MOBIKO Mobilitäts-Budget: Mitarbeiter müssen nachhaltiger mobil sein

Wie Unternehmen mit nachhaltiger Mobilität einen wichtigen Beitrag zum Klimawandel leisten können und warum sie das auch bald müssen, wenn die neuen EU-Regeln zur Nachhaltigkeitsberichterstattung greifen. Drei Elemente sind wesentlich: Incentivieren, Verbieten und Kompensieren. Ein Fachbeitrag von Andreas Reichert, CEO und Charlene Wuermeling, Content Marketing Managerin beim Münchner Software-Start-up MOBIKO sowie Jan-Moritz Jericke, Geschäftsführer bei Project Climate.

Es muss nicht immer Auto sein: Mit einem Mobilitätsbudget können Unternehmen umweltfreundliches Pendeln incentivieren - und sollten dies auch tun, denn ab 2024 wird's teuer. | Foto: GTÜ
Es muss nicht immer Auto sein: Mit einem Mobilitätsbudget können Unternehmen umweltfreundliches Pendeln incentivieren - und sollten dies auch tun, denn ab 2024 wird's teuer. | Foto: GTÜ
Johannes Reichel

Nur um die Dimension mal klar zu machen: Knapp 30 Prozent der gesamten Emissionen der EU werden durch den Verkehr verursacht (Europäische Umweltagentur, 2019). Um die gesetzten Klimaziele bis 2030 zu erreichen, ist eine Halbierung der Treibhausgasemissionen im Mobilitätssektor erforderlich. Der dadurch steigende Preisdruck für den CO2-Ausstoß erfordert ein Umdenken in vielen Unternehmen. Es gibt immer mehr nachhaltige Angebote, die zur privaten und beruflichen Nutzung zur Verfügung stehen. Es gilt, diese Verkehrsmittel nun möglichst umweltfreundlich zu entwickeln und einzusetzen. Vor allem das Auto, das von vielen täglich zum Einsatz kommt und häufig nur mit einer Person besetzt ist, stößt eine sehr hohe Menge an CO2 pro Personenkilometer aus, wie der Anbieter in einem neuen Whitepaper darlegte.

Ein Rechenbeispiel: Ein Unternehmen hat an einem Standort 200 Mitarbeitende, die durchschnittlich jeweils 16 Kilometer pro Weg zur Arbeit pendeln. Im deutschen statistischen Mittel von 2020 pendeln 68% der Belegschaft mit dem Auto, und zwar überwiegend alleine (Statistisches Bundesamt (Destatis), 2021). Von den 200 Mitarbeitenden fahren also 136 (68%) mit dem Auto. Ein Mitarbeitender emittiert bei einem Verbrenner im Schnitt 152 Gramm pro Kilometer. Bei 230 Tagen/Kalenderjahr (30 Tage Urlaub, 5-Tage-Woche) ergibt sich ein Verbrauch von 152,15 Tonnen CO2 pro Jahr (32 km; 152 Gramm CO2; 136 Mitarbeitende; 230 d). Bei einem aktuell üblichen Kompensationspreis von 16 € pro Tonne, der für verschiedene Klimaprojekte aufgerufen wird, ergäbe sich für das Unternehmen ein Kompensationspreis i.H.v. 2.434,40 € oder knapp 1,50 € pro Mitarbeiter pro Monat. Die Produktionsemissionen des Fahrzeugs sind hier jedoch nicht einmal mit einberechnet. Würden alle diese Mitarbeitenden mit dem ÖPNV fahren, fielen 94 Gramm pro Kilometer und damit 92 Cent pro Mitarbeitenden pro Monat an (siehe Abb. 1).

Die CO2-Preise steigen, Mobilitätsstrategie sollte überdacht werden

Das Rechenbeispiel spricht somit für die vermehrte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Nah- und Fernverkehr. Auch Fahrrad oder Sharing Angebote bieten eine nachhaltigere Alternative.

