Mercedes EQS besteht Umwelt-Audit

Als erstes Elektromodell der eigenständigen E-Architektur erhält der EQS das Umweltaudit, das künftig selbstverständlich sein soll und die gesamte Wertschöpfungskette betrachtet.

Teil-weise: Bis in die einzelnen Komponenten und ihre Produktion wird ein Fahrzeug wie der EQS beim Umweltaudit durchleuchtet. Damit will man eine umfassende Ökobilanz liefern. | Foto: Mercedes-Benz
Teil-weise: Bis in die einzelnen Komponenten und ihre Produktion wird ein Fahrzeug wie der EQS beim Umweltaudit durchleuchtet. Damit will man eine umfassende Ökobilanz liefern. | Foto: Mercedes-Benz
Johannes Reichel

Als erstes Modell, das auf der elektrischen Architektur für große Fahrzeuge basiert, hat jetzt der EQS 450+ das Öko-Validierungsaudit bestanden, wie der Hersteller mitteilte. Der sogenannte 360° Umweltcheck bietet ausführliche Informationen zu den Themen Verbrauch, Emissionen und Ökobilanz sowie zum Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen und Rezyklate. Von der Herstellung der Rohstoffe über die Produktion und den Fahrbetrieb bis zum Recycling am Ende des Autolebens sollen alle umweltrelevanten Aspekte eines Fahrzeugmodells untersucht, mit einer Ökobilanz bewertet, unabhängige Gutachter prüfen diese umfangreiche Dokumentation. Die Produktion der Hochvoltbatterie und die externen Ladevorgänge im Fahrbetrieb seien hierbei wichtige Faktoren. Bei seinen Modellrechnungen geht Mercedes-Benz dabei von zwei unterschiedlichen Voraussetzungen aus:

  • Im Szenario EU Strom-Mix ist der europäische Strom-Mix für das Laden der Hochvoltbatterie berücksichtigt.
  • Im regenerativen Szenario hingegen kommt bei der Fertigung der Batteriezellen und für die Ladevorgänge in der Nutzungsphase erneuerbar erzeugte Energie zum Einsatz.

Beiden Szenarien liegt beim EQS eine Laufleistung von 300.000 Kilometern zugrunde.

    Die Nachhaltigkeit des Mercedes-Flaggschiffs auf einen Blick:

    • Der Kobaltanteil an den Kathoden der Batteriezellen des EQS liegt bei zehn Prozent.
    • Über 80 Kilogramm wiegen die Bauteile des EQS, die anteilig aus ressourcenschonenden Materialien (Rezyklate und nachwachsende Rohstoffe) hergestellt sind.
    • Mit seinem cw-Wert ab 0,20 ist der EQS aktuell das aerodynamischste Serienautomobil der Welt. Gegenüber einem aerodynamisch guten Elektroauto (cW-Wert 0,23) bringt das einen Vorteil bei der Reichweite von vier (WLTP-Zyklus) bis fünf Prozent (Mercedes Messung Langstrecke). Der Stromverbrauch kombiniert soll bei 19,8-15,7 kWh/100 km liiegen.
    • Das Dach der Factory 56, Produktionsstätte des EQS, ist mit 12.000 Photovoltaik-Modulen bestückt. Diese haben eine maximale Leistung von rund 5.000 kWp und können damit im Jahresdurchschnitt rund 30 Prozent des Energiebedarfs der Fabrik decken. Insgesamt wird in der Factory 56 der benötigte Energiebedarf im Vergleich zu anderen Montagehallen von Mercedes-Benz um 25 Prozent verringert.
    • Etwa 40 Prozent der Dachfläche der Factory 56 sind begrünt, im Kopfbau kam erstmals Recycling-Beton zum Einsatz. Im Jahr 2022 werden insgesamt bereits acht Mercedes-EQ Elektrofahrzeug-Baureihen an sieben Standorten auf drei Kontinenten produziert.
    • Bei den Bodenbelägen wird ein neues Garn aus regeneriertem Nylon verwendet. Eine Tonne dieses Garns (Markenname ECONYL) spart über 6,5 Tonnen CO2 im Vergleich zu Neuware.
    • Nach der Nutzung im Auto ist für Batterien ein zweites Leben möglich: Zum Beispiel in einem Energiespeicher der Mercedes-Benz Energy.
    • Gemeinsam mit seinen Partnern hat das Unternehmen schon drei Großspeicher mit insgesamt rund 50 MWh Energie aus automobilen Batteriesystemen an das deutsche Stromnetz gebracht. Der erste 2nd-Life-Batteriespeicher ging bereits im Oktober 2016 im westfälischen Lünen ans Netz.
    • Ein Großteil der Lieferanten, die für rund 90 Prozent des jährlichen Einkaufsvolumens stehen, wollen künftig nur noch CO2-neutral produzierte Teile liefern. Die Bereitschaft dazu haben sie in einem Ambition Letter erklärt. Spätestens ab 2039 dürfen nur noch Produktionsmaterialien die Werkstore von Mercedes-Benz passieren, die in allen Wertschöpfungsstufen bilanziell CO2-neutral sind.
    • Bereits 2018 hat Mercedes-Benz damit begonnen, Transparenz in den komplexen Kobalt-Lieferketten für die Batteriezellen zu schaffen. Dafür wurden über 183 Betriebe identifiziert und mehr als 60 Audits nach den Leitlinien der OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development/Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) durchgeführt.
    • Die Produktion der hochkomplexen Lithium-Ionen-Batterien im Werk Hedelfingen, Teil des Mercedes-Benz Standorts Stuttgart-Untertürkheim, erfolgt ab 2022 CO2-neutral. Im Rahmen strategischer Partnerschaften hat Mercedes-Benz außerdem den Bezug von CO2-neutral gefertigten Batteriezellen vereinbart, beginnend mit dem EQS.
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