal jemanden auf dem Gepäckträger mitnehmen. Aber jetzt ist es eben offiziell und nicht mehr nur auf maximal siebenjährige Sprösslinge beschränkt. Und mit dem Erstarken der Fahrräder zu E-Bikes respektive E-Cargobikes mit ordentlicher Tragfähigkeit entsteht ein ganz neues Mikro-Transportmittel, das eben nicht nur als "Taxi Mama" oder "Taxi Papa" taugt, sondern auch zwei Erwachsene ordentlich befördert.

Der taiwanesische Faltrad- und Urban-Mobility-Pionier Tern hat das schnell erkannt, aber eilt damit nur einem Trend vor, der sich schnell verstärken dürfte. Schließlich braucht es nicht viel, um der gesetzlichen Anforderung "zur Personenbeförderung gebaut und entsprechend eingerichtet" zu sein. In Zeiten von Corona erst recht ein wichtiges Signal, dass das Fahrrad als Verkehrs- und Transportmittel ernst genommen wird - und ein kleiner Schritt in Richtung Gleichberechtigung, wie auch der Branchenverband ZIV unlängst feststellte. „Neben den Änderungen, die die Sicherheit der Radfahrenden erhöhen, liegt uns als ZIV die Personenbeförderung besonders am Herzen. Denn so können auch Ältere oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen die Freude am Radfahren erleben", meinte Siegfried Neuberger, Geschäftsführer des ZIV, nachdem der Bundesrat diesen Punkt aufgenommen hatte.   

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