Mitsubishi Eclipse Cross: Mutige Mischung im Zentrum des Orkans

Mit dem Eclipse Cross steigt Mitsubishi ins extrem umkämpfte und stückzahlenstarke Segment der Midsize-SUV ein. Mit einer mutigen Mischung aus Coupé und Geländewagen.

Die auffällige Front schuf der neue Mitsubishi-Chefdesigner Tsunehiro Kunimoto. | Foto: G. Soller
Die auffällige Front schuf der neue Mitsubishi-Chefdesigner Tsunehiro Kunimoto. | Foto: G. Soller
Gregor Soller

Als Coupé-SUV bezeichnet Mitsubishi den Eclipse Cross. Tatsächlich war er Eclipse eines der letzten bekannteren und einigermaßen präsenten Mitsubishi-Coupés auf dem deutschen Markt, während der Zusatz „Cross“ klarmachen soll, in welchem Segment der neue Eclipse antritt: Nämlich im Boomsegment der Mittelklasse-Crossover-SUV, also genau da, wo eigentlich auch alle anderen sind. Dort steht eigentlich auch schon der ASX, der in der nächsten Generation aber etwas schrumpfen wird, damit der Abstand zum Eclipse Cross etwas wächst. Denn der neue steht auf der ASX-Outlander-Plattform und nutzt sogar den unveränderten Outlander-Radstand von üppigen 2,67 Meter, was auf vergleichsweise kompakten 4,4 Meter Außenlänge zu großzügigen Platzverhältnissen vorn und hinten führt – auch wenn vier 1,9 Meter-Hühnen hintereinander sitzen. Zumal sich die Rückbank um 20 Zentimeter nach vorn und hinten verschieben lässt und sich die Sitzlehnen im Fond in der Neigung verstellen lassen. Das Package stimmt also, was Mitsubishi mit einem vergleichsweise wilden Design kombiniert, das entfernt an den Pontiac Aztec erinnert und mit schrägen Heckscheibe etwas Laderaum kostet, der aber je nach Rückbankstellung 359 bis 485 Liter Laderaum bietet, die sich auf bis zu 1140 respektive 1159 Liter erweitern lassen.

Auch bei den Assistenzsystemen legte man nach und hob den Cross je nach Ausstattung jetzt auf ein aufmerksames bis sehr aufmerksames Level. Gegenüber dem Outlander blicken die Assistenten (im Idaelfall samt Radar) bis zu 250 statt nur 200 Meter nach vorn, außerdem wurde der „Blickwinkel“ auf rund 150 Grad erhöht, was zu smarteren Reaktionen des Spurhalteassistenten führt. Beim Einparken ist das 360 Grad-Kamerasystem nützlich, da der Eclipse Cross nicht gerade zu den Übersichtskönigen zählt und die zweigeteilte Heckscheibe hier echt Sinn macht. Weniger modern sind die Infotainmentsysteme, die teils immer noch den seit Jahren verbauten Grundklotz des Mitsubishi Multi Communication Systems samt hinter dem Screen liegenden Schächten und der leiernden Navistimme verwenden.  Und sich bei der Android- respektive im worst case Microsoft-Smartphone-Koppelung deutlich schwerer tun als mit Apple-Geräten. Viel moderner wirkt da das neue Smartphone-Link-Display mit 7-Zoll-Screen, die etwas an BMW erinnert samt Touchpad-Steuerung.  

Schade auch, dass Mitsubishi auch nach wie vor zig simple Taster verbaut, die wirken, als hätte von zwanzig Jahren einmal einen Vetrag über den Kauf von zig Millionen optisch „neutralen“ Schaltern abgeschlossen, die jetzt über Jahrzehnte in den Autos verbaut werden müssen. Immerhin erleichtern sie die Bedienung, aber echt modern wäre anders. Das gilt auch für das schon in Stufe eins laute Gebläse und die Interieurgestaltung, die dafür keine Rätsel aufgibt.

