Mercedes-Benz stellt GLC F-Cell ein

Daimler stoppt offenbar die Entwicklung der Brennstoffzellen-Pkw und fokussiert sich mit der Technik auf Nutzfahrzeuge, wo man sie für sinnvoller erachtet und mit Volvo vorantreiben will.

Am Ende der Straße angekommen: Mercedes-Benz stellt die produktion des GLC F-Cell nach den geplanten 3000 Exemplaren ein. | Foto: Daimler
Am Ende der Straße angekommen: Mercedes-Benz stellt die produktion des GLC F-Cell nach den geplanten 3000 Exemplaren ein. | Foto: Daimler
Gregor Soller

Es war ein ewiges Hin- und her und man hatte zwischen den Zeilen schon immer den Eindruck, als wäre der GLC F-Cell irgendeine ungewollte Notlösung, um Flagge zu zeigen gegen die asiatischen Anbieter, welche die Technik weitertreiben. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte berichtet, dass der Daimler-Konzern die Entwicklung der Brennstoffzellen-Technik für seine Pkw-Sparte vorläufig (wieder einmal oder jetzt aber wirklich) beendet und die Produktion des Brennstoffzellen-SUV GLC F-Cell einstellt. Stattdessen wolle man die Technik bei den Nutzfahrzeugen weitertreiben und skalieren.

In dem Kontext hatte Daimler-Truck-Vorstand Martin Daum auch erklärt, dass es vorläufig kein neues Mercedes-Modell mit Brennstoffzellenantrieb mehr gebe. Momentan produziere Mercedes die letzten der 3000 geplanten Exemplare des GLC F-Cell, der 2018 eingeführt wurde. Der bisher einzige Brennstoffzellen-Pkw von Mercedes werde keinen Nachfolger bekommen, weil sich die Marke auf die Einführung von reinen Batteriemodellen konzentrieren wolle. Weiteres Problem, dass sich jetzt durch die Corona-Krise verstärkt: Mit dem Modell hat Daimler nie Geld verdient, im Gegenteil. So wurde bei jedem verkauften GLC-F-Cell laut einem Daimler-Mitarbeiter noch "Geld ins Handschuhfach gelegt". Die Technik wirtschaftlich darzustellen, ist übrigens auch den asiatischen Anbietern derzeit noch nicht vollumfänglich möglich.

Die konzernweiten Aktivitäten im Bereich der Brennstoffzelle würden komplett in das neue Lkw-Joint-Venture mit Volvo Trucks eingehen. Gemeinsam wolle man bis zum Ende dieses Jahrzehnts schwere Nutzfahrzeuge für den Fernverkehr zur Serienreife bringen. Dazu werde auch ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das beiden Partnern je zur Hälfte gehören wird.

Pikanter Hintergrund: Geely ist nicht nur Eigentümer von Volvo Cars, sondern besitzt mit 8,2 auch den größten Einzelanteil an Volvo Trucks. Außerdem haben sich die Chinesen mit knapp zehn Prozent an Daimler beteiligt, womit der Geely-Konzern als lachender Dritter von den Brennstoffzellenaktivitäten der Deutschen und Schweden profitieren dürfte.

Was bedeutet das?

Im Pkw schien die Brennstoffzelle bei Daimler immer ein „ungeliebtes Kind“ zu sein, zumal sie in schweren Nutzfahrzeugen auch mehr Sinn macht. Mit en jetzt getroffenen Entscheidungen stellt Daimler die Weichen in Sachen Brennstoffzelle auch ganz offiziell vom Pkw auf den Lkw um.

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