Michelin: Reifen fahren länger mit 3D-Druck-Profil

Für längere Laufleistung soll ein sich selbst erneuerndes Profil sorgen, das der Reifenhersteller durch ein spezielles 3D-Druckverfahren produziert. Die Auswirkungen auf die Gesamtumweltbilanz sind gravierend.

Mehr als schwarz und rund: An Produktion, Lebenszyklus und Recycling entscheidet sich die Umweltbilanz eines Pneus. | Grafik: Michelin
Mehr als schwarz und rund: An Produktion, Lebenszyklus und Recycling entscheidet sich die Umweltbilanz eines Pneus. | Grafik: Michelin
Johannes Reichel
von Christine Harttmann

Eine neuartige 3D-Drucktechnik soll Michelin-Reifen ein längeres Leben bescheren. Bis zur gesetzlichen Mindestprofiltiefe von 1,6 Millimetern können die Pneus laut dem Hersteller heruntergefahren werden, ohne dabei an Bremsleistung zu verlieren. Gegenüber Reifen minderer Qualität soll das der entscheidende Vorteil sein, da diese laut Michelin schon vor Erreichen der Mindestprofiltiefe Bremswirkung verlieren. Viele Autofahrer würden ihre Reifen daher früher wechseln.

Das hat Auswirkungen auf den Geldbeutel. Insgesamt 6,9 Milliarden Euro, so rechnet es der Reifenhersteller vor, könnten europäische Verbraucher pro Jahr in Summe sparen, würden sie die Reifen bis zur gesetzlichen Mindestprofiltiefe fahren.

„Performance ist keine Frage der Profiltiefe“, sagt Theres Gosztonyi, Chefin der Pkw-Reifensparte bei Michelin Europe North.

„Premiumreifen von Michelin bremsen auch bei 1,6 Millimetern Profiltiefe noch zuverlässig.“

Möglich macht es eine spezielle Drucktechnik von Michelin, die besonders filigrane Strukturen im Reifenprofil ermöglicht und den Reifen damit langlebiger macht. Würden alle Autofahrer auf solche Reifen umsteigen, hätte das einen großen Effekt: Michelin hat errechnet, dass 6,6 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart werden könnten, wenn alle Autos in Europa mit den Michelin Pneus unterwegs wären. Weil die Verbraucher aber oft auf minderwertige Reifen zurückgreifen würden, müssten jährlich bis zu eine Millionen Tonnen Rohstoffe mehr gefördert und verarbeitet werden – allein bezogen auf Europa.

Hinzu kommt, dass die Reifen nicht nur hergestellt, sondern später auch wieder entsorgt werden müssen. Zudem würden rund 5.700 Hektar Wald zusätzlich gerodet, also etwa 5.800 Fußballfelder, um den Bedarf an zusätzlichen Rohstoffen und Energie zu decken, wenn alle Autofahrer in Europa ihre Sommerreifen schon bei drei Millimetern Restprofil wechseln.

Die Förderung dieser Rohstoffe, die Produktion der zusätzlichen Reifen und der höhere Rollwiderstand neuer Reifen – im Vergleich zu gefahrenen – würde schließlich zu weiteren Emissionen von bis zu 6,6 Millionen Tonnen CO2 führen.

„Bis 2050 ist es unser Ziel, die Produktion des Reifens in einer geschlossenen Kreislaufwirtschaft zu halten. Das unterstreichen wir heute schon durch den nachhaltigen Anbau von Naturkautschuk oder unsere Partnerschaft mit Enviro zum Verwerten von Altreifen in wiederverwendbare Rohstoffe für die Herstellung von Neureifen“, berichtet Theres Gosztonyi.

Zu den Mehrkosten für häufigere Reifenkäufe addieren sich jährlich bis zu 800 Millionen Euro durch den höheren Kraftstoffverbrauch infolge eines höheren Rollwiderstandes der Neureifen im Vergleich zum gleichen Reifen mit weniger Restprofil. Gosztonyi:

„Wer am Reifen spart, zahlt unter dem Strich drauf. Anschaffungspreise und höherer Kraftstoffverbrauch der Neureifen können versteckte Kosten von bis zu 40 Prozent pro Jahr nach sich ziehen.“

Bei der 3D-Druck-Technik werden mittels des Laserschichtverfahrens die komplizierten Formen für Profile hergestellt, die die hohe Leistungen der Michelin Reifen ermöglichen. Diese „gedruckten“ Formen erlauben wesentlich filigranere Profilstrukturen als beispielsweise gefräste oder gegossene Formen. Das ermöglicht das sich selbst erneuernde Profil der Michelin-Reifen.

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