Microlino und Artega: Getrennte Wege mit zwei Knutschkugeln

Die Hersteller einigten sich außergerichtlich und wollen jetzt mit völlig eigenständig weiterentwickelten und getrennt hergestellten Modellen des dreirädrigen E-Kabinenrollers auf den Markt kommen - Artega mit dem Karo noch in diesem Jahr, der Microlino dann ab 2021.

Reset-Taste gedrückt: Microlino (im Bild) und Artega entwickeln und bauen jetzt unabhängig voneinander einen eigenen Kabinenroller. | Foto: Microlino
Reset-Taste gedrückt: Microlino (im Bild) und Artega entwickeln und bauen jetzt unabhängig voneinander einen eigenen Kabinenroller. | Foto: Microlino
Johannes Reichel

Nach einer außergerichtlichen Einigung haben die am Microlino-Projekt beteiligten Firmen Micro Mobility Systems aus der Schweiz sowie Artega aus Delbrück den weiteren Zeitplan für ihre nunmehr getrennt weiterentwickelten und vertriebenen Leichtelektrofahrzeuge bekanntgegeben. Die Schweizer würden Artega nun nach eigener Lesart "erlauben", einen Kabinenroller basierend auf dem Microlino mit dem Namen "Karo" auf den Markt zu bringen und Micro selbst "darf" demnach ihren Microlino in Serie bringen. Die Schweizer zeigten sich "sehr zufrieden mit der Einigung" und wollen jetzt mit einem neuen Herstellungspartner CECOMP aus Italien 2021 mit den ersten Exemplaren des an die BMW Isetta angelehnten City-Elektrofahrzeugs in die Produktion starten. Man sei nach der Begutachtung der 22 Vorserienfahrzeuge noch nicht zufrieden hinsichtlich Fahrverhalten, Sicherheit und Qualität, heißt es von Seiten Microlino. Bei der Finalisierung will man auch dank der Verpflichtung eines neuen CTO in Gestalt des früheren Porsche-, BMW- und auch Artega-Managers Peter Müller schneller vorankommen.

Die Firma CECOMP wurde 1978 von Giovanni Forneris gegründet und war als Modell- und Prototypenbauer in vielen ikonischen Fahrzeugprojekten involviert, darunter beim Lancia Delta Integrale und beim Golf 1, wie der Anbieter skizziert. Erfahrungen im E-Mobilitätsbereich habe man auch dank des 2011 im Auftrag entwickelten und produzierte Elektrofahrzeugs "Bluecar", das unter anderem in Paris für das von Bolloré betriebene Sharing "Autolib" eingesetzt wird. Die Firma verfügt über fünf eigene Produktionsstätten in Europa für Prototypenbau, Produktion von Klein- und Mittelserienfahrzeugen, sowie Aluminium Karosserieteilen. Zudem ist das Unternehmen beteiligt an Icona, dem weltweit grössten Designunternehmen im Automobilbereich mit Büros in Turin, Los Angeles und Shanghai, führt Micro weiter aus. Aktuell liegen über 16.000 Reservierungen für den Microlino vor. Man sei trotz der Verspätung und der Wartezeiten zuversichtlich, dass die Kunden Verständnis hätten.

"Wir sind ein Schweizer Familienunternehmen mit 20 Jahren Tradition in der urbanen Mobilität, das weltweit bekannt für innovative Produkte und hohe Qualität ist. Diesem Ruf wollen wir auch beim Microlino gerecht werden", erklärt Oliver Ouboter.

Sein Bruder Merlin verspricht, der Microlino 2.0, wie das Fahrzeug intern genannt wird, werde "um ein Vielfaches besser sein als die aktuelle Version". Das betreffe das Fahrverhalten, Ergonomie, Reparierbarkeit und Skalierbarkeit.
 

 

Artega hat es eilig mit dem Karo: Auslieferung schon ab April 2020

Deutlich eiliger hat es der neue Konkurrent Artega, der mit seinem Isetta-Remake Karo bereits ab April 2020 in erste Auslieferung gehen will. Als Partner fungieren die Autozulieferer paragon und dessen Batterietochter Voltabox. Der Zulieferre sei mit seinen Produkten Welt- bzw. EU-Marktführer und liefert neben der Fahrzeugelektronik und Antriebstechnik auch die Infotainment- und digitalen Assistenzsysteme für die KARO-Isetta. Voltabox wiederum ist auf die Herstellung hocheffizienter Lithium-Ionen-Batterien und deren Softwaremanagement spezialisiert. Die bis zu 90 km/h schnelle und mit über 200 Kilometer reichweitenstarke KARO-Isetta sei auch offiziell gegenüber den Erben des Isetta-Vaters Ermenegildo Preti als Nachfolger der 50er Jahre ISO Isetta anerkannt worden, wirbt der Hersteller.

Überraschend erstmals präsentiert worden war die Karo-Isetta im Rahmen der New Mobility World auf der IAA 2019 in Frankfurt. Seither habe das zehnköpfige Designteam unter der Leitung von Achim Reitze letzten Feinschliff vorgenommen. Das Fahrzeug verfüge nun über karosserieintegrierte LED-Scheinwerfer, kombinierte LED-Blinker und Tagfahrlichter im Frontbereich sowie LED-Rückleuchten. Die Typ 2-Ladestecker im Stil des Isetta-Tankdeckels befindet sich vorbildgerecht im Heck. Dort sorgt eine breite, klare Heckscheibe für guten Durchblick.

Zur Markteinführung bringt der Hersteller zwei Ausstattungslinien, die „Intro“-Serie als limitierte Auflage sowie die flankierende „Edition“-Ausführung, beide in mehreren Lackierungen und einer exklusiven Velours-/Leder-Ausstattung erhältlich. Die limitierte „Intro“ kostet 18.500 Euro zzgl. MwSt. (21.995 Euro brutto in Deutschland), die „Edition“ wird ab 15.122 Euro zzgl. MwSt. (17.995 Euro brutto in Deutschland) erhältlich sein.

„Unser Autochen Karo-Isetta ist eine echte Alternative für junge und junggebliebene Stadtmenschen, die keine Lust auf schlechtes Ökogewissen und ewige Parkplatzsuche haben, gleichzeitig aber keine Abstriche bei Sicherheit und Komfort machen wollen“, erklärt Artega-Geschäftsführer Klaus Dieter Frers.
 

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