Mercedes-Benz: EQS kommt mit umfassendem Ladekonzept

Mit dem ersten vollelektrischen Oberklassemodell EQS legt der Hersteller im Rahmen seines me Charge-Programms einige neue Services beim Lademanagement auf. Wichtig sind vor allem "plug&charge" und die Ökostrom-Garantie. In Japan soll der EQS auch bidirektional laden können.  

Vorbild Tesla: Wie bei den Kaliforniern soll man beim EQS Plug&Charge nutzen können, sofern die Ladesäule das beherrscht ... | Foto: Daimler
Vorbild Tesla: Wie bei den Kaliforniern soll man beim EQS Plug&Charge nutzen können, sofern die Ladesäule das beherrscht ... | Foto: Daimler
Johannes Reichel

Mit der für August angekündigten Vorstellung seiner ersten vollelektrisch angetriebenen Oberklasselimousine EQS aus neue Elektro-Plattform hat der Automobilhersteller Mercedes-Benz auch weitere Änderungen und Services im Lademanagement angekündigt. So soll etwa die Funktion Plug & Charge an für die Technologie geeigneten öffentlichen Ladesäulen verfügbar sein, bei der wie bei Tesla beim Einstecken des Ladekabels der Ladevorgang startet, eine weitere Authentifizierung nicht nötig ist. Die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation erfolgt direkt über das Ladekabel. Wie bisher sollen die me Charge-Kunden auch hier von der integrierten Bezahlfunktion mit automatischem Bezahl- und Abbuchungsvorgang profitieren, auch im Ausland.

Zudem will der Anbieter die Beladung mit Grünstrom sicherstellen. Strom aus erneurbaren Energien sei im Lebenszyklus eines Elektroautos ein signifikanter Faktor, um CO2-Emissionen zu vermeiden. Denn rund 50 Prozent des CO2-Fußabdrucks eines batterieelektrischen Fahrzeugs entünden beim aktuellen EU-Strommix in der Nutzungsphase, folglich aufgrund von CO2-behafteten Ladevorgängen. Grünes Laden sei an allen über 200.000 öffentlichen Ladepunkten von Mercedes me Charge in Europa möglich. Im Detail verwendet der Hersteller dafür Herkunftsnachweise zur "Vergrünung des Ladevorgangs", deren Qualität durch ein Ökostromlabel definiert wird. So werde sichergestellt, dass für das Laden von Elektrofahrzeugen eine äquivalente Strommenge aus erneuerbaren Energien ins Stromnetz eingespeist wird. Das setze wiederum Anreize zur Investition in erneuerbare Energieanlagen, so die Argumentation.

Aktuell verfügt das Mercedes-Ladenetz über 500.000 AC- und DC-Ladepunkte weltweit, davon über 200.000 in Europa. Hier seien es über 400 verschiedene Betreiber von öffentlichen Ladestationen, zu deren Ladepunkten die Kunden des Herstellerladedienstes Zugang erhalten, mit einem einzigen Vertrag, wie man wirbt.

Bidirektionales Laden in Japan: EQS als Zwischenspeicher

In Japan wird mit der Elektrolimousine auch bidirektionales Laden möglich sein, also Laden in beide Richtungen. Der dortige Ladestandard CHAdeMO („Charge de Move“, deutsch: Bewegung durch Ladung) unterstützt bidirektionales Laden, was die Voraussetzung für Anwendungen wie V2G („Vehicle-to-Grid“, deutsch: vom Fahrzeug ins Netz) und V2H („Vehicle-to-Home“, deutsch: vom Fahrzeug ins Haus) ist. Somit könne der EQS beispielsweise als Zwischenspeicher für Strom aus der heimischen Photovoltaikanlage dienen oder beim Ausfall des öffentlichen Stromnetzes den Haushalt mit Energie versorgen.

Der EQS kommt nur kurz nach der konventionellen S-Klasse auf den Markt, basiert aber auf einer neuen, skalierbaren E-Architektur mit eigenständigem Design und Raumkonzept. In rascher Folge sollen der EQE und den SUV-Varianten von EQS und EQE folgen. Für das Elektro-Flaggschiff verspricht man Reichweiten über 700 km (nach WLTP). Radstand und Spurweite sowie alle übrigen Systemkomponenten, insbesondere die Batterien, sollen dank des modularen Systembaukastens variabel sein.

 

 

 

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