Mitsubishi und Ammersee Obstbau: An- statt verbieten

Die Präsentation des neuen Eclipse Cross PHEV verband Mitsubishi Motors mit dem Besuch eines Start-ups am Ammersee: Obstbauer Timo Friesland verbindet mehrere Ansätze zu einem nachhaltigen Gesamtkonzept.

Kaffee ohne Stromanschluss mitten in der Obstplantage: Die Steckdose im Eclipse Cross PHEV macht es möglich
Kaffee ohne Stromanschluss mitten in der Obstplantage: Die Steckdose im Eclipse Cross PHEV macht es möglich
Gregor Soller

Mitsubishi hat einen neuen Slogan ausgerollt, der unter dem Motto „Wir kümmern uns“ läuft. Dabei sollen die Mitsubishi Vertragspartner den Kunden auf dem Weg in die E-Mobilität begleiten, bei der Wahl und Installation einer passenden Wallbox helfen. Darüber hinaus kümmert man sich um den und deren Installation, bieten im Idealfall den passenden Ökostrom-Tarif an und helfen bei der Beantragung von Fördermitteln. Für das Laden unterwegs bietet Mitsubishi dann einen Ladechip mit transparenten Preisen an, der deutschland- und europaweit einsetzbar ist.

Mitsubishi bleibt dem bidirektionalen Laden treu

Außerdem bleibt man der bidirektionalen Ladetechnik treu, um Outlander und Eclipse Cross PHEV auch als Stromtankstelle nutzbar zu machen: Durch die bidirektionale Auslegung können sie die gespeicherte elektrische Energie auch wieder abgeben und so zum Beispiel über die im Kofferraum befindliche Haushaltssteckdose unterwegs elektrische Geräte betreiben. Die Bidirektionalität bietet aber noch eine andere Perspektive, die in der Planung der zukünftigen Stromnetze eine zentrale Bedeutung haben könnte: Mitsubishis Plug-in Hybride können über eine bidirektionale Wallbox den gespeicherten Strom an intelligente Stromnetze (sogenannte Smart Grids) wieder abgeben, und dienen somit als mobiler Pufferspeicher. Eine Fähigkeit, die das Tor zu einer neuen Ära des Energiemanagements öffnet und ein wichtiger Baustein des sogenannten „Dendo Drive House“ Konzepts (DDH) von Mitsubishi ist. Dieses branchenweit einmalige Konzept wird von den Mitsubishi-Händlern in Japan bereits angeboten und soll mittelfristig auch in weiteren Märkten eingeführt werden.

Besuch bei Timo Friesland: Frischer Espresso mitten auf der Plantage – dank Strom aus dem Auto

Womit wir mitten auf dem Land stehen, neben der Plantage von Timo Friesland, wo wir frischen Kaffee aus der 230-Volt-Steckdose des Eclipse Cross zapfen. Timo Friesland und sein Team setzen sich mit ihrer Bio-Obstplantage für nachhaltige Landwirtschaft am Ammersee ein. Dabei ist der Lebenslauf des Gründers ebenso besonders und innovativ, wie sein Ansatz einer systemischen Landwirtschaft: nach dem Studium der BWL und Psychologie hat er ein eigenes Unternehmen als Spinoff der TU Berlin aufgebaut und verkauft. Auch heute beschäftigt er sich noch intensiv mit innovativen Geschäftsmodellen und hilft Start-Ups bei der Positionierung im Markt. 2013 zieht es Friesland von Berlin an den Ammersee, wo er im Heimatort seiner Großeltern einen Bauernhof erwirbt, der bisher konventionell betrieben wurde. Ein Neustart, denn außer seinem Namen, der bedeutet, dass Vorfahren irgendwann einmal „frisches Land“ erhielten und bebauen durften, finden sich keine direkten Vorfahren aus der Landwirtschaft in seinem Ahnenstamm. Sein Großvater bezeichnete sich gar als „Industriezigeuner“, da er mehrere Jobs in der Industrie bekleidete.

