MHC Mobility: Mobilität ist mehr als nur Fahrzeuge!

Im Interview blickt MHC-Mobility-Chef Deutschland, Ryjan Rutgers, nach vorn und erläutert, welche Angebote MHC Mobility den Firmenkunden bei den Themen Elektromobilität und CO2-Reduktion macht. Und hält dabei nicht mit seiner Meinung hinterm Berg, dass man grundsätzlich mehr (und zügiger) machen als reden sollte.

Machte klare Ansagen: MHC-Mobility-Chef Deutschland, Ryjan Rutgers. | Foto: MHC Mobility
Machte klare Ansagen: MHC-Mobility-Chef Deutschland, Ryjan Rutgers. | Foto: MHC Mobility
Gregor Soller

Aus Maske Fleet wurde MHC Mobility – dahinter steht der Konzern Mitsubishi-HC-Capital, das aus der Fusion von Mitsubishi und Hitachi Capital hervorging. Eine Tochter der Gesellschaft ist die MHC Mobility, welche in Deutschland das Geschäft von Maske Fleet übernahm. Schwerpunkt ist die Full-Service-Miete, die von einem bis über 60 Monate reichen kann. MHC Mobility selbst sieht sich als Servicepartner in Sachen Mobilitätslösungen samt Rundum-Sorglos-Paket. Ein Angebot, das derzeit viele Mobilitätsanbieter machen.

Wir wollten wissen, wie sich MHC Mobility hier absetzen möchte und wo die Unique Selling Points liegen. Dazu sprachen wir mit dem MHC-Mobility-Deutschland-Chef Ryjan Rutgers, der vor allem auf die Praxis und das Machen setzt. Und flexible Angebote für die Kunden, sowohl was die Laufzeiten als auch was die Fahrzeugauswahl angeht. Denn für den gebürtigen Niederländer ist Flexibilität der Schlüssel zum Erfolg – für seine Kunden, aber auch für MHC Mobility.

Aus Maske Fleet wurde MHC Mobility – seit 1.7.2021 auch ganz offiziell: Wie hat sich das Geschäft von MHC Mobility in den vergangenen Jahren entwickelt?

Rutgers: Die letzten zwei, drei Jahre auf jeden Fall nicht normal – zu Beginn der Covid-Pandemie waren viele Kunden extrem unsicher und wir hatten plötzlich den Hof voller Fahrzeuge. Doch schon nach einem halben Jahr war klar, dass unser Angebot, Fahrzeuge flexibel händeln zu können, genau das Richtige war. Zumal viele Kunden jetzt erst Recht individuell mobil bleiben wollten oder mussten. Und dafür hatten wir mit unserem Flexi-Paket mit Laufzeiten von einem bis 60 Monaten genau das richtige Produkt.

Wie kann man diese Spanne abdecken? Kriegt man da keine Probleme mit buy-backs?

Die haben wir nicht! Wir können selbst über unsere Flotte entscheiden – da hilft uns MHC Mobility als starker Partner im Rücken: Mitsubishi HC Capital ist die zweitgrößte Leasinggesellschaft weltweit. Und so konnten wir 2021 und 2022 um je über 20 Prozent wachsen in einem Markt, der um zehn Prozent rückläufig ist. In der EU verwalten wir aktuell rund 200.000 Fahrzeuge, global rund 580.000, womit wir weltweit laut der Plattform globalfleet.com Nummer sieben sind. 

Welche strategische Marschrichtung haben Sie für MHC Mobility Deutschland in den kommenden Jahren ausgegeben? Gibt es hier innerhalb der EU Unterschiede?

Wir wollen unser Geschäft in der EU weiter ausbauen. Aktuell fokussieren wir uns auf Südeuropa und die Nordics. Die Integration von Maske Fleet in MHC Mobility brachte das ganze Geschäft auf eine höhere Ebene. Es konnten neue Projektteams gegründet werden und wir können viel mehr „Best-Practice-Modelle“ mit anderen Ländern austauschen. Trotzdem agieren wir lokal marktspezifisch.

Was bedeutet das genau?

Maske Fleet wurde 1959 gegründet. In Deutschland haben wir also 63 Jahre Erfahrung in der Langzeitmiete. Unsere größte Stärke ist dabei die Flexibilität und die Kundenbindung: Rund 90 Prozent unserer Bestandskunden sind seit 20 oder gar 30 Jahren an Bord. Ich habe sogar einen Kollegen, der seit 40 Jahren den selben Kunden betreut! Dafür haben wir eine eigene Logistik und acht Kundencenter vor Ort. Bei Bedarf erklären wir jedem individuell, was er wissen möchte. Das ist vor allem bei Flotten mit Nutzfahrzeugen und im Bereich Elektrifizierung des Fuhrparks wichtig.

Widerspricht das nicht der Digitalisierung, mit der ja viele Angebote komplett online abgewickelt werden können?

Bei uns arbeiten Menschen und ich habe ein super Team! Wenn Sie bei uns anrufen, müssen Sie nicht erst in der Warteschleife hängen, um dann die eins, zwei oder drei zu drücken, sondern werden von echten Menschen kompetent beraten. Das macht einen riesigen Unterschied. Trotzdem digitalisieren wir natürlich auch – zum Beispiel die Unterschrift unter einem Vertrag oder verwaltende Abläufe. Doch die Zeit, die wir hier gewinnen, können wir wieder in persönliche Beratung und Kontakte investieren.

Die Mobilität wandelt sich gerade massiv: Gerade das Thema E-Mobilität ist doch auch sehr beratungsintensiv?

