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MWC 2019 Barcelona: Wenn der Benz zur Spielkonsole wird

Daimler zeigt in einem neuen CLA, was auf Basis des MBUX-Systems alles möglich ist: Zum Beispiel im Stau ein Autorennspiel absolvieren. Im EQC erhält das System jetzt eine eigene "EQ"-Kachel. Außerdem führt man den neuen Actros mit digitalen Außenspiegeln vor.

Mehr Zeit für Entertainment: Das Auto wird zur reaktiven Spielkonsole, wie Mercedes-Benz mit dem MBUX im CLA Coupè eindrucksvoll vorführte. | Foto: J. Reichel
Mehr Zeit für Entertainment: Das Auto wird zur reaktiven Spielkonsole, wie Mercedes-Benz mit dem MBUX im CLA Coupè eindrucksvoll vorführte. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Wenn's mal wieder länger dauert im Dauerstau in und um um Stuttgart herum, hätte Daimler schon eine Idee: Um die Leistungsfähigkeit seines MBUX-Systems zu untermauern, verwandelten die Schwaben ein Fahrzeug quasi in einen interaktive Spielkonsole, wie es sie so am Markt nicht geben dürfte. Eingebaut in einen neuen CLA Coupè, der übrigens auf dieser Digital-zentrierten Schau ganz nebenbei seine Europapremiere feierte, sorgte ein Autorennspiel für stets gute Auslastung des Fahrersitzes. Denn das Fahrerlebnis, natürlich nur im Stand möglich, wird unterstützt von diversen Gimmicks: Beim Beschleunigen strafft sich der Gurt und es bläst eine frische Brise aus den Düsen der Klimaanlage ins Gesicht. Auch die Reaktivität des Lenkrads verändert sich beim Spielen mit dem MBUX selbstredend und wer das Steuer so einschlägt wie im Realverkehr, der hatte keine Chance auf einen Platz in den oberen Rängen. Zu diesem spielerischen Ansatz passten die launigen Aussagen aus der Keynote von Daimler-Chef Dieter Zetsche, die er programmatischerweise gemeinsam mit Microsoft-Chef Satya Nadella bestritt. Die beiden arbeiten gerade zusammen am Aufbau der globalen Big-Data-Plattform eXtollo. Big-Data-Analysen kommen etwa in der Fahrzeugwartung und -entwicklung zum Einsatz. Der neue Cloud-Dienst erleichtert Daimler-Mitarbeitern den schnellen und ortsunabhängigen Datenaustausch, wirbt man für die Kooperation.

„Digitalisierung ist für uns mehr als Nullen und Einsen. Es ist auch ein Mindset. Eine offene Unternehmenskultur gehört für uns genauso zur digitalen Transformation wie innovative Ideen und neue Produkte“, erklärte der Manager.

Konkurrenz ist nicht nur BMW oder Audi, sondern Amazon

Es genüge heute nicht mehr, besser sein zu wollen als etwa Audi oder BMW, man müsse auch mit Wettbewerbern wie Amazon konkurrieren können. Da sei man unter Umständen besser aufgestellt, wenn man kooperiere, auch mit den einstigen Erzrivalen, spielte Zetsche auf die jüngst gelaunchte gemeinsame Mobilitätsplattform mit BMW an. Das werde aber die Anstrengungen im Hinblick auf den Wettbewerb um das bessere Automobil nicht schmälern, versicherte der Daimler-Boss.

"Derzeit sind Mobilitätsdienste für uns klar ein Verlustgeschäft und machen nur zwei Prozent der Umsätze aus. Aber während künftig vielleicht der Automarkt schrumpft, wächst der Markt der Mobilität", erklärte Zetsche.

Es nütze nichts, in diesen Umbruchzeiten Angst zu haben, man müsse eben auch ins Risiko gehen, die Zeiten seien nun mal hochdynamisch. Das sei ihm auch nach einem Besuch im Silicon Valley bei diversen Gründer-Firmen bewusst geworden, plaudert Zetsche aus dem Nähkästchen. Spätestens als er höflich den Star-up-Leuten viel Glück wünschte und diese dem Autoboss aus der "Alten Welt" nur selbstbewusst erwidert hätten: "Nein, wir wünschen Ihnen viel Glück".

Man wisse nur eben nicht so genau, wann man das Investment zurückbekäme. Zetsche meinte, diese Transformation des Unternehmens könne nicht "Top-Down" geschehen, sondern müsse von allen Mitarbeitern erprobt und erlebt werden.  

Eine App als digitaler Reisebegleiter

Dazu passte auch prima, dass Daimler Financial Services in Barcelona erstmalig einen "Proof of Concept" für eine App zeigte, die verhaltens-bezogene und persönliche Daten aus Smartphone und Wearable mit Echtzeitdaten wie Verkehrsdaten kombiniert. Man stellt sie sich als digitalen Reisebegleiter vor, der den Fahrer mit individuellen Empfehlungen bei langen Autofahrten unterstützt. Die App soll als digitale Ergänzung zum bereits serienmäßig verbauten Müdigkeitswarner Attention Assist fungieren. Aber: Als App soll der Service unabhängig von Marke und Fahrzeugtyp nutzbar sein.

Digitalisierung ist aber nicht nur bei den Pkw angesagt: Denn auch der Actros ist stramm auf Kurs Richtung "Captain-Future"-Cockpit. Statt der Außenspiegel prangen hier innen zwei Paddel-große HD-Displays innen neben den A-Säulen, die das breite rückwärtige Bild der HD-Kameras am Fahrzeugdach spiegeln. Auch das intuitiv bedienbare Multimedia-Cockpit erinnert stark an die MBUX-Geschwister. Was man nicht direkt ausprobieren konnte, war der Active Drive Assist, der teilautomatisiertes Fahren in Serie ermöglicht. Was darüber hinaus geht, hängt unter anderem auch von der schnellen Datenübertragung per 5G ab. Das ist auch Dieter Zetsche wohlbewusst. Und so schloss er seine Keynote mit der trefflichen Anmerkung, die wohl jeder der digitalisierungsbewussten Besucher des MWC unterschreiben würde:

"Du kannst nicht Teil des Internets der Dinge sein, wenn Du keine Verbindung ins Internet hast". 

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