Mobileye und Udelv wollen autonome Liefervans marktreif machen

Die Intel-Tochter bleibt am Drücker und strebt in Kooperation mit dem US-Start-up ab 2023 in die Praxis mit autonom agierenden Lieferwagen. Anders sei das Paketwachstum nicht zu stemmen, argumentiert man.

Selbst ist der Van: Die UDELV-Transporter sollen bereits ab 2023 in die Tür-zu-Tür-Belieferung starten. | Foto: Mobileye
Selbst ist der Van: Die UDELV-Transporter sollen bereits ab 2023 in die Tür-zu-Tür-Belieferung starten. | Foto: Mobileye
Johannes Reichel

Die Intel-Tochter Mobileye und das US-Start-up-Unternehmen Udelv haben angekündigt, das automatisierte Fahrsystem des Anbieters in der nächsten Generation der Udelv Lieferfahrzeuge einsetzen zu wollen. Die selbstfahrenden Fahrzeuge hören auf den schlichten Namen "Transporter" und sollen bis 2028 in einer Stückzahl von mehr als 35.000 Exemplaren auf den Markt kommen. Den kommerziellen und fahrerlosen Regelbetrieb will man schon im Jahr 2023 starten. Mit der Kooperation signalisere man, dass Selbstfahrsystem Mobileye Drive für den kommerziellen Einsatz in Mobilitätslösungen für den Transport von Menschen und Waren bereit sei, so der israelische Automatisierungsspezialist.

„Unser Geschäft mit Udelv ist für seine Größe, seinen Umfang und seinen schnellen Zeitplan der Markteinführung von Bedeutung. Dies zeigt, dass wir jetzt und in großem Umfang für den kommerziellen Einsatz bereitstellen können“, befindet Amnon Shashua, President und CEO von Mobileye.

COVID-19 habe die Nachfrage nach autonomer Warenlieferung beschleunigt und man könne in Kooperation mit Udelv dieser Nachfrage kurzfristig nachkommen, so Shashua weiter.

Schnelle Skalierbarkeit erhofft

Aus Sicht von Daniel Laury, CEO und Mitgründer von Udelv, sei die Intel-Tochter das einzige Unternehmen, das heute ein komplettes Selbstfahrsystem zur kommerziellen Nutzung und Skalierung bereitstellen könne. Die Marktreife des Systems zusammen mit seiner großen Kartenabdeckung in Nordamerika, Europa und Asien, werde es ermöglichen, die Produktion und den Betrieb von Udelv Transportern schnell zu skalieren, und die Transportdienstleistungen zügig und in großem Umfang unserer wachsenden Liste an Geschäftskunden anzubieten, glaubt Laury. 

Ein Drittel mehr Lieferfahrzeuge: Das geht nur autonom

Er verweits darauf, dass die letzte Meile der Zustellungen nach wie vor der teuerste Aspekt der Warenverteilung und verantwortlich für etwa 53 Prozent der Gesamtkosten der Waren sei. Gleichzeitig kauften Verbraucher mehr und mehr Waren online, was das Fördervolumen auf der letzten Meile bis 2030 erwartungsgemäß um 75 Prozent bis 80 Prozent erhöhen werde, so die Prognose. Dafür würden 36 Prozent mehr Lieferfahrzeuge benötigt. Zugleich mache es ein Mangel an Fahrern Unternehmen schwer, Schritt zu halten. Das Dienstleistungsmodell sei reif für Verbesserungen. Die Kunden von Udelv erwarteten, dass selbstfahrende Transporter die Effizienz von Lieferservices auf der letzten und mittleren Meile dramatisch verbessern, für alle Waren, von Backwaren und Autoteilen bis hin zu Lebensmitteln und medizinischer Versorgung.

Erstkunde: Donlen bestellt 1.000 autonome Vans

Donlen, einer der größten Anbieter von Flottenlösungen in Amerika und nach eigener Aussage jahrelang führend auf dem Gebiet von Flottenmanagement-Innovationen und -Technologie, hat zudem die erste Vorbestellung für 1.000 Transporter getätigt. Dies sei die bislang größte Vorbestellung dieser Art für ein selbstfahrendes Lieferfahrzeug.  Tom Callahan, President von Donlen hofft, dass die Kombination des Nullemissionsfahrzeuges Udelv Transporter und ein automatisiertes Zustellmanagement-System basierend auf Mobileye Drive umfassende Lieferkostensenkungen ermöglichen werde, zudem die Straßen sicherer mache und niedrigere Kohlenstoffemissionen in Amerika bewirken könnten.

Von selbst von Tür zu Tür

Das System beinhaltet die EyeQ genannte System-on-Chip (SoC)-basierte Recheneinheit für autonomes Fahren auf Level-4, alle Sensoren und Software, die AV Map genannte Karte basierend auf dem proprietären Road Experience Management und die Entscheidungslogik auf Basis von verantwortungsbewusster Sicherheitslogik namens Responsibility Sensitive Safety (RSS). Udelv verantwortet dabei die Integration mit seinem Zustellungs-System, mit Mobileyes technischer Unterstützung. Mobileye werde auch Over-the-Air Softwareupdates liefern, heißt es weiter. Die Transporter sollen in der Lage sein, vollautonom nach dem Automatisierungsgrad Level 4 den Tür-zu-Tür Zustellbetrieb durchzuführen. Das von Udelv entwickelte TeleOperation-System ermögliche bei Bedarf das Manövrieren der Fahrzeuge auf Parkplätzen, Ladezonen, Apartmentkomplexen und Privatstraßen.

Einsatztests erfolgreich absolviert

Gefeiert für den Bau des ersten maßgeschneiderten autonomen Lieferfahrzeugs, mit dem Anfang 2018 die erste selbstfahrende Zustellung gemacht wurde, hat das einstige Start-up-Unternehmen in der Zwischenzeit umfangreiche Einsatztests mit Kunden verschiedener Branchen durchgeführt. Mike Odell, President und CEO von XL Parts und Marubeni Automotive Aftermarket Holdings, sagte als einer der ersten Kunden von Udelv zeigt sich "begeistert, die Fortschritte zu sehen, die dieses Unternehmen in so kurzer Zeit erzielt hat. Man wolle die Partnerschaft ausbauen und einer der ersten Kunden für die Transporter sein.

Die Koooperation mit Udelv unterstreiche die Fortschritte von Mobileye auf seinem ambitionierten Weg als globaler Anbieter von fahrerlosen Mobility-as-a-Service-Lösungen und bestätigt die Technologie sowie den Geschäftsansatz, wirbt die Intel-Tochter. Man werde selbstfahrende Shuttles mit Transdev ATS und Lohr Group zuerst in Europa einsetzen. Des Weiteren plant der Anbieter den Regelbetrieb von Ride-Sharing Diensten in Israel mit selbstfahrenden Fahrzeugen ab Anfang 2022.

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