Mercedes-Benz senkt Preise für EQE und EQS in China drastisch

Laut der Plattform Automotive News China hat Mercedes-Benz die Preise für den EQS in China teils merklich gesenkt, da sich Wettbewerbsdruck auf dem weltweit größten Markt für Elektroautos auf den Absatz auswirkt.

Mercedes-Benz senkt die Preise von EQE und EQS in China. | Foto: Mercedes-Benz
Mercedes-Benz senkt die Preise von EQE und EQS in China. | Foto: Mercedes-Benz
Gregor Soller

Laut Automotive-News China erklärte Mercedes-Benz auf seiner Website mit, dass man die Preise für bestimmte Modelle seiner EQ-Reihe senkt und Kunden, die die Autos kürzlich gekauft haben, Nachlässe gewähren wird. Die Preissenkungen schienen sofort zu greifen, denn der EQE wurde am Mittwochmorgen auf der chinesischen Mercedes-Website mit 478.000 Yuan (umgerechnet 64.717 Euro) angegeben. Tags zuvor soll er noch 528.000 Yuan (71.487 Euro) am Dienstag.

Das Luxusmodell EQS wurde am Mittwoch mit 956.000 Yuan gelistet, gegenüber 1,19 Millionen Yuan am Dienstag, was einer Preissenkung von rund 8530 Euro entspricht. Die Basis des EQS 450 + startet jetzt sogar bei 854.000 Yuan – das sind gut 115.625 Euro.

Laut einem Insider soll Mercedes die Preise gesenkt haben, da die Verläufe schwächeln. Einige Händler sollen außerdem bereits Sonderaktionen gefahren haben, um den Absatz anzukurbeln, da die Auslieferungen des EQS laut Automotive News China laut der Insider zeitweise auf bis zu 100 Stück pro Monat zurückgingen.

Ein Problem bei EQS und noch mehr EQE könnte sein, dass das Dach wegen der aerodynamischen Form im Fond für chinesische Kunden zu stark abfällt, was Kopffreiheit kostet. Schlecht, wenn man sich gern chauffieren lässt – weshalb Luxusvans in China auch einen anderen Stellenwert haben. Und Audi künftig ein Modell für dieses Segment plant. In einer Erklärung gegenüber Bloomberg News sagte Mercedes-Benz, dass sich das Segment der Elektroautos im oberen Preissegment in China noch immer weiterentwickelt, insbesondere bei Fahrzeugen mit einem Preis von über 1 Million Yuan. In der offiziellen Stellungnahme liest sich das wie folgt:

„Mercedes-Benz beobachtet und analysiert kontinuierlich die dynamische Marktentwicklung, einschließlich der aktuellen Positionierung anderer Hersteller im Luxussegment. Auf dieser Grundlage positioniert Mercedes-Benz bestimmte EQ-Modelle in China neu.“

Mercedes-Benz ist hier aber nicht allein, da immer mehr neue einheimische Automarken auch ins Premiumsegnet drängen und damit vor allem ausländische und alte Automarken angreifen. Laut der China Passenger Car Association entfielen in den ersten sieben Monaten des Jahres 2022 fast 80 Prozent der EV-Verkäufe auf einheimische Hersteller – von denen aber auch einige mit Absatzrückgängen kämpfen. Auch Tesla soll die Preise im Oktober gesenkt haben: Das Model 3 startet aktuell bei gut 36.900 Euro, das Model Y bei 39.115 Euro. Interessant: Für die nur in den USA produzierten Model S und X sind aktuell keine Preise angegeben

Was bedeutet das?

Chinas Autohersteller erstarken weiter – jetzt auch im Premiumsegment, von dem die Importeure lange glaubten, es für sich allein zu haben. PCA-Generalsekretär Cui Dongshu erklärte dann auch stolz, dass die einheimischen Autohersteller ihre Muskeln bereits gestärkt hätten. Nachdem sie den technologischen Rückstand bei der Autoherstellung im Bereich der Elektromobilität aufgeholt haben, haben sie landesintern auch einen offensichtlichen Vorteil sowohl bei den Lieferketten als auch beim Endverkauf. Eine Tatsache, die abzusehen war, denn nach wie vor steht in China der Staat als schützende Wand hinter den einheimischen Herstellern und verschafft ihnen im Heimatland immer wieder den ein oder anderen Vorteil. Weshalb die europäischen Autohersteller ihre Strategien nochmal überdenken sollten – denn wenn ihnen der chinesische Markt wegbricht, gehen schnell Stückzahlen verloren.

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