Das gilt auch für den Antrieb, wo man einst (nur) per Plug-In-Hybrid, also elektrifiziert starten wollte. Dann aber Angst vor der eigenen Courage bekam und lieber einen neuen 1,5-Liter Turbodirekteinspritzbenziner entwickelte, der 120 kW und 250 Nm lockermacht. Und mit der Handschaltung stramm anreißt, während er mit der CVT-Automatik doch etwas Temperament liegen lässt. Immerhin wurde die jetzt zu einer „virtuellen Achtstufenautomatik“ umprogrammiert, was den typischen „CVT-Gummibandeffekt“ deutlich mindert, wenngleich der vor allem auf langen oder spontanen Beschleunigungsstücken immer noch präsent ist. Verbrauchsseitig gehört der natürlich nicht zu den Kostverächtern, was schon das Datenblatt vermuten lässt: Es nennt zwischen 6,6 und 7,0 Liter Verbrauch, was 151 bis 159 Gramm CO2 entspricht. In der Realität muss man sich für Verbräuche unter acht Litern etwas dezent fahren und durchbricht im harten Stopp-and Go oder auf schnellen Autobahnpassagen schon mal die Zehn-Liter-Marke. Im Alltag wird meistens eine Acht vor dem Komma stehen. Der Allrad kostet überraschend wenig extra Gewicht und Sprit, ist aber immer ans CVT gekoppelt. Zur Jahresmitte wird die bekannte, 110 kW leistende 2,2-Liter D-ID-Dieselversion nachgereicht, voraussichtlich nur als CVT-Allrad. Elektrifiziert wird später auch noch – doch ob man sich auch hier beim Outlander PHEV bedient oder stattdessen Batterietechnik der neuen Mutter Renault-Nissan nutzt, wollte oder konnte Mitsubishi-Deutschland-Geschäftsführer Dr. Kolja Rebstock noch nicht sagen.

Keine Kompromisse geht Mitsubishi beim Allrad ein: Da übernahm man gleich mal den „Super all wheel control“ (SAWC) vom Lancer Evo, der die eingehende Kraft nicht variabel an Vorder- und Hinterachse, sondern auch an die rechte und linke Seite verteilt und notfalls auch mit gezielten Bremseingriffen für eine Erhöhung der Dynamik sorgt. Auch für diese Fahrdynamikregulierung gibt es bei Mitsu einen Namen, nämlich „Active Yaw Control“. Und natürlich sind bei diesem permanenten Flexibelallrad auch noch drei Fahrprogramme hinterlegt, die auf die Namen „Auto“, „Snow“ und „Gravel“ hören. Immerhin 1,6 Tonnen Anhängelast darf der Eclipse Cross ziehen.

Die Preise beginnen bei der gar nicht so nackten Basis, die nur als handgeschalteter Benziner zu bekommen ist und knapp 18.500 Euro netto kostet. Am interessantesten ist die Intro-Edition, die zwischen Plus und Top steht und für den frontgetriebenen Handschalter bei knapp 24.400 Euro startet. Die goldene traktionsstrake Mitte wäre der Allrad mit CVT in „Plus“-Ausstattung, der samt Metalliclack auf gut 25.025 Euro käme. Leider aktuell alle als Benziner. Dafür erhält man ein klug gepacktes, auffälliges und grundsolides echtes Allrad-SUV. Das wie bei der Form mutig gemischt wurde und teils stockkonservative Schalter mit modernen Ideen mischt – und das aktuelle und etwas ausgedünnte Mitsubishi-Programm aber an entscheidender Stelle perfekt ergänzt. 

Was bedeutet das?

Mitsubishi kehrt langsam wieder zurück und dürfte innerhalb des Renault-Nissan-Programmes für die Themen Allrad und Plug-in-Hybrid zuständig sein. Dabei helfen wird das Händlernetz, das die Verkäufe in den letzten vier Jahren trotz eher mauem Modellprogramm verdoppelte und zu den größten Pfunden zählt, mit denen die Japaner wuchern können. Was bei der J.D.-Power-Umfrage zur Kundenzufriedenheit im Bereich Service mit Platz eins in Deutschland belohnt wurde. Für ein weiteres Durchstarten ist der Eclipse Cross genau das richtige Auto, der – für einen Mitsu zuletzt eher ungewöhnlich – nicht nur brav funktionieren, sondern auch auffallen wird.  

 

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