Frieslands Ziel: Er möchte Neues ausprobieren, bisherige Lösungen in Frage stellen, und als Branchenfremder die Landwirtschaft mit einem neuen Blick bereichern. Gemeinsam mit Freunden gründet er die „Ammersee Obstbau GmbH“ auf über 60 ha Land zwischen Ammersee und Wörthsee, und startet gemeinsam mit einigen Angestellten in ein neues Abenteuer. Schon nach den ersten Wochen war klar, dass er seine bekannte Welt hinter sich lassen musste: „Wir schrieben Ablauf- und Businesspläne, um nach zwei Tagen festzustellen, dass das so alles nicht geht. Denn Natur und Landwirtschaft haben ihre eigenen Gesetzte – und wenn es regnet, dann regnet es eben, auch wenn man Sonne bräuchte oder wünschte. Das lehrt einen Demut“, erinnert sich der Gründer an die Anfänge. Auch musste er bald feststellen, dass nicht alle Angestellten und eingesessenen Bauern seine Ansichten und Wege mitgehen würden. Trotzdem schritt er zur Tat. Ähnlich agiert Mitsubishi in Baden Württemberg mit dem bidirektionalen Laden.

In Baden Württemberg arbeitet Mitsubishi an konkreten bidirektioanlen Projekten

Dazu arbeitet Mitsubishi Motors in Deutschland intensiv mit der Hochschule für Technik und Stuttgart, der Gemeinde Wüstenrot und namhaften Unternehmen zusammen, um die Voraussetzungen für eine nachhaltige und intelligente Nutzung der bidirektionalen Lademöglichkeiten zu schaffen.

DDH ist künftig als Gesamtpaket über das Mitsubishi Motors-Händlernetz erhältlich Neben einem Mitsubishi Plug-in Hybridfahrzeug beinhaltet das für Eigenheimbesitzer ausgelegte System in Japan eine bidirektionale Schnelllade-Wallbox mit dem dort populären CHAdeMO-Gleichstromanschluss in der Garage, Solarmodule auf dem Hausdach und eine stationäre Speicherbatterie innerhalb des Gebäudes. Aber auch in Europa arbeitet man an einer bidirektionalen Lademöglichkeit der CCS-Boxen.

Das Auto als Notstromaggregat

Mit dieser Ladeeinheit kann das Fahrzeug in Japan dem Stromnetz nicht nur elektrische Energie für den Eigenbedarf entnehmen, sondern diesen Prozess auch umkehren. Zu Spitzenzeiten mit hoher Netzauslastung kann Energie ins Haus zurückgespeist werden, falls diese im Auto nicht zwingend benötigt wird. Auch lassen sich Betriebskosten für das Fahrzeug reduzieren, indem der Ladestrom für das Fahrzeug und die Speicherakkus im Haus tagsüber über Solarmodule erzeugt wird. Wichtig vor allem für Japan: Auch eine Notstromversorgung im Katastrophenfall ist durch das System sichergestellt.

Ein Rechenbeispiel zeigt dies exemplarisch: Eine 6-kWp-Photovoltaikanlage mit rund 50 Quadratmetern Solarfläche produziert an einem normalen Sommertag zwischen 25 und 35 kWh, während ein durchschnittlicher Haushalt nur rund 10 kWh in 24 Stunden verbraucht. So bietet sich der gespeicherte Solarstrom als kostenloser Kraftstoff für ein oder sogar mehrere Elektroautos an. Auch nachts lassen sich Kosten senken, indem Strom vom Fahrzeug ins Haus geliefert wird. Dazu kommt ein beträchtlicher Umweltschutzeffekt durch die Reduzierung des CO2-Ausstoßes.

 

Auch Friesland teilt dieses Ziel und versucht, CO2 zu verringern. Dazu ersetze er die großen Schlepper und Maschinen durch kleinere Einheiten und lässt jetzt teils Schafe das Gras zwischen den Bäumen und Sträuchern „mähen“. 2017 wurde sein Unternehmen als erster Getränkehersteller mit dem strengen „Bayerischen Gütesiegel“ ausgezeichnet, seit 2018 ist der Hof zudem als „Naturland“ zertifiziert. Timo Friesland hat viele Maßnahmen ergriffen, um auf seinen Flächen eine artenreiche Flora und Fauna zu etablieren. Auf künstliche Düngung und chemischen Pflanzenschutz verzichtet er. Vielmehr wurden viele Blühflächen angelegt, Bienen und Schafe ins Ökosystem integriert. Die Obstgärten finden Kohlenstoff in den Bäumen und im Boden, sie schützen zudem das Grundwasser und verhindern Erosion. So erhalten sie die Natur und wirken positiv auf das Klima ein. Außerdem kultiviert er alte Apfelsorten – sein ertrag ging allerdings um rund 30 Prozent zurück, da Obst und Säfte jetzt nach dem Motto „Qualität statt Quantität“ angebaut werden.