Vor allem im Hinblick auf die, in den nächsten Jahren stark steigenden, CO2 Preise, lohnt es sich, die betriebliche Mobilitätsstrategie zu überdenken und Mitarbeitende zu nachhaltiger Mobilität zu motivieren.

Sollen Jobtickets, Diensträder, Dienstwägen, ein ganzheitliches und flexibles Mobilitätsbudget oder eine Kombination aus beidem angeboten werden? Anbieter, wie MOBIKO, bieten die Möglichkeit nachhaltige Mobilitätsangebote miteinander zu kombinieren und können im Hinblick auf betriebliche Mobilität dabei unterstützen, verkehrsbedingte Emissionen zu tracken, zu reporten und mit konkreten Maßnahmen zu reduzieren. Mitarbeitermobilität muss neu gedacht werden, damit Emissionen und Kosten nicht explodieren.

Gretchenfrage der Mobilität: Verbieten oder Belohnen?

Um langfristig eine Verhaltensveränderung bei Mitarbeitenden herbeizuführen, gibt es mehrere Strategien, die in diesem Whitepaper aus Unternehmens und verhaltenspsychologischer Sicht kritisch beleuchtet werden. Mit dem Einsatz eines Mobilitätsbudgets von MOBIKO werden Mitarbeitende belohnt, wenn sie nachhaltige Mobilität nutzen (siehe Abb. 3). Zum jeweiligen Monatsbeginn erhalten sie ein festes Budget, das sie für alle ihre Mobilitätsausgaben verwenden können. Dabei wird lediglich ein Ticket, eine Rechnung oder ein Beleg für die Ausgabe in der Anbieter-App hinterlegt. Bestimmte Ausgaben wie bspw. für den ÖPNV sind vom Staat bereits steuer- und sozialabgabenfrei. Alternative nachhaltige Fortbewegungsmittel, wie beispielsweise das Fahrrad bisher jedoch noch nicht.

Green Taxation: Vorteil im "war of talents"

Das Münchner Start-up bietet Unternehmen daher die Möglichkeit über die Funktion namens „Green Taxation“ die Steuern per Nettolohnhochrechnung für ihre Mitarbeitenden zu übernehmen und somit auch die Nutzung weiterer nachhaltiger Mobilität attraktiver zu machen. Mitarbeitende können sich so durch eigens getroffene Entscheidungen zugunsten der Umwelt selbst belohnen. Gleichzeitig bieten Unternehmen damit einen attraktiven Benefit, der gerade im derzeitigen „War-of-Talent“ positiv zum „Employer Branding“ beiträgt. Ein Mobilitätsbudget o.ä. Belohnungssysteme in anderen Bereichen sollten aber immer möglichst dauerhaft eingeführt werden. Andernfalls besteht die Gefahr des sog. Korrumpierungseffektes: Wird die Belohnung wieder abgeschafft, sinkt die intrinsische Motivation unter den vor der Belohnung gezeigten freiwilligen Einsatz (Wikipedia, 2021).

Umweltschädliche Verkehrsmittel verbieten

Nachhaltiges Verhalten zu incentivieren, verursacht kurzfristig allerdings keine radikale Verhaltensänderung bei Mitarbeitenden. Ein Beispiel: Ein Mitarbeitender, der in Bahnhofsnähe wohnt, fährt aufgrund der Incentivierung nur noch dreimal Mal pro Woche mit dem Auto zur Arbeit und zweimal Mal mit der Bahn, aber er nutzt nach wie vor das Auto.

Wenn Unternehmen das Einreichen von Tankbelegen allerdings gar nicht erst erlauben, ist der Anreiz für Mitarbeitende, das Auto stehenzulassen größer. Man erzielt dadurch einen schnellen Einspareffekt, stößt aber zu Beginn auch auf höheren Widerstand seitens der Mitarbeitenden.

