Mercedes-EQ gewinnt beim Formel-E-Saisonstart in Saudi-Arabien

Nyck de Vries und Mercedes-EQ haben das erste Rennen der neuen Formel-E-Saison 2021 gewonnen. Audi-Pilot Rene Rast verpasste nur knapp das Podium, Maximilian Günther schied nach einem Unfall aus.

Nyck de Vries feierte in Diriyya seinen ersten Formel-E-Sieg. | Foto: FIA Formula E
Nyck de Vries feierte in Diriyya seinen ersten Formel-E-Sieg. | Foto: FIA Formula E
Timo Pape

Pole-Sitter Nyck de Vries kam am Start sehr gut weg - im Gegensatz zu Wehrlein, der seinen zweiten Platz nur durch sehr spätes Bremsen verteidigen konnte. Die einzige Positionsveränderung in der Spitzengruppe gelang Mitch Evans, der an Alex Lynn vorbeiging. Nico Müller musste aus der Boxengasse ins Rennen gehen. Ungemach erwartete auch seinen Dragon-Teamkollegen Sergio Sette Camara, der früh eine Durchfahrtsstrafe erhielt und direkt durch die Boxengasse fuhr.

In der zweiten Runde überholte Sam Bird seinen BMW-Kontrahenten Max Günther für Position 7 - guter Move vom Jaguar-Fahrer. Wehrlein konnte den Druck auf den Führenden, de Vries, in den ersten Runden aufrechterhalten und kam immer näher heran. Auch Rene Rast hielt als Dritter gut mit. Die beiden Virgin-Piloten am Ende des Feldes aktivierten bereits nach sieben Minuten ihren ersten von zwei Attack-Modes.

Rast geht beherzt an Wehrlein vorbei

Nach zehn Minuten zeigte Bird einen weiteren starken Move: Am Ende der langen Startgeraden zuckte er spät gegen Lynn auf der Innenbahn heraus und zwängte sich vorbei. Die beiden Jaguar nun auf den Positionen 5 und 6. De Vries baute sich derweil einen kleinen Vorsprung von gut 2,5 Sekunden auf, während Rast den Druck auf Wehrlein erhöhte.

In Runde 9 griff Rast seinen Landsmann an und ging in Kurve 18 mit einem starken Manöver außen herum vorbei. Wehrlein reagierte blitzschnell und stattete seinen Porsche mit dem Attack-Mode aus, sollte es aber auch mit der zusätzlichen Leistung (235 statt 200 kW) nicht am Audi-Piloten vorbeischaffen. Wenige Sekunden zuvor hatte auch de Vries die Zusatzleistung aktiviert und setzte sich weiter ab.

Bird überrascht Lynn, beide kollidieren

Nach knapp 20 Minuten holte sich Rast seinen ersten Attack-Mode. Dann ein grandioser Angriff von Edo Mortara: Der Venturi-Fahrer überholte im Attack-Mode auf der langen Geraden erst Evans, dann auch noch Wehrlein. Evans nutzte die Chance und zwängte sich ebenfalls am Deutschen vorbei. Mortara nun Dritter vor Evans und Wehrlein. Rast kämpfte sich derweil an de Vries heran.

Dann der erste Unfall des Rennens: Bird versuchte, sich spät neben Lynn zu setzen, der Mahindra-Fahrer machte jedoch sehr spät die Tür zu und drückte den Jaguar von Bird in die Wand. Dieser drehte zwangsläufig Lynn, und beide krachten mit den beiden Nasen ineinander. Beide konnten sich mittels Rückwärtsgang befreien, doch Lynn kam nur noch ein paar Meter weit. Die Rennleitung entließ das Safety-Car, um den Mahindra abzuschleppen - Neutralisierung aller Abstände zur Rennhalbzeit.

Heftiger Einschlag für Max Günther - zweites Safety-Car

Mit etwas mehr als 14 verbleibenden Minuten auf der Uhr ging es schließlich im Renntempo weiter. Andre Lotterer und auch Bird kamen an die Box und verloren zahlreiche Plätze beziehungsweise beendeten das Rennen. Kurz nachdem de Vries seinen zweiten Attack-Mode geholt hatte, krachte Max Günther heftig mit der Flanke in die Mauer - die er dabei sogar leicht verschob. Der deutsche BMW-Pilot meldete sofort am Funk, dass er sich nicht verletzt habe. Obwohl er in der Nähe eines Notausgangs zum Stehen kam, musste erneut das Safety-Car auf den Kurs fahren, damit der BMW abgeschleppt werden konnte.

Rast hatte wenige Augenblicke zuvor bewusst seinen zweiten Attack-Mode aktiviert, denn Mortara, der dadurch auf Rang 2 vorrückte, hatte seine zweite Aktivierung noch vor sich und würde den Platz dadurch wieder verlieren. Eine vermeintlich taktisch kluge Entscheidung des Audi-Teams, die sich jedoch nicht auszahlen sollte.

Knapp sechs Minuten vor Schluss ging es im Renntempo weiter. Mortara aktivierte wie erwartet schnell seinen Attack-Mode, verlor einen Platz, jagte dann aber Rast. Am Ende der langen Geraden gab sich der Deutsche geschlagen. Beide waren jedoch "under investigation" der Rennleitung, weil sie unter Safety-Car-Bedingungen überholt haben könnten. De Vries baute seinen Vorsprung abermals in Kürze auf drei Sekunden aus.

Bilderbuch-Saisonstart für Mercedes, Punkt für Nio

Dann griff auch Evans im Attack-Mode Rast an und ging in Kurve 18 vorbei. Oliver Rowland attackierte derweil Wehrlein, kam aber nicht am Deutschen vorbei. Rast versuchte es mit Energievorteil ebenfalls noch einmal gegen Evans, blieb aber ebenfalls dahinter und wurde Vierter. Den Sieg sicherte sich mit mehr als vier Sekunden Vorsprung Nyck de Vries vor Edo Mortara und Mitch Evans.

Für de Vries war es der erste Erfolg in der Formel E, Mercedes stand zum zweiten Mal ganz oben auf dem Podium - ausgerechnet beim Finalrennen 2020 in Berlin. In der Teamwertung führen die "Silberpfeile" nach dem Auftaktrennen die Meisterschaft an. Bemerkenswert: Nio 333 dank Platz 10 von Oliver Turvey einen Punkt - mehr als das chinesische Team in der gesamten Saison eingefahren hatte.

Am Samstag steht bereits der zweite Saisonlauf in Diriyya auf dem Programm. Rennstart ist erneut um 18 Uhr deutscher Zeit - diesmal überträgt jedoch Sat.1 sein erstes Rennen im Hauptprogramm.

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