CO2-Reduktion und neue Lebensräume

Dabei ist ökologische Nachhaltigkeit für Friesland mehr, als ein neuer Denkansatz für die Landwirtschaft. Zu seinen Flächen gehören auch mehrere Hektar Wald, die er in Zusammenarbeit mit lokalen Unternehmen nutzt, um Emissionen für größere Projekte auszugleichen. Die Waldfläche wird hierfür allerdings nicht durch enge Bepflanzung auf CO2-Reduktion optimiert, sondern sich selbst überlassen: Ziel ist es, auch hier zusätzlichen Lebensraum zu schaffen, und der Natur den Platz zurückzugeben, der ihr woanders genommen wurde. Gleichzeitig hat Friesland das Ziel, eine auch wirtschaftliche tragfähige Landwirtschaft zu entwickeln, die neben den ökologischen Anforderungen auch die Wünsche der Kunden im Blick hat. Womit wir wieder zurück ins Mitsubishi-Autohaus wechseln.

Der Ansatz von Friesland und Mitsubishi: Anbieten statt belehren

Denn dort wird sich die individuelle Mobilität der Zukunft nicht allein auf Plug-in-Hybridfahrzeuge und deren (bidirektionale) Ladefähigkeit beschränken. Neben dem Eclipse Cross Plug-in Hybrid und dem Outlander Plug-in Hybrid könnten den Kunden beim Mitsubishi Partner künftig beispielsweise auch Scooter oder E-Bikes erwarten – ideale Begleiter für die letzten Kilometer. Ist das Auto geparkt, lässt sich beispielsweise der E-Scooter aus dem Kofferraum nehmen und so die Strecke vom Parkplatz zum Zielort bequem überwinden – bei Bedarf lässt er sich sogar einfach und schnell an der 230-V-Steckdose im Kofferraum unterwegs laden. Aber Mitsubishi investiert auch vor der eigenen Haustür: Neben der größten öffentliche Elektrotankstelle Hessens vor der deutschen Firmenzentrale in Friedberg fördert das Unternehmen den Umstieg seiner Mitarbeiter auf nachhaltige Mobilität. Die Arbeitnehmer profitieren bereits von attraktiven Angeboten für den Eclipse Cross Plug-in Hybrid und den Outlander Plug-in Hybrid. Eine Ausweitung auf weitere Verkehrsträger ist in Planung.

Anbieten statt belehren ist auch Frieslands Konzept: Auch er meint, dass wir dringend den CO2-Ausstoß reduzieren müssen. Doch mit Zwang oder dem Einreden eines schlechten Gewissens kann hier nicht viel erreicht werden. Er verfolgt vielmehr eine Art „Hybridkonzept“, das es den Menschen ermöglichen soll, im Sinne einer CO2-Reduktion vernünftig zu leben, ohne gleich in einen zu großen Verzicht zu gehen. Ähnlich wie Mitsubishi den Umstieg auf Elektromobilität mit Plug-in-Hybriden erleichtern will. Mitsubishi Motors in Deutschland wird deshalb den innovativen Ansatz von Timo Friesland zukünftig in einer Partnerschaft unterstützen: für das Jahr 2021 wurden eine Ausgleichsfläche ausgewiesen, mit der die ökologischen Fußabdrücke der Presseveranstaltungen des Unternehmens reduziert wird. Dabei werden die CO2- Emissionen bei der Anreise, aber während der Veranstaltungen und im Laufe der Organisation berücksichtigt. Das Projekt soll keine einmalige Kooperation bleiben: ab sofort wird Mitsubishi Motors in Deutschland bei allen Presseveranstaltungen eine möglichst CO2-arme Anreiseform anbieten, und die Emissionen durch die Ausweisung von Ausgleichsflächen im Projekt von Timo Friesland nachhaltig reduzieren. VISION Mobility-Redakteur Soller ging mit gutem Beispiel voran und radelte zum Veranstaltungsort.

