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MG wächst in Deutschland: Durchbruch zum 100. Firmengeburtstag?

Im ersten Quartal 2023 waren bereits 28 Prozent der importierten Elektrofahrzeuge  "Made in China". Stark getrieben von MG Motor. 

Der MG4 etabliert sich mehr und mehr im deutschen Straßenbild. | Foto: MG Motor
Der MG4 etabliert sich mehr und mehr im deutschen Straßenbild. | Foto: MG Motor
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Gregor Soller

Chinesische Elektroautos rollen unaufhaltsam in immer größerer Anzahl heran. Bereits im ersten Quartal waren beeindruckende 28 Prozent der importierten Elektrofahrzeuge mit dem Etikett "Made in China" versehen - dreimal so viele wie im Jahr zuvor. Doch der wahre Triumphzug begann erst im Mai, als die chinesischen Marken mit dreistelligen Wachstumsraten ihren Absatz in die Höhe schnellen ließen. Ein Name ragt dabei besonders heraus: MG Motor, das nach 2005 aus den Trümmern der britischen MG Rover Group von SAIC gekauft wurde. Lange war man sehr dezent nur in UK unterwegs, doch mittlerweile hat MG viele Marken europaweit überholt. Im Mai 2023 wurden in Deutschland 1.780 brandneue MG-Autos zugelassen, was einem Anstieg von 118 Prozent entspricht. Damit beschleunigt sich das Wachstum des chinesischen Herstellers SAIC, dem MG Motor gehört, noch weiter: In den ersten fünf Monaten des Jahres trugen bereits 6.766 Neuwagen das charakteristische Achteck auf der Haube, ein Anstieg von 108 Prozent im Vergleich zu 2022. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte:

„Im Jahr 2022 wurden etwa 15.000 Neufahrzeuge von MG Motor zugelassen. Wir streben weiterhin ein moderates Wachstum in einem wettbewerbsintensiven Marktumfeld an und haben uns das Ziel gesetzt, im Jahr 2023 rund 20.000 Neuzulassungen zu erreichen.“

MG sticht damit deutlich aus der Gruppe der chinesischen Marken hervor, die nicht alle in gleicher Weise wachsen konnten: Nio, teils bereits als Premium-Konkurrent von Mercedes und BMW gefeiert, konnte bis Mai 2023 gerade einmal 205 Fahrzeuge verkaufen. Bei BYD sieht es mit lediglich 165 Fahrzeugen noch düsterer aus. Immerhin konnte Link & Co., bereits seit zweieinhalb Jahren in Deutschland aktiv und wie Volvo zu Geely gehörend, 1.546 Autos auf die Straße bringen.

Das Händlernetz macht nach wie vor den Unterschied

Der Erfolg von MG beruht nicht nur auf der kostengünstigen Produktion in China, sondern auch auf einer ausgeklügelten Vertriebsstrategie, wie unsere Kollegen von Auto Medienportal ermittelten. Während beispielsweise Nio dem Vorbild von Tesla folgt und auf den reinen Onlinevertrieb setzt, baut MG ein dichtes Netzwerk von Händlern auf: Die Marke verfügt bereits über 130 Handelspartner in Deutschland, und ihre Zahl wächst stetig.

Zurück in die Showrooms von BMW: Jetzt nicht mehr als Tochter, sondern als Zweitmarke

Die Kollegen von Auto Medienportal haben vor Ort nachgehakt: Die jüngsten Zugänge sind vier Betriebe der renommierten Weller-Gruppe. Burkhard Weller ist der größte BMW-Händler in Deutschland und äußert sich begeistert über MG:

„Die Preispositionierung von MG ist äußerst vielversprechend. Es gibt bereits genug teure Autos: BMW bietet Elektrofahrzeuge für 70.000 Euro an. MG hingegen bietet vergleichbare Fahrzeuge für weniger als die Hälfte an. Der MG 4, vergleichbar mit dem VW ID 3, ist bereits ab 32.300 Euro erhältlich. Ein Großteil der neu zugelassenen MG-Fahrzeuge sind Modelle der 4er Reihe. Zudem rühmt sich die Marke damit, als erste einen vollelektrischen Kombi anzubieten - den MG 5.“

Ein weiterer Faktor, der MG zum Erfolg verhilft, ist die Tatsache, dass Händler wie Burkhard Weller freie Flächen in ihren Autohäusern haben: Mit dem Übergang der meisten Hersteller zum Agenturmodell müssen diese die Ausstellungsräume mieten und entsprechend verkleinern. Weller sagt dazu:

„Früher, als wir das nicht bezahlen mussten, waren die Showrooms nie groß genug. Jetzt reicht plötzlich ein Drittel des Platzes aus.“

An vier von Wellers 24 BMW-Standorten stehen nun auch MG-Fahrzeuge im Showroom.

