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Mineralölsteuer erhöhen: PIK empfiehlt aktive Mobilität zur Gesundheitsförderung

Kriterien für Verkehrsplanung neu bewerten, Gesundheitskosten motorisierten Verkehrs einbeziehen: Das PIK verweist auf die Vorteile aktiver Mobilität und sieht die Anhebung der Mineralölsteuer als Hebel.

Verkehrplanung auch unter gesundheitlichen Aspekten zu machen, dafür plädiert das PIK in einer Studie, die die Anhebung der Mineralölsteuer gemäß der Kosten des motorisierten Verkehrs empfiehlt. | Foto: ADFC
Verkehrplanung auch unter gesundheitlichen Aspekten zu machen, dafür plädiert das PIK in einer Studie, die die Anhebung der Mineralölsteuer gemäß der Kosten des motorisierten Verkehrs empfiehlt. | Foto: ADFC
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Johannes Reichel

Das Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK) hat eine Studie veröffentlicht, die die Vorteile aktiver Mobilität für das Gesundheitssystem hervorhebt und eine entsprechende Neuregelung der Mineralölsteuer vorschlägt. Zu Fuß gehen und Radfahren habe viele gesundheitliche Vorteile – und sollte deshalb bei der Ausgestaltung der Mineralölsteuer berücksichtigt werden, so die PIK-Wissenschaftler. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Economica veröffentlicht.

Die optimalen Mineralölsteuersätze würden in den USA um 44 Prozent und im Vereinigten Königreich um 38 Prozent steigen, wenn die Kosten für das Gesundheitssystem berücksichtigt werden, die durch zu wenig Bewegung entstehen. Die Einnahmen könnten zu Förderung klimafreundlicher Verkehrsmittel oder zur Entlastung betroffener Haushalte verwendet werden, um den Verkehrssektor nachhaltiger zu gestalten.

"Die erheblichen gesundheitlichen Vorteile davon, zu Fuß zu gehen und Rad zu fahren legen nahe, dass die Wirtschaftlichkeit von Verkehrspolitik neu bewertet werden muss", erklärt Linus Mattauch vom PIK und Mitautor der Studie.

Man liefere damit ein neuartiges Argument für die Abwägung zwischen den Vorteilen der Autonutzung und ihren Kosten für die Gesellschaft. Mit dem ökonomischen Modell könne man speziell die Kraftstoffpreise quantifizieren. Der Ansatz gelte aber auch für andere Politikmaßnahmen für nachhaltigen Verkehr, wie etwa den Umbau von Städten.

"Zum ersten Mal sind die Forschenden in der Lage, die Kosten für die öffentliche Gesundheit in die wirtschaftliche Bewertung von Verkehrspolitik einzubeziehen", wirbt Mattauch.

Während es für viele offensichtlich ist, dass Radfahren und zu Fuß gehen gut für die Gesundheit ist, sei man überrascht gewesen, dass diese Verbindung in der Verkehrsökonomik bisher nicht hergestellt wurde.

"Die Wechselwirkungen zwischen Gesundheits- und Verkehrspolitik sind größer, als wir erwartet haben", erklärt Inge van den Bijgaart von der Universität Utrecht, ebenfalls Autorin der Studie.

Mineralölsteuern sind demnach für die individuelle Entscheidung, zu Fuß zu gehen oder mit dem Fahrrad zu fahren, nur von geringer Bedeutung. Die Vorteile angepasster Mineralölsteuern könnten jedoch alle gesellschaftlichen Kosten der Autonutzung, einschließlich Umweltverschmutzung und Verkehrsstaus, berücksichtigen. Die Einnahmen könnten dann entweder für klimafreundliche Verkehrsinfrastruktur oder zur Entlastung von Haushalten verwendet werden, die von der Steuer besonders betroffen sind.

 

Hoher Risikofaktor inaktiver Mobilität

Sowohl in Deutschland als auch in Großbritannien und in den USA ist körperliche Inaktivität ein wesentlicher Risikofaktor für 6 der 10 häufigsten Todesursachen weltweit, da eine sitzende Lebensweise weit verbreitet ist. Dabei können schon 2,5 Stunden Gehen pro Woche das Risiko von Diabetes, Herzkrankheiten, Demenz und Depressionen erheblich verringern. Gute Fußwege, Radwegenetze oder sogar autofreie Stadtzentren sowie Verbesserungen im öffentlichen Nahverkehr könnten dazu beitragen, aktive Mobilität zu fördern und die tägliche Bewegung zu erhöhen.

"Manche Menschen würden das Argument, dass die Verkehrspolitik sie fitter machen soll, als Eingriff in ihre ganz persönlichen Entscheidungsfreiheit ansehen", meint Inge van den Bijgaart.

Vor allem in städtischen Gebieten bietet der tägliche Arbeitsweg jedoch eine einzigartige und kostengünstige Möglichkeit, Anreize für mehr regelmäßige Bewegung zu schaffen, weil viele Menschen ohnehin pendeln müssen.

"Das Gesundheitssystem leidet unter den hohen Kosten der Krankheiten, die durch zu Fuß gehen und Radfahren verringert werden können. Wenn nichts unternommen wird, um die Fitness der Bevölkerung zu verbessern, müssen die Gesellschaften die Kosten, die durch Bewegungsmangel entstehen, durch höhere Krankenversicherungsprämien oder höhere Steuern zur Finanzierung des Gesundheitssystems tragen", erklärt van den Bijgaart.

Sie hält es für eine "kostspielige gesellschaftliche Entscheidung, die gesundheitlichen Vorteile von Verkehrsmitteln, die zu mehr körperlicher Aktivität führen, nicht zu nutzen". Die Studie unterstreiche das große Potenzial angepasster Mineralölsteuern.

"In Kombination mit anderen Maßnahmen zur Förderung des nicht-motorisierten Verkehrs könnte dies der Gesundheit der Menschen sehr zugute kommen", so Mattauch abschließend.

Der Branchenverband Zukunft Fahrrad begrüßte die Studie und kommentierte die Ergebnisse als Signal an die Politik. Investitionen in gute Fahrradinfrastruktur und die Förderung des Radverkehrs etwa durch steuerliche Anreize seien kluge wirtschaftliche Entscheidungen, weil sie gleichzeitig Investitionen in die Gesundheit sind.

"Eine großartige Nachricht für die Politik: Durch Bewegungsmangel verursachte Volkskrankheiten lassen sich mit denselben Mitteln kurieren wie verstopfte Innenstädte, Lärm- und Feinstaubbelastung. Gute Rahmenbedingungen zu schaffen, um mehr Menschen die Freude an der Bewegung im Alltag zu ermöglichen, ist somit eine win-win Lösung für unsere Gesundheit und für eine moderne Verkehrspolitik", meinte Wasilis von Rauch, Geschäftsführer von Zukunft Fahrrad.

 

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