Vernetzter Ansatz statt projektbezogenem Tunneldenken

Nachhaltigkeit kann für Timo Friesland nicht auf Projekte begrenzt gedacht werden: Es geht ihm um einen vernetzten Ansatz, der alle Aspekte einer naturnahen Landwirtschaft in Betracht zieht. Ein Beispiel für die durchdachte Vorgehensweise in der Arten- und Klimalandwirtschaft sind die „Coburger Füchse“, eine vom Aussterben bedrohte Schafrasse, die in den Wiesen zwischen Ammersee und Wörthsee den Boden kultiviert und die Wiese mäht. Und dies tun die Tiere besser und nachhaltiger als jede Maschine. Und was können die Schafe sonst? „Nichts“ gibt Friesland zu – Es denn die Coburger Füchse sind anspruchslos und widerstandsfähig und wurden einst gern in kargen Mittelgebirgslandschaften gehalten. Weder liefern sie viel Fleisch, Milch oder Wolle. Mittlerweile gibt es nur noch wenige tausend Tiere, 45 davon auf Frieslands Flächen. Mit dem Kauf von Schafpatenschaften kann man dieses Projekt unterstützen.

Kühe gegen Wühlmäuse und zur Düngung

Ein Experiment sind die Kühe, welche man zwischen den Apfelwiesen wandern sieht, sie sollen für eine sanfte Düngung sorgen und die Wühlmäuse zurückdrängen. Tragende Säule jedes Ökosystems sind aber Bienen. Mehr als 80 Prozent der einheimischen Blütenpflanzen sind auf ihre Bestäubung angewiesen. Ein Drittel der globalen Nahrungsmittelproduktion ist von Bienen und anderen Insekten abhängig. Sie sind die Lebensgrundlage jeder Landwirtschaft. Das Ergebnis dieser Art von Landwirtschaft kann sich sehen, aber vor allem schmecken lassen. Neben leckerem, gesundem Honig, produziert vom Partnerunternehmen, der Imkerei Regiohonig Fünf-Seen-Land, erntet Friesland neben Holunderblüten und - beeren sowie Johannisbeeren vor allem Äpfel. Timo Friesland setzt auf alte und heimische Sorten, auch um das kulturelle Erbe zu erhalten. So findet man auf den Flächen zum Beispiel Sorten wie Santana, Mars, Resi, Renora, Relinda, Sternette, Roter Weilheimer, Rambour oder Jaudene – und noch einige mehr. Der größte Teil der verkauften und verarbeiteten Äpfel stammt von den eigenen Feldern am Ammersee, wo 20 ha in Naturland-Qualität angebaut werden. Ernteschwankungen werden durch Lieferungen von Bioverbandsbauern aus der Region Rosenheim ausgeglichen. Auf ebenfalls 20 ha am Ostufer des Ammersees baut Friesland Schwarze Bio Johannisbeeren an. Auch der Holunder, der ebenfalls 20 ha einnimmt, stammt ausschließlich aus eigener Produktion und wird von den Mitarbeitern sorgfältig von Hand gelesen.

Auch bei den Säften mit exotischen Früchten zählt der CO2-Fußabdruck

Dass Timo Friesland seine Bio-Landwirtschaft breit aufstelle, beweist die Tatsache, dass man im Online-Shop auch pure oder gemischte Säfte mit Mango, Orangen oder Zitrone erwerben kann. Allerdings wird beim Kauf dieser Früchte darauf geachtet, dass der CO2-Fußabdruck zumindest so klein wie möglich bleibt. So stammen die Bio-Orangen aus Spanien und nicht aus Südamerika, die europäische Frucht ist zwar herber, benötigt aber immerhin deutlich weniger Kilometer, um zum Verbraucher zu kommen.

Was bedeutet das?

An- statt verbieten, auch wenn es Kraft und Energie kostet: das ist er Ansatz, mit dem Mitsubishi und Timo Friesland ihre alternativen Ansätze fördern und verbreiten wollen. Um so nachhaltiger und im Idealfall CO2-neutral agieren zu können. Dass dieser Ansatz nicht immer der einfachere ist und nur unter Betrachtung einer Gesamtkostenrechnung für die Umwelt günstiger wäre, steht leider (noch) auf einem anderen Blatt.

 

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