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MWC 2019 Barcelona: Seat will mit Minimo Carsharing revolutionieren

Konzept eines elektrisch angetriebenen Zweisitzers mit Connectivity-Technologie von Google soll sein wie ein Renault Twizy, nur besser - und profitabler als bisherige Carsharing-Autos.

Geschlossene Gesellschaft: Seat will mit dem Minimo den Twizy neu erfinden und das Carsharing rentabel machen, wie Seat-CEO de Meo (2.v.r.) versichert. | Foto: J. Reichel
Geschlossene Gesellschaft: Seat will mit dem Minimo den Twizy neu erfinden und das Carsharing rentabel machen, wie Seat-CEO de Meo (2.v.r.) versichert. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

Er erinnert zwar an den Renault Twizy, will aber alles besser machen, sprich: moderner, vernetzter und komfortabler: Seat hat auf dem Mobile World Congress 2019 in Barcelona das Heimspiel genutzt, um nicht weniger als eine kleine Verkehrsrevolution auszurufen. "Ein solches Fahrzeug hat die Welt noch nicht gesehen. Es wird das Carsharing komplett verändern", verspricht Seat-Chef Luca de Meo bei der Vorstellung des vollelektrisch angetriebenen Zweisitzers. Dessen Hauptunterschied karosserieseitig zum französischen Revolutionär: Er ist geschlossen und wirkt auf den ersten Blick durchaus behaglich und einladend, und zwar bei jedem Wetter. Das 2,50 Meter lange und 1,24 Meter schmale Gefährt soll nicht nur massiv an Parkraum sparen, sondern dem Carsharing-Provide auch die Hälfte der Kosten bisher auf dem Markt befindlicher Modelle, verteilt de Meo einen unverholenen Seitenhieb auf den Wettbewerb von Smart/Car2Go mit ihren Verbrennermodellen.

Downsizing-Ansatz hebt die Kostenbilanz

Die seien doch für die Anwendung heillos "overengineered", wie Digital Officer bei Seat Fabian Simmer anmerkt: 200 km/h Tempo, fünf Personen, fernstreckenmäßige Reichweite. Auch aus de Meos Sicht ist es daher kein Wunder, dass bisher kein Carsharing-Betreiber Gewinne macht, mit den teuren konventionellen Fahrzeugen. "Downsizing" ist daher der Ansatz des 48-Volt-Konzepts.

Clou: Tauschbare Akkus machen unabhängig

Die gute Gesamtkostenbilanz verdankt das Fahrzeug vor allem dem wirtschaftlichen Elektroantrieb mit vier tauschbaren Batteriemodulen von Bosch, die jeweils nicht schwerer als 14 Kilo sein sollen und eine Gesamtkapazität von 9,6 kWh bieten. Das soll für 100 km Reichweite mit dem elektrischen Niedervoltantrieb genügen. Vorteil der Strategie: Der Carsharing-Operateur muss nicht das Fahrzeug umständlich ins Depot zum Laden bringen, sondern bringt die Energie zum Fahrzeug.

Anders als im Twizy sitzt man im Minimo eher erhöht, Minimo-Projektmann Fabian Simmer spricht von einer Position im SUV Arona. Hinter dem Fahrer wiederum soll Platz wie in einem Seat Mii oder VW Up zur Verfügung stehen. Zudem sorgt die geschlossene Karosserie mit den asymetisch großen Flügeltüren - links ein kleineres Portal, damit man auch in Parklücken aussteigen kann, rechts ein größeres für mehr Einsteigkomfort - für ein sicheres Gefühl.

"Wir vereinen mit hoher Wendigkeit und Fahrdynamik das beste aus der Motorradwelt mit dem Komfort eines Automobils", verspricht Simmer.

Auch objektiv soll der City-Floh bei der passiven Sicherheit in der L7e-Klasse Maßstäbe setzen, wie Simmer verspricht. Ein Schicksal teilen Twizy- wie Minimo-Fahrer allerdings: Sie müssen sich entscheiden, entweder noch einen zweiten Passagier oder Gepäck mitzunehmen.

