Mobile World Congress 2018: Daimler beteiligt sich an Start-up Anagog

Israelisches Unternehmen entwickelte Software, die auf Basis Künstlicher Intelligenz Bewegunsszenarien von Nutzern vorhersagt und dafür das Smartphone als Sensor nutzt.

Stets verbunden: Sabine Scheunert verkündet die Beteiligung am Start-up Anagog. | Foto: Daimler
Stets verbunden: Sabine Scheunert verkündet die Beteiligung am Start-up Anagog. | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Die Daimler AG hat die Vertiefung der Zusammenarbeit mit dem Start-up Anagog Ltd bekannt gegeben. Die Firma mit Sitz in Tel Aviv entwickelte eine Software, die das Nutzerverhalten mit Hilfe verschiedener Sensoren direkt im Smartphone analysiert und auf Basis von Künstlicher Intelligenz künftige Bewegungsszenarien vorhersagt. "Durch die Analyse der Daten versteht das Smartphone, was der Nutzer tut und in welcher Umgebung er sich befindet. So können verschiedene kontextbezogene Services generiert werden, die das Nutzer-Erlebnis verbessern", beschreibt der Automobilhersteller. Die patentierte Technologie soll nach dem Dafürhalten der Daimler-Verantwortlichen die Spielregeln bei der Nutzung von Künstlicher Intelligenz auf Smartphones und anderen Wearables ohne die Hilfe von Backend-Servern verändern.

"Wir verbessern jeden digitalen Berührungspunkt im Mobilitätsverhalten unserer Kunden und erhöhen so deren Unabhängigkeit", begründete Sabine Scheunert, Leiterin Digital und IT für Marketing & Sales Mercedes-Benz Cars den Schritt. Mit der Investition in Anagog komme man diesem Ziel ein ganzes Stück näher", so die Managerin. Dieser Schritt reiht sich ein in eine Serie strategischer Investments des Konzerns in Start-Ups.

Um etwaige Bedenken auszuräumen betont der Hersteller, ein Vorteil der Software liege im hohen Datenschutz, der Benutzern die volle Kontrolle über belasse, da kein Datentransfer zu einem Backend-Server erforderlich sei. Anagog wurde 2010 gegründet und war 2017 Teilnehmer des von Mercedes-Benz unterstützten Start-up-Programms "The Bridge". Mit der "EQ Ready-App" ist die erste gemeinsame Entwicklung bereits seit September 2017 auf dem deutschen Markt. Diese App hilft Autofahrern zu entscheiden, ob es für sie sinnvoll ist, auf ein Elektroauto oder Hybridfahrzeug umzusteigen. Die Smartphone-App kann reale Fahrten des Nutzers aufzeichnen und mit zahlreichen Parametern von Elektro- und Hybridfahrzeugen vergleichen.

Was bedeutet das?

Dank einer prall gefüllten "Kriegskasse" ist es für Daimler ein leichtes, sich an strategisch ausgewählten Start-Ups zu beteiligen, mit dem Ziel, eine komplettes "Ökosystem", wie die Hersteller immer so gern sagen, an Mobilität zu realisieren. Da kann es nicht schaden, auch die Schnittstellen zum Smartphone, dem ultimativen Bewegungssensor unserer Zeit, zu sichern. Wir sind gespannt, welches Investment als nächstes folgt, nachdem Daimler selbst jetzt mit Geely einen neuen Großinvestor an Bord hat, der sicher ein Wörtchen mitreden will bei der Gestaltung der Mobilitätszukunft.

Printer Friendly, PDF & Email