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MWC 2019 Barcelona: Conti macht Laternen und Antennen schlau

Technologiekonzern präsentiert das Konzept einer intelligenten Straßenlaterne, die Vehicle-to-Infrastructure-Kommunikation ermöglichen soll. Außerdem: Ein Antennendachmodul und ein Hochleistungszentralrechner, Updates over the air und ein adaptives Cockpit.

Eine echte Leuchte: Die Intelligent Street Lamb von Conti war als Konzept zu bewundern. | Foto: J. Reichel
Eine echte Leuchte: Die Intelligent Street Lamb von Conti war als Konzept zu bewundern. | Foto: J. Reichel
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Johannes Reichel

An Conti kam man wahrlich nicht vorbei auf der MWC 2019. In einem halben Dutzend Projekte steckt der Hannoveraner Technologiekonzern mit drin, der in Barcelona noch immer von manchem Besucher aus Fernost als Reifenhersteller adressiert wurde, wie ein Mitarbeiter am Stand berichtet. Umso erstaunter nahm die weitgereiste Gesellschaft dann zur Kenntnis, was man in Hannover noch so alles treibt.

"Wir haben eine große Systemintegrationskompetenz für Sensorik und Aktorik, für Hardware und Software. Das wollen wir ausspielen als Trumpf", so die Ansage eines Entwicklers.

Ohne dabei freilich den OEMs zu sehr auf die Zehen zu treten, für die man natürlich weiterhin gute Zulieferdienste leisten will.

Ein Beispiel für die große Bandbreite: So sorgt man sich etwa darum, dass eine stupide Straßenlaterne intelligent wird und zeigte den erstmals zur CES in Las Vegas präsentierten Konzeptprototypen mit sogenannter V2I-Technologie - Vehicle to Infrastructure, dessen Sensorik aus bereits vorhandenen Komponenten besteht und modular ergänzt werden könnte, falls Städte sich dafür entscheiden. Wenn die Infrastruktur mit den darauf fahrenden Autos sprechen könnte, ließen sich etwa umgestürzte Bäume in einer Kurve vorausmelden, wie ein hübsch gemachtes Modell-Diorama am Stand veranschaulichte. Die Laterne erfasst dabei den Straßenbereich und könnte dem herannahenden Fahrzeug etwa auch melden, wenn freie Parkplätze vorhanden sind. Eine Anbindung an die jeweilige Park-App im Fahrzeug per Conti Cloud wäre ebenfalls denkbar.

Die schlaue Laterne könnte auch Stickoxide messen

Die clevere Leuchte könnte den Verkehrsfluss überwachen, Staus melden, aber natürlich auch als WiFi-Hotspot, Notrufsäule oder als Ladestation für Elektroautos fungieren. Aus gegebenem Anlass besonders relevant: "Wir könnten selbstredend auch Umweltmesstechnik integrieren, etwa zur Feinstaub- oder Stickoxidmessung", erklärt ein Conti-Entwickler. Und leuchten könnte die Laterne natürlich auch noch: Aber eben vielleicht nur, wenn es notwendig ist, was Kommunen jede Menge Strom sparen würde, wie der Ingenieur weiter ausführt. Im Beispielfall für das "Adaptive Lighting" passiert etwa ein Radfahrer und bekommt im genau passenden Moment die richtige Dosis Licht "serviert". "Im Moment warten die Kommunen noch ab, was sich auch als langfristig tragfähige Lösung durchsetzt. Die Investitionen sind schon sehr hoch", meint der Ingenieur. Aber Conti wollte schon mal darstellen, was sich realisieren ließe.
 

Intelligentes Antennenmodul mit 5G-Technologie

Damit das Fahrzeug mit der Infrastruktur kommunizieren kann, braucht es natürlich auch leistungsfähige Antennentechnik. Und da hatte Conti wiederum ein das sehr konkrete Objekt eines neuen "intelligenten" Dachantennenmoduls 2.0 mit nach Barcelona gebracht, das sich - anders als die schicken Sharkfin-Antennen, die BMW zur Mode machte, dank ultraflacher Bauweise diskret ins Fahrzeugdach schmiegt.

"Die Herausforderung war vor allem die Kühlung, denn unterm Dach wird es nun mal heiß", skizziert ein Entwickler.

Ansonsten baute man die Hardware fast wie die zahlreichen Kollegen von den Smartphone-Anbietern ringsum auf. Sprich, die Antenne ist ein leistungsstarker Rechner mit 5G-Technologie, Platine, CPU, in die Leiterplatte integrierten Antennen, das vor allem eines schafft: Platz. Denn es spart massiv an Verkabelung im Fahrzeug, die bisher im Fahrzeug verstreuten Einzelantennen werden hinfällig. 

Ein Zentralhochleistungsrechner gegen den Datenstrom

Apropos leistungsfähiger Rechner: Da der Datenstrom im Fahrzeug stetig zunimmt, hat Conti hier als ankünpfend an das Antennenmodul eine Lösung eines High Performance Computers ersonnen, die den OEMs die Integration aller Fahrzeugfunktionen in einem Server ermöglicht, während heute noch häufig mehrere Rechner die diversen Fahrzeugfunktionen von Heizung/Klima, über Licht, Zentralverriegelung, Fahrerassistenz etc pp. Steuern. Jede Entwicklungsabteilung baue hier oft noch auf ihr eigenes Steuermodul, meint der Ingenieur. Über diesen leistungsfähigen In-Vehicle-Server könnten die OEMs etwa auch die berühmten "Updates over the Air" vornehmen, die sich über die Conti-Cloud steuern ließen, die Werkstatt kann eine Fahrzeugferndiagnose treffen und mit einem modernen Zentralrechner lässt sich auch leichter die Sicherheit vor Cyberangriffen gewährleisten. Wofür man übrigens die Tochter Argus hat.

Elektrobit: Updates "Over-the-Air" überspielen

Das wiederum ist das Spezialgebiet der Conti-Tochter Elektrobit EB, die in Barcelona mit dem EB cadian Sync ein ebensolches System präsentierte. Damit wolle man die OEMs "enablen", den Service von Software-Updates für die Multimediasysteme im Fahrzeug anzubieten - ein neues Geschäftsmodell, das immer mehr OEMs auf der Agenda haben. Contis Clou: Das soll mit einem wahlweise steigerbaren Standard an Sicherheit möglich sein. Das Level reicht etwa von der bloßen Signatur bis hin zur Verschlüsselung. Damit könne der Hersteller dann sicher sein, dass auch keine falsche Software sich ins Fahrzeug einschleicht, etwa durch Hackerangriffe, skizziert der EB-Mann die Vorzüge. Bisher wird der Service nur in High-Class-Modellen und Systemen genutzt, aber EB erwartet, dass in naher Zukunft die große Welle der "Update over the Air"-Technologie in die Fahrzeugbranche schwappt.

Persönlich bleiben im Carsharing: Individualisiertes Digitaldisplay

Weitere Gedanken macht man sich bei EB aber auch über das Cockpit der Zukunft, wenn etwa bei Zunahme von Carsharing-Nutzung die derzeit noch so gefragte Individualisierung im Fahrzeug "flöten" geht. In dem Konzept einer Cockpit-Software-Plattform, das entweder als Quer- oder Hochkantdisplay ausgeführt war, könnten Nutzer ihre ganz persönlichen Einstellungen mit in das Sharing-Auto nehmen, etwa Musik-Apps, das Instrumentendesign oder die Anordnung der Bedienelemente.

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