Neue BayWa-Tankstelle in Wolfsburg: Volkswagen setzt bei Lkw auf LNG

Bei Lkw hält der Konzern Erdgas als LNG für ein probates Mittel, selbst wenn CNG bei Pkw für Konzernchef Diess keine Zukunft hat. Als Signal eröffnet man mit der BayWa am Stammsitz eine LNG-Zapfstelle.

Überdacht und durchdacht: Die LNG-Tankstelle in Wolfsburg liegt verkehrsstrategisch günstig und will mit modernem Desing Fahrer anziehen. | Foto: BayWa
Überdacht und durchdacht: Die LNG-Tankstelle in Wolfsburg liegt verkehrsstrategisch günstig und will mit modernem Desing Fahrer anziehen. | Foto: BayWa
Redaktion (allg.)
von Johannes Reichel

In Wolfsburg hat Mitte März in einer Zusammenarbeit zwischen dem BayWa Geschäftsfeld Klassische Energie und dem Volkswagen-Konzern und die erste dedizierte LNG-Tankstelle für LKW in Deutschlands eröffnet. Als Betreiber fungiert die BayWa Mobility Solutions GmbH. Ausschlaggebend sei auch der optimale Standort in Wolfsburg gewesen. Mit einer direkten Anbindung an die A39, die auf die A2 führt, habe man sich für einen zentralen Standort entschieden, heißt es weiter. Vor Ort stehen Lkw-Fahrern zwei LNG-Zapfpunkte zur Verfügung. Durch die Überdachung und das moderne Design sei der  Standort bereits jetzt eine beliebte Anlaufstelle für Lkw-Fahrer. An der Automatentankstelle werden neben der BayWa Card auch die Karten von Alternoil, Eurowag und Hoyer akzeptiert, weitere gängige Karten sollen nach und nach aufgeschaltet werden.

VW sieht Signalwirkung an die Zulieferer

In der Ansiedlung am Stammsitz von Volkswagen sieht man grundsätzlich ein zukunftsweisendes Zeichen, das laut Thomas Zernechel, Leiter der VW Konzernlogistik, auch eine Signalwirkung auf die Zulieferer von VW haben soll. Mit der Umstellung will man auch einen Teil zur Reduktion der vom Straßenverkehrs verursachten CO2-Emissionen beitragen. Die Tankstelle in Wolfsburg soll laut Matthias Taft, für Energie zuständiges Vorstandsmitglied der BayWa AG, erst der Anfang sein. Geplant ist, im Frühjahr/ Sommer 2020 weitere Tankstellen in den bayerischen Städten München, Nürnberg und Nördlingen in Betrieb zu nehmen. Die BayWa will hiermit ihr Portfolio erweitern und ihr Tankstellengeschäft zukunftsorientiert weiterentwickeln, wie es weiter heißt.

Weniger CO2, viel weniger Feinstaub

Der Kraftstoff LNG (Liquified Natural Gas, tiefgekühltes Flüssigerdgas) eigne sich für den Kraftaktverkehr nach dem Dafürhalten der Anbieter optimal, da bei der Verbrennung im Vergleich zu Diesel 15 Prozent weniger CO2 freigesetzt wird. Zudem gibt es die Option über Bio-LNG eine weitgehende Klimaneutralität des Kraftstoffs darzustellen. Als stärkstes Argument von LNG sieht man aber die Reduktion der Feinstaub-Emissionen um 95 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Diesel. Bei entsprechend hohen Laufleistungen erreichten LNG-betriebene Systeme durch den geringen Verbrauch, sowie den geringen Kraftstoffkosten die gleiche Wirtschaftlichkeit wie Dieselfahrzeuge, werben die Anbieter. Auch die Bundesregierung zeigt Interesse am Ausbau von LNG-Fahrzeugen. So sind bis Ende 2020 LNG betrieben LKWs von der Maut befreit und zahlen 2021 nur eine reduzierte Maut. Im VW-Konzern forciert bisher vor allem die schwedische Lkw-Marke Scania den LNG-Antrieb, die weitere Tochter MAN ist hier dagegen zurückhaltend. Valentin Hein/jr

Was bedeutet das?

Vielleicht sollte man den VW-Konzernchef Herbert Diess auch nicht missverstehen: Dass er sich vor kurzem gegen eine Weiterverfolgung der Erdgasantriebstechnologie ausgesprochen hat, bezieht sich einerseits auf die mittlere und lange Sicht und andererseits auf den Bereich Pkw, für den er seit dem Börsengang der Lkw-Töchter in der Traton-Holding mehr denn je spricht. Dass der Antrieb in Form von LNG bei schweren Nutzfahrzeuge durchaus Sinn macht, das sieht man vor allem bei der Truck-Tochter Scania in Schweden so, wo man mit LNG-Modellen am Start ist. MAN tat sich von jeher dagegen schwerer und forciert CNG nur im Busbereich. Das kann und sollte sich aber noch ändern.

In jedem Fall sieht man die Pilotanlage in Wolfsburg als Signal, dem weitere folgen sollen und das auch auf die lange Kette der Zulieferer zum Werk "ausstrahlen" soll. Bis die Brennstoffzelle im Lkw wirklich einsatzbereit, geschweige denn rentabel ist, könnte noch viel Wasser den Mittelllandkanal hinunterfließen. Apropos im Strom: Auch die Option "Power-to-Gas" sowie die Chancen, die in der Methanisierung von Abfallreststoffen liegen, sollte man im Kontext LNG nicht außer Acht lassen. Importiertes Fracking-Gas ist dagegen gar keine umweltfreundliche "Alternative". Die Zukunft mag im Pkw-Bereich primär batterieelektrisch sein, für das Lkw-Segment gilt das bestenfalls bei leichten City-Transportern oder Nahverkehrsanwendungen in der City-Distribution. Für die ferne, schwere Anwendung braucht es nicht zuletzt den LNG-Antrieb als Brücke zur Brennstoffzelle.

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