NetMobil: Bosch sieht im 5G-Projekt wichtige Meilensteine erreicht

Forschungsprojekt will Schlüsselprobleme auf dem Weg zum autonomen Fahren gelöst haben, etwa wenn die Übertragungsrate schwankt, wie man Teilnetze nutzt oder Platooning anpasst.

Sicher erkannt: Damit entscheidende Funktionen wie Fußgängererkennung zuverlässig funktionieren, baut man auf die Nutzung von Teilnetzen, sogenanntes Slicing. | Foto: Bosch
Sicher erkannt: Damit entscheidende Funktionen wie Fußgängererkennung zuverlässig funktionieren, baut man auf die Nutzung von Teilnetzen, sogenanntes Slicing. | Foto: Bosch
Johannes Reichel

Das Forschungsprojekt 5G NetMobil unter Federführung des Technologiekonzerns Bosch hat Bilanz über die vergangenen drei Jahre gezogen und sieht entscheidende Zwischenziele auf dem Weg zum vernetzten Fahren erreicht. Das Projekt lief unter Beteiligung von insgesamt 16 Partnern aus Forschung, Mittelstand und Industrie, darunter auch die Autohersteller BMW und die Volkswagen AG.

„Mit dem Projekt 5G NetMobil haben wir entscheidende Meilensteine auf dem Weg zum vollvernetzten Fahren erreicht und zeigen, wie moderne Kommunikationstechnologien unseren Straßenverkehr gleichzeitig sicherer, effizienter und wirtschaftlicher machen“, erklärte Thomas Rachel MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Bildung und Forschung.

Das Ministerium hatte das Forschungsprojekt mit 9,5 Millionen Euro gefördert. Die durch das Projekt geschaffenen Grundlagen in den Bereichen Netzwerke, Sicherheit und Kommunikationsprotokolle sei nun die Basis für die Standardisierung, die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle sowie erste Serienprojekte der Projektpartner.

Fußgänger sicher erkennen, Platooning anpassen

Die Partner des Projekts 5G NetMobil entwickelten beispielsweise einen Kreuzungsassistenten, der Fußgänger und Radfahrer an unübersichtlichen Kreuzungen schützt. Eine in der Infrastruktur verbaute Kamera erkennt die Fußgänger und warnt Fahrzeuge innerhalb weniger Millisekunden, um kritische Situationen bspw. beim Abbiegen zu verhindern. Ein anderes Beispiel des Forschungsprojekts war das Platooning. Zukünftig können sich Nutzfahrzeuge in sogenannten Platoons zusammenschließen und in sehr geringem Abstand zueinander fahren. Gas-, Brems- und Lenkeingriffe erfolgen mittels V2V-Kommunikation synchron. Das automatisierte Windschattenfahren in der Kolonne reduziere den Kraftstoffverbrauch signifikant und erhöhe die Sicherheit auf den Autobahnen.

Paralleles Platooning in der Landwirtschaft

Auch für das sogenannte parallele Platooning in der Landwirtschaft haben die Experten der beteiligten Unternehmen und Universitäten nun wesentliche Grundlagen geschaffen. „Die Arbeit des Forschungsprojekts ist für ein breites Anwendungsspektrum relevant. Davon profitieren nicht nur die Projektpartner aus Industrie und Forschung, sondern ganz besonders die Verkehrsteilnehmer“, sagt Dr. Frank Hofmann von der Robert Bosch GmbH, der das Forschungsprojekt industrieseitig koordiniert.

Was, wenn die Datenverbindung schwächelt?

Ziel des Forschungsprojekts sei es gewesen, zentrale Herausforderungen der automobilen Echtzeit-Kommunikation zu lösen. Eine Frage ist etwa, was passiert, wenn sich die Qualität der Datenverbindung ändert, also nur eine geringere Datenrate für die direkte Kommunikation zwischen den Fahrzeugen zur Verfügung steht. Die Experten haben dafür ein agiles „Quality of Service“-Konzept erarbeitet, das Änderungen der bereitgestellten Netzqualität erkennt und an die vernetzten Fahrfunktionen weitergibt. Beim Platooning können damit die Abstände der einzelnen Fahrzeuge der Kolonne automatisch vergrößert werden, wenn die Qualität des Netzes abnimmt.

Sichere Fußgängererkennung im Teilnetz

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt war die Einteilung des Mobilfunknetzwerks in einzelne virtuelle Netze innerhalb des Hauptnetzes, sogenanntes Slicing. Für die Datenübertragung bei sicherheitskritischen Funktionen wie der Warnung vor einem Fußgänger an einer Kreuzung wird nun ein separates Teilnetz genutzt, um diese zu jeder Zeit zu gewährleisten. Die Datenübertragung für das Videostreaming oder die Aktualisierung der Straßenkarte wird in einem davon getrennten virtuellen Netz gesteuert und ggf. kurzfristig zurückgestellt, wenn nur eine geringe Datenrate zur Verfügung steht, skizzieren die Projektpartner. Außerdem habe das Forschungsprojekt wesentliche Beiträge für die hybride Kommunikation von Mobilfunk und der WLAN-basierten Alternative geleistet, bei der jeweils die stabilste Verbindung genutzt wird, damit die Datenverbindung unterwegs nicht abreißt.

„Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse fließen nun in die weltweite Standardisierung der Kommunikationsinfrastruktur ein und sind wesentliche Grundlagen weiterer Entwicklungen der Partnerunternehmen“, kündig Hofmann an.

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