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Mercedes-Benz: Electric only kommt wohl später

Zwar leugnet der Hersteller hartnäckig einen Strategiewechsel in Sachen E-Mobilität. Aber die Kunden kaufen eben weiterhin primär Verbrenner - und die wollen die Schwaben liefern. Die noch vor kurzem kommunizierte elektrische Entschlossenheit und Strom-Optimismus sind jedenfalls nicht mehr so groß in Stuttgart.

Mit einem entschiedenen "Ja, aber": Die vor kurzem noch selbstbewussten Ansagen in Sachen Elektromobilität erfuhren auf der jüngsten Bilanz-Pressekonferenz mehr oder minder diskrete Einschränkungen durch Harald Wilhelm, Finanzvorstand und Ola Källenius (r.), Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG. Hoffnungsträger sind der eSprinter und der CLA, weniger die E-G-Klasse. | Foto: dpa/Bernd Weißbrod
Mit einem entschiedenen "Ja, aber": Die vor kurzem noch selbstbewussten Ansagen in Sachen Elektromobilität erfuhren auf der jüngsten Bilanz-Pressekonferenz mehr oder minder diskrete Einschränkungen durch Harald Wilhelm, Finanzvorstand und Ola Källenius (r.), Vorstandsvorsitzender der Mercedes-Benz Group AG. Hoffnungsträger sind der eSprinter und der CLA, weniger die E-G-Klasse. | Foto: dpa/Bernd Weißbrod
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Johannes Reichel

Als Abstimmung mit den Füßen könnte man bezeichnen, was die Kunden von Mercedes-Benz da vollziehen: Sie kaufen weiterhin in erster Linie Verbrenner mit Stern. Und so musste Mercedes-Benz-CEO Ola Källenius einen ziemlichen argumentativen Spagat hinlegen bei der Präsentation der Jahresbilanz am Donnerstag. Offenbar war man mit den vollmundigen Ansagen "electric only" etwas zu optimistisch, die Kunden ziehen nicht so mit wie gedacht. Und so wird die schon damals zur Sicherheit eingefügte Formel "wo die Marktbedingungen es zulassen" wolle man nur noch elektrische Fahrzeuge verkaufen, umso wichtiger. Gut möglich, dass sich der Verbrennerausstieg dann bis weit in die 2030er-