Korrekt. Auch hier gehören wir zu den Pionieren. Wir haben schon vor Jahren hunderte von Elektrotransportern eingeflottet und konnten damit viele wertvolle Erfahrungen sammeln.  Und für die Ladelösungen arbeiten wir auch mit Partnern wie Eneco eMobility zusammen, dass man dann auch Office- oder Home-Lösungen darstellen kann.

Wird die Beratung da nicht sogar wichtiger als das Produkt selbst?

Ich sage immer: „Walk your talk“ – lebe das, was du sagst. Und das kann man nur, wenn man selbst Erfahrungen gesammelt hat. Deshalb fahren viele Führungskräfte bei uns schon seit Jahren rein elektrisch. Auch deshalb kann man an unseren Standorten für eine Zeitspanne umsonst laden. Um eben eigene Erfahrungen sammeln zu können. Denn tatsächlich kommt die Elektromobilität jetzt zügig auf uns zu – und ja, die Welt ändert sich wirklich! Da wir diesen Wandel selbst mitgehen, sinkt die Hemmschwelle in der Beratung, auch mit den Kunden Neues auszuprobieren.

Und welche Erfahrungen hat MHC Mobility mit der Elektromobilität gemacht?

Jeder, der einmal elektrisch gefahren ist, will nicht mehr zurück.

Aber die Anforderungen der Kunden sind doch sehr verschieden? Klappt das immer?

Es kommt natürlich sehr aufs Fahrprofil an: Wenn ich viel Langstrecke fahre, braucht es natürlich sofort eine Charging-Card oder -App. Wenn ich nur Kurzstrecke fahre, muss man über Wallboxen oder Ladepunkte zu Hause und/oder in der Arbeit nachdenken, sofern das Auto nicht nur einige Wochen beim Kunden verbleibt. Ich selber fahre viel Langstrecke und muss feststellen: An jeder zweiten Raststätte gibt es bereits Schnelllader – vieles, was man für Elektromobilität braucht, ist ja schon da! Klar muss man das Ladenetz noch weiter ausbauen, aber man muss einfach mal anfangen und machen!

Das ist in der aktuellen Situation aber leichter gesagt als getan – es sind ja weder Autos noch Ladetechnik schnell genug lieferbar?

Das stimmt, hier hilft uns aber unsere Flexibilität enorm. Entsprechend können wir Laufzeiten verlängern oder verkürzen: Wenn wir sehen, dass für Kunden ein Elektromodell mit mehr Reichweite oder schnellerer Ladezeit lieferbar ist und ein Wechsel Sinn machen würde, raten wir zum Tausch. Und nehmen den aktuellen Stromer lieber jetzt zurück und verkaufen ihn. Die Entwicklung verlief hier gerade in den ersten Jahren der Elektromobilität sehr schnell und hat sich jetzt etwas verlangsamt.

 

Welche Rolle spielt das Thema CO2-Reduktion bei den Kunden? Durch die aktuellen Entwicklungen haben die Themen Nachhaltigkeit und Energieautarkie ja nochmal an Fahrt aufgenommen?

Ich sehe hier sehr wohl eine Veränderung, aber um ehrlich zu sein - in Deutschland zu wenig. Das CO2-Reporting, das wir auch anbieten, wird hier auch wichtiger, aber in Deutschland fragt danach nur ein kleiner Teil der Kundschaft. Das Thema Dekarbonisierung hat in anderen Staaten wie UK oder den Niederlanden eine viel höhere Priorität, hier müssen wir auch in Deutschland viel mehr pushen!

Wozu es auch die Autos bräuchte – welchen Anteil haben die gerissenen Lieferketten an der zu langsamen Umstellung?

Die fehlende Dynamik hängt teils auch an den Auslieferungen: Aktuell freut sich jeder unserer Kunden, wenn er sein Auto überhaupt einigermaßen im erwarteten Zeitfenster erhält, was eben nicht mehr selbstverständlich ist. Wenn ich jetzt in den September 2022 blicke, wo wir 980 neue Fahrzeuge geplant hatten, von denen voraussichtlich nur 870 geliefert werden…da verschiebt sich gerade viel. Was wir unseren Kunden dann auch ehrlich sagen oder wo wir versuchen, mit anderen Fahrzeugen zu überbrücken.

Ändert sich dann nicht auch die Finanzierung?

Da freue ich mich wirklich, weil wir da super aufgestellt sind. Da wir eine weltweit agierende große Gesellschaft im Rücken haben, können wir Finanzierungen problemlos ändern und genießen hier lokal sehr große Freiräume. Deshalb erhalten wir auch die benötigen Mittel, wenn es uns beim Erreichen unserer Zahlen hilft.

Steigen Kunden auch um auf andere Verkehrsmittel?

Ja. Hier nutzen wir auch unsere Erfahrungen der Kollegen aus den Nachbarländern. Hier sind beispielsweise die Niederlande schon viel weiter: Dort bieten wir den Kunden einen „Mobility Mix“ an. Heißt, er kann sich ein Auto nehmen, aber auch Bus oder Bahn fahren, Uber oder ein Fahrrad nutzen – das alles all-in in einem einzigen Mobilitätsbudget. Denn Mobilität wird künftig mehr beinhalten als nur Fahrzeuge.

Das Interview führte Gregor Soller.

Vita Ryjan Rutgers:

Rutgers ist technikbegeistert und verfolgt auch privat mit großem Interesse die Entwicklung der Fahrzeugindustrie – und der Formel 1.  Aber er ist auch Natur- und Tierfreund und besitzt mehrere Pferde und Hunde. Entsprechend engagiert er sich auch im Hundetraining und der Ausbildung der Vierbeiner. Er genießt darüber hinaus Reisen und Spaziergänge mit seiner Frau – tägliche Bewegung ist ihm ganz wichtig.

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