Die Anforderungen, die MG-Händler erfüllen müssen, sind überschaubar: Während Marken wie BMW, VW oder Mercedes sogar vorschreiben, auf welchen Fliesen ihre Autos präsentiert werden müssen, genügt MG ein MG-Pylon und das MG-Logo am Autohaus. Ein MG-Sprecher erklärt dazu:

„Übertrieben prunkvolle Showrooms würden letztendlich auf den Fahrzeugpreis umgelegt werden, und das haben wir im Blick.“

Mit 25.000 Euro ist man als MG-Händler dabei

Ein Händler, der Partner der Marke werden möchte, muss etwa 25.000 Euro investieren. Auch MG setzt auf das Agenturmodell: Der Händler verkauft die Autos im Auftrag der Marke und erhält dafür eine Provision. Das finanzielle Risiko ist somit überschaubar.

Derzeit macht der Vertrieb über MG-Agenturen 70 bis 80 Prozent des Gesamtvolumens der Marke aus. Hinzu kommen Flottenverkäufe, Onlinevertrieb und Auto-Abos. Insgesamt werden vier von fünf MG-Fahrzeugen derzeit über das Agenturmodell verkauft. Könnte MG Motor also der neue Volkswagen werden? Burkhard Weller, der auch die Marken Seat und Cupra des VW-Konzerns verkauft, würde nicht so weit gehen:

„Aber MG Motor wird zweifellos eine starke Position als Importmarke im eigenen Segment aufbauen.“

Ob oder wann die anderen chinesischen Marken ähnliche Erfolge verbuchen werden, bleibt abzuwarten. Branchenkenner befürchten perspektivisch jedoch einen regelrechten Triumphzug der asiatischen Stromer, denn: Ein großer Wettbewerbsvorteil der chinesischen Automarken liegt dabei nicht nur in der kostengünstigen Produktion, sondern auch darin, dass das Land in der E-Mobilität technologisch auf Augenhöhe mit der westlichen Konkurrenz ist. Und in der Schlüsseltechnologie der Lithium-Ionen-Akkus sind chinesische Unternehmen sogar führend: Vier der zehn größten Batteriehersteller für Elektroautos kommen aus China, drei aus Korea und drei aus Japan. An der Spitze steht Chinas CATL.

Es ist keineswegs sicher, ob die europäischen Automobilhersteller dieser asiatischen Offensive standhalten können, ohne massive Marktanteile zu verlieren. Denn mit dem Übergang zum Elektroantrieb werden die Karten in der Industrie neu gemischt. Mercedes, Audi und BMW weichen ins Luxussegment aus, wo die Kunden vor allem auf die Marke achten. Volkswagen, Ford, Renault oder die Stellantis-Gruppe haben diese Option nicht. Burkhard Weller, der seit 1979 auch Toyota vertritt, sieht den Erfolg der Chinesen daher vor allem im Volumensegment.

MG 4 und VW ID.3 werden in China in der gleichen Fabrik montiert

Schmerzlich für VW: Die Muttergesellschaft von MG, SAIC, der größte Automobilhersteller Chinas mit Sitz in Shanghai, ist der wichtigste Partner der Wolfsburger. Im gemeinsamen Werk von VW und SAIC werden die Elektromodelle VW ID 3 und MG 4 parallel produziert.

Was bedeutet das?

Es hat lange gedauert, bis MG zu aktueller Stärke auflief: Denn die Chinesen übernahmen die Marke bereits 2005 – vor knapp 20 Jahren. Und nachdem man anfangs mit wenig innovativen Produkten nur in UK herumprobierte blieb der ganz große Durchbruch aus. Der kam erst mit den jetzt wirklich weitgehend konkurrenzfähigen Elektromodellen samt einem immer dichter geknüpften Händlernetz – also ganz klassischen Tugenden. Der Erfolg gibt MG recht: Sodass man sich mit dem „Cyberster“ sogar wieder an das Urthema der Marke – den Roadster wagt.

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