Auto erkennt den Fahrer und limitiert Speed nach Alter

Für die volle Vernetzung des Fahrzeugs holen sich die Spanier Unterstützung bei Google, Android-Auto ist mit an Bord, selbstredend auch eine Sprachsteuerung. Das Fahrzeug soll etwa auch erkennen, ob der Nutzer erst 16 Jahre alt ist, dann ist der Speed auf 45 km/h limitiert, oder 18 Jahre alt, dann darf volle 90 km/h gefahren werden. Der Minimo soll überhaupt maximal vernetzt (de Meo: "hyperconnected") und dank reichhaltig verbauter Fahrzeugsensorik auf Level 4 autonom fahren können.

Türöffner für die Akzeptanz autonomer Fahrzeuge

Das mit dem autonomen Fahren stellt sich de Meo, nach eigener Aussage bis vor nicht allzu langer Zeit selbst Skeptiker im Bezug auf die Notwendigkeit von Selbstfahrautos, so vor:

"Man könnte mit langsamem Tempo auf separaten Fahrspuren die Autos kursieren lassen. So wird kein Parkplatz verbraucht. das Auto ist da, wo es gebraucht wird", visioniert der Manager.

Aus seiner Sicht könnte das Konzept als eine Art Türöffner dienen, um die Akzeptanz autonom fahrender Fahrzeuge zum Start zu erhöhen, denen aus seiner Sicht bis in zehn Jahren die urbane Mobilitätswelt gehört: "Es wird kaum noch private Fahrzeuge in der Stadt geben", prognostiziert der Seat-Chef die Zukunft, die für ihn gar nicht so fern ist. Schließlich testet man bereits auf ausgewählten Straßen Barcelonas die auf dem MWC omnipräsente, draußen in Europa noch sporadische High-Speed-Datentechnologie für das autonome Fahren, gemeinsam mit Telefonica.  Je nachdem, wie sich die Preise für Sensortechnologie entwickeln, kann sich de Meo einen autonom fahrenden Minimo, entwickelt am seiner Ansicht nach "Hotspot" urbaner Mobilität, in Barcelona, ziemlich zeitnah vorstellen.

Seat soll der Konzern-Leader für Mikromobilität sein

Man probiert hier gerade viel aus, im ganzen Konzern: De Meo sieht den Minimo etwa auch als Ergänzung zum Ride-Pooling-Konzept von Moia. Und Seat ist die Rolle als Leader in der Entwicklung von Mikromobilität zugedacht. Ein regelrechtes Kompetenzzentrum soll dafür in Barcelona entstehen, mit 100 Spezialisten, deren Ideen in Sachen neuer Mobilität dann vom gesamten VW-Konzern weltweit genutzt werden sollen, gerät de Meo ins Schwärmen. Und sortiert den Minimo ein: "Es wird immer Leute geben, die lieber alleine in einem Fahrzeug fahren", glaubt der Manager. Oder eben ein Bike, ein E-Tretroller - wie der mit Segway entwickelte sXS oder ein E-Scooter. Letzteres ein Segment, bei dem de Meo eine große Tradition ins Spanien sieht, die schon ausgestorben war, die mit der Elektromobilität aber eine Rennaissance erlebe.

60 Prozent des urbanen Verkehrs ginge "mikromobil"

Denn feststeht für ihn: Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch - ob mit Batterie- oder Brennstoffzelle. Und in der Stadt ist sie "elektrisch und mikro": 60 Prozent aller Fahrten in der City ließen sich mit Mikromobilen jeglicher Couleur bewältigen, so die Analyse der Seat-Verantwortlichen. Schließlich betrügen dabei die Distanzen nicht mehr als zehn Kilometer.

Apropos zeitnah: Binnen eines Jahres würde man das schon sehr produktionsnahe Konzept - noch selbstgelenkt - serienreif bekommen, sofern die Resonanz positiv ausfällt, meint de Meo. Spricht: Er uns sein Team einen Business Case für den autonomen, spanischen Elektro-Floh finden. Denn in Barcelona, das ist erst einmal ein Publikumstest. Dem zeitnah der Genfer Salon folgt. Dann wird man sehen, ob ein Geschäft draus wird, bei dem übrigens man auch am Sammeln von Daten teilhaben will. Aber: Man ist in erster Linie immer noch ein Autohersteller, daran lässt de Meo auch keinen Zweifel - und das darf auch mal etwas kleiner sein.

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