Mobilität: Hauptsache nachhaltig - auch wenn´s länger dauert

Reisen - was haben es alle vermisst. Aber Reisen um jeden Preis? Nein, sagt eine Omio-Studie, die besagt dass gerade die jüngere Generation auf Nachhaltigkeit setzt und dabei auch längere Reisezeiten in Kauf nimmt. Omio hat 15 Routen basierend auf den 100 beliebtesten Strecken in und aus Deutschland zusammengestellt, bei denen Zug oder Bus nur bis zu 60 Minuten mehr Reisezeit benötigen.

Wo soll es hingehen? Für viele gilt: hauptsächlich nachhaltig. Bild: Omio
Wo soll es hingehen? Für viele gilt: hauptsächlich nachhaltig. Bild: Omio
Nadine Bradl

Nachhaltige Entscheidungen nehmen immer mehr Platz im Alltag ein. Doch gerade beim Reisen gehen Schnelligkeit und Komfort oftmals vor. Eine repräsentative YouGov-Umfrage im Auftrag der Reisebuchungsplattform Omio zeigt jedoch, dass Reisende zugunsten des Klimas durchaus Kompromisse eingehen, wenn das einen positiven Effekt auf die Umwelt hat. 

Länger reisen zu Gunsten der Umwelt

Die repräsentative Befragung unter 2.093 Menschen in Deutschland ergab, dass Verbraucher beim Reisen der Umwelt zuliebe durchaus zu Kompromissen bereit sind: Mehr als jede:r Dritte (39 Prozent) würde eine bis zu 30 Minuten längere Reisezeit in Kauf nehmen, mehr als jede:r Fünfte (23 Prozent) würde eine bis zu 60 Minuten längere Reisezeit in Kauf nehmen und 12 Prozent
würden sogar bis zu 120 Minuten länger reisen, wenn sie dafür nachhaltiger unterwegs sind.
Wenig überraschend: Die Generation Z ist mehr auf die Umwelt bedacht: Hier akzeptieren 69 Prozent der Befragten eine längere Reisezeit zu Gunsten der Umwelt, in der Gesamtbevölkerung beträgt dieser Anteil nur 56 Prozent. Eine:r von fünf (18 Prozent) würde bis zu 120 Minuten mehr Reisezeit in Kauf nehmen.

Die Top 3 der Routen sind:

  • Frankfurt am Main -> Köln: Hier lassen sich mit dem Zug gegenüber dem Flug mehr als zwei Stunden einsparen und dabei 25 Kilogramm CO2 einsparen. 
  • Hannover -> Frankfurt am Main: Immerhin noch 27 Minuten schneller ist hier die Bahn. Deutlich hingegen die CO2-Einsparung knapp 33 Kilogramm.
  • Stuttgart -> Paris: Nur 15 Minuten schneller ist man auf dieser Route mit dem Zug, dafür lockt eine CO2-Einsparung von knapp 74 Kilogramm. Mehr spart man nur auf der Strecke Köln -> Hamburg ein (195 Kilogramm), muss dafür aber knapp 60 Minuten mehr Fahrzeit in Kauf nehmen.

Schnelligkeit, Preis, Komfort

Generell sind Befragte in Deutschland durchaus dazu bereit, auf das Fliegen zu verzichten. Fast jeder Zweite (45 Prozent) sagt, dass er oder sie mit dem Zug statt dem Flugzeug reisen würde, wenn die Verbindung schneller ist. 42 Prozent steigen lieber in den Zug, wenn die Verbindung bequemer ist als mit dem Flieger. Auch der Preis spielt eine große Rolle beim Reisen: 38 Prozent bevorzugen den Zug, wenn der Ticketpreis günstiger als beim Fliegen ist.

Nachhaltigkeit & Sicherheit

Nachhaltigkeit ist für viele ebenfalls ein Grund, sich gegen das Fliegen zu entscheiden – Das antwortetet immerhin jede:r Dritte (34 Prozent). Auch das Thema Sicherheit, beispielsweise in Bezug auf die Corona-Pandemie, bewegt viele dazu (33 Prozent), auf den Zug umzusteigen. Im Vergleich zur Bahn sind weniger Reisende bereit, den Bus statt den Flieger zu wählen. Doch sagt jede:r Fünfte (22 Prozent), den Bus zu bevorzugen, wenn das Ticket günstiger ist. Fast ebenso viele (20 Prozent) fahren lieber Bus als zu
Fliegen, wenn die Verbindung bequemer ist. 

 

Reisen nach der Pandemie

Die Covid-19 Pandemie hat das Reiseverhalten europaweit beeinflusst: In Deutschland gab fast jede:r Vierte (24 Prozent) der Befragten an, erst die Reisebeschränkungen vor der Buchung zu prüfen. 18 Prozent gaben an, mehr Inlandsreisen zu unternehmen und 15 Prozent werden erst reisen, wenn sie geimpft sind. 9 Prozent werden bei Reisen nun öfter den Zug als das Flugzeug wählen, weil sie sich dort sicherer fühlen. Für jeden Fünften (20 Prozent) hat die Pandemie jedoch keinerlei Auswirkungen auf ihr Reiseverhalten. 17 Prozent wollen zu ihrem alten Reiseverhalten zurückkehren, wenn die Infektionszahlen gesunken sind.
Vor allem die Generation Z achtet beim Reisen am meisten darauf, die Umwelt wenig zu belasten: 9 Prozent der Studien-Teilnehmenden in Deutschland gaben an, die Umwelt bei Reiseentscheidungen immer zu berücksichtigen; unter den 18 bis 24-Jährigen sind es 17 Prozent, unter den 25 bis 34-Jährigen 12 Prozent. Im Vergleich zu Ende 2019 berücksichtigt die Generation Z heute noch mehr das Klima: Bei der damaligen Umfrage sagten nur 13 Prozent, dass sie jedes Mal beim Reisen auf die Umwelt achten.

Reisende in Europa

Im europäischen Vergleich sieht es ähnlich aus: Jeder Vierte gibt an, dass er bereit ist, zusätzliche 60 Minuten zu seiner Gesamtreisezeit in Kauf zu nehmen, sofern sich dies positiv auf die Umwelt auswirkt. Acht Prozent der Befragten geben an, dass sie auf das Fliegen verzichten würden, auch wenn dies zusätzliche zwei Stunden Fahrt bedeuten würde. Mehr als die Hälfte der Europäer würden den Zug oder Bus wählen, wenn es die nachhaltigere Option gegenüber dem Flugzeug ist.

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