Es sollte daher beachtet werden, dass Mitarbeitende sinnvolle Alternativen für das Zurücklegen des Arbeitsweges haben. Verbietet das Unternehmen beispielsweise die Nutzung eines Autos, obwohl ein Großteil der Mitarbeitenden auf dem Land wohnt und kaum Alternativen hat, würde das Verbot zu Unzufriedenheit führen und der Nachhaltigkeitsgedanke würde stark in den Hintergrund rücken.

Im Gegensatz dazu gibt es zum Fliegen auf Kurzstrecken oft bessere Alternativen. Mit dem ICE o.ä. lässt sich die Strecke häufig in der gleichen Zeit (inkl. Anreise zum Flughafen, Check-In, Sicherheitskontrolle) wie mit dem Flugzeug zurücklegen. Gleichzeitig ist der ICE knapp sechsmal weniger umweltbelastend als das Flugzeug (siehe Abb. 4). Durch die steigende CO2-Bepreisung bedeuten vor allem Inlandsflüge, aufgrund des hohen CO2-Ausstoß, immer höhere Kosten für Unternehmen. Gleichzeitig steigen auch Kerosin- und somit Flugpreise.

Unternehmen müssen also Kosten, Nutzen und Zeit abwägen, um zu entscheiden, welches Verbot sinnvoll ist.

Im Kern geht es bei einem Verbot um eine sichere Maßnahme, die zu umweltbewussterem Verhalten beitragen soll. Zum besseren Verständnis sollte Mitarbeitenden die Intention des Mobilitätsbudgets und der Einschränkungen erläutert werden. Ein Verbot ist allerdings eine kurzfristige radikale Maßnahme, die nur genutzt werden sollte bis eine ausgereifte Mobilitätsstrategie besteht.

Für den Übergang: Kompensation übriger CO2 Emissionen

Das Implementieren einer guten Mobilitätsstrategie zur Verminderung von CO2-Emissionen ist der erste entscheidende Schritt hin zu einer nachhaltigeren betrieblichen Mobilität. Dennoch ist es für viele Unternehmen kaum möglich, kurzfristig CO2-neutral zu werden. Mit einem Mobilitätsbudget können Emissionen bereits um einen großen Teil reduziert werden. Um die übrigen CO2-Emissionen jedoch zu kompensieren, bis langfristig 100%ige CO2-neutrale Lösungen vorhanden sind, ist es empfehlenswert, in zertifizierte Klimaschutzprojekte zu investieren. Doch die Zahl an Klimaschutzprojekten ist hoch, weshalb es sinnvoll ist, sich von Experten beraten zu lassen. Andernfalls laufen Unternehmen Gefahr, ihr Geld für unseriöse oder ineffektive Projekte auszugeben und letztlich kaum einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

Gute Beratung für Klimaschutzprojekte

Project Climate unterstützt Unternehmen unter anderem bei der Wahl eines guten Klimaschutzprojektes. Deren CEO Jan-Moritz Jericke betont, dass ihre Auswahl der Projekte nach Gold Standard zertifiziert sind und am besten in Kombination mit dem Standard der UN (CDM) umgesetzt werden sollten, um sicherzugehen, dass die Kompensation wirklich einen Einfluss hat. „Ein Wald spart nur CO2 ein, wenn er stehen bleibt", so die Faustformel. Es sei dabei nicht empfehlenswert, über Waldprojekte zu kompensieren. Der Bedarf nach Holz und die damit verbundene Waldrodung wird durch das Pflanzen neuer Wälder nicht verringert. Die Nachfrage wird lediglich in andere Gebiete verdrängt. Dennoch sollten Waldgebiete für die Biodiversität und den lokalen Wasserhaushalt als Lebensgrundlage geschützt und aufgeforstet werden. Lediglich für die Kompensation von CO2-Emissionen gäbe es einflussreichere Projekte. Sinnvoller seien Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien so wie Wind, Wasser und Biogas auf Haushaltsebene. Es lohne sich auch in die Energieeffizienz auf Haushaltsebene zu investieren.

