mocci Smart Pedal Vehicle: Polyamid-Pedelec nimmt Formen an

Digital angetrieben, voll vernetzt, emissionsfrei, robust, wartungsarm und vollständig recycelbar: Das Münchner Start-up will mit seinem Kunststoff-E-Bike neue Maßstäbe in der boomenden Mikromobilität setzen. Jetzt nahm man mit der Fertigstellung der Werkzeuge eine wichtige Hürde auf dem Weg in die Serie.

Andersartig: Das mocci aus München setzt auf Kunststofffertigteile und lokale Produktion. | Foto: CIP Mobility
Andersartig: Das mocci aus München setzt auf Kunststofffertigteile und lokale Produktion. | Foto: CIP Mobility
Johannes Reichel

Mit seinem sogenannten Smart Pedal Vehicles (SPV) will der Münchner Hersteller mocci Mobilität im urbanen Raum neu erfinden und hat jetzt eine wichtige Hürde in Richtung Großserie genommen. Im Zentrum steht auch ein neues Fertigungs- und Materialkonzept. Dank Hochleistunspolyamid ansstelle von Stahl oder Alu lässt sich ein neuartiger Produktionsansatz aus Großserienfertigung gepaart mit einer völlig neuen Software- und Systemarchitektur realisieren. Rahmen, Felgen und andere Hauptkomponenten werden aus dem recycelbaren Kunststoff gefertigt. Die im Vergleich zum Wettbewerb deutlich reduzierte Anzahl an Komponenten soll zu einem sicheren, robusten, langlebigen und wartungsarmen System führen. Alle Bauteile will man nachhaltig in Deutschland entwickeln und lokal produziert, sicher auch ein Vorteil in Zeiten lückenhafter Lieferketten nach Fernost, unter denen sich der Zeitplan der Entwicklung auch bei mocci jüngst verzögert hatte.

Als zweite Kerninnovation setzt der Hersteller als einer der ersten auf eine digitale kettenlose Antriebseinheit, die sich dem individuellen Fahrverhalten anpassen soll. Das Antriebssystem des Serienhybrids verspricht ein völlig neues Fahrerlebnis, das sicher, wartungsarm, nachhaltig und voll vernetzt sein soll. Dies ermögliche die Einführung einer neuen Softwarearchitektur mit zahlreichen digitalen Geschäftsmodellen.

Werkzeuge für den Spritzguss fertiggestellt

Einen wichtigen Meilenstein in Richtung Serienproduktion hat man jetzt auch verkündet. In Zusammenarbeit mit renommierten Forschungs- und Entwicklungspartnern aus Deutschland hat CIP Mobility das Konzept der klassischen Fahrräder komplett verändert, indem man ein Werkzeugkonzept für den Spritzguss entwickelte. Das soll hohe Stückzahlen bei gleichbleibender Qualität und hoher Automatisierung ermöglichen. Darüber hinaus erreicht man eine deutliche Reduzierung der Einzelteile im Gesamtfahrzeug. Strukturbauteile wie Rahmen und Felgen bestehen etwa aus nur einem Teil. Im Vergleich zu herkömmlichen Speichenrädern seien die SPVs damit deutlich sicherer und wartungsärmer, erreichen ein neues Maß an Stabilität und Langlebigkeit und böten Vorteile, insbesondere bei den Gesamtbetriebskosten, verspricht man. Vor allem soll es keine gebrochenen Speichen oder gerissenen Ketten mehr geben. Zudem sei der Wartungsaufwand reduziert, die Tragfähigkeit maximiert. Die lokale Produktion "Made in Germany" sei skalierbar und biete eine flexible und saisonunabhängige Verfügbarkeit, wirbt der Hersteller weiter.

"Als Gründer und Unternehmer bin ich sehr stolz darauf, dass wir vor kurzem die ersten Teile der Vorserie produziert haben und damit bereits einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Serienproduktion gemeistert haben", erklärt Dimitrios Bachadakis, Geschäftsführer von CIP Mobility.

Damit liege man im Zeitplan für die Produktion der ersten Vorserienfahrzeuge. Darüber hinaus liefere dieser Schritt wichtige Erkenntnisse über die Bauteilqualität, eine Bestätigung der Produktentwicklung und gleichzeitig werden wichtige Erfahrungen für die Gestaltung des weiteren Serienprozesses gewonnen.

"Der nächste Schritt sind Montageläufe, Tests und Zertifizierung der SPVs, bevor wir in naher Zukunft an namhafte B2B-Kunden und Pilotpartner aus verschiedenen Branchen ausliefern", skizziert Dimitrios Bachadakis weiter.

Multi-Use & der Start der Pilotphase

Dank vielfältiger individueller Lösungen will man unterschiedliche innerstädtische und betriebliche Mobilitätsszenarien realisieren können. Dimitrios Bachadakis verspricht B2B-Kunden geringe Ausfallzeiten und lange Lebensdauer für die Smart Pedal Vehicles im gewerblichen Einsatz. Er sieht sie etwa in der Auslieferung von Lebensmitteln, für Kurierfahrten, mit einem zusätzlichen Anhänger als kompaktes Servicefahrzeug für den städtischen Bereich oder für moderne digitale City-Sharing-Dienste. Die laufenden Kundengespräche und Rollout-Pläne hätten großes Interesse ergeben, die ersten Aufträge und Absichtserklärungen seien eingegangen, so Bachadakis. Geplant ist nun der Start einer Pilotphase mit ausgewählten B2B-Kunden für Herbst 2022. Das große Ziel sei es, eine nachhaltige und führende Forschungs- und Entwicklungsposition sowie eine lokale Produktion im Bereich der micro eMobility in Deutschland zu etablieren - und sukzessive weltweit auszubauen.

Printer Friendly, PDF & Email