„Wir müssen viel schneller als bisher die CO2-Emissionen der Mobilität senken. Neben Maßnahmen zur CO2-Reduzierung ist speziell bei der Mobilität die CO2-Kompensation über hochwertige Klimaschutzprojekte ein sinnvolles Instrument, um sofort die volle Klimaschutz-Wirkung zu erreichen“, erklärtJan-Moritz Jericke , CEO bei Project Climate.

Jährlich erfasst MOBIKO anonymisiert das Mobilitätsverhalten der Kunden. 2021 zeigte erneut, dass das nachhaltige Verhalten durch das Mobilitätsbudget positiv beeinflusst wird. So wurde das Mobilitätsbudget 2021 zu 40% für den ÖPNV genutzt (siehe Abb. 5). Die meist genutzte und gleichzeitig nachhaltige Mobilitätsart. Betrachtet man nur den Arbeitsweg haben sogar 63% der Mitarbeitenden ihr Budget für den ÖPNV verwendet. Nicht berücksichtigt werden können Daten zur Mobilität, für die Mitarbeitende keine Belege eingereicht haben.

Die Incentivierung nachhaltiger Mobilität beeinflusst das Verhalten der Mitarbeitenden im Hinblick auf das Mobilitätsbudget positiv.

2019 galten nur 32% des Mobilitätsmix dem ÖPNV und noch ganze 16% dem Tanken sowie 11% dem Flugzeug. Tankrechnungen werden 2021 immer weniger eingereicht (11%). Das sind laut dem Statistischen Bundesamt ganze 57% weniger, als ohne ein Mobilitätsbudget gependelt wird. Unklar ist allerdings, ob die Tankrechnungen einfach seltener eingereicht werden oder tatsächlich weniger Auto gefahren wird. Eine Betrachtung der gesamtheitlichen Mobilität mit Project Climate ist daher empfehlenswert.

Best Practice: Mobilitätsbudget einführen, Emissionen reporten, CO2 kompensieren

Bis Unternehmen eine vollständig CO2-neutrale Mobilitätsstrategie haben, müssen größere Maßnahmen eingeleitet werden, weshalb dafür einige Zeit einberechnet werden muss. In Zusammenarbeit mitdem Partner Project Climate bietet man die Möglichkeit, übrige CO2-Emissionen zu kompensieren, sodass Unternehmen auch in der Übergangszeit vollständig CO2-neutral sein können (Stand: August 2022, siehe Abb. 7). Um zu wissen, wie viele CO2-Emissionen ausgestoßen wurden, erfordert es ein Reporting, das der Corporate Sustainybility Reporting Directive (siehe Abb. 5) entspricht. Für den Fuhrpark, die Logistik und Geschäftsreisen ist oft eine gute Datengrundlage vorhanden. Hier gibt es etablierte Berechnungsmethoden und Emissionsfaktoren.

Oft dünne Datenlage in den Unternehmen

Im Hinblick auf die Arbeitswegmobilität haben die meisten Unternehmen allerdings keine Daten vorliegen. Um diese zu erfassen, nutzt Project Climate die Daten von MOBIKO und vervollständigt sie anhand regelmäßiger Mitarbeiterbefragungen. Die zu dem Zeitpunkt noch unvermeidbaren CO2- Emissionen können dann in Zusammenarbeit mit Project Climate kompensiert werden. Project Climate unterstützt bei der Wahl eines geeigneten Klimaschutzprojektes, berechnet den Beitrag für den CO2-Ausgleich über das ausgewählte Projekt und reicht diesen an das Projekt weiter. Schließlich erhalten Kunden ein Kommunikationspaket über ihr Klimamanagement. Mit einer Kombination aus Mobilitätsbudget, Reporting und der CO2- Kompensation können Unternehmen einen entscheidenden Beitrag zum Klimawandel leisten.

Das Unternehmen ist davon überzeugt, dass es sinnvoll ist, die Probleme am Ursprung anzupacken und an einem nachhaltigeren Mobilitätsverhalten von Mitarbeitenden zu arbeiten, statt einfach jegliche CO2-Emissionen vom Unternehmen monetär ausgleichen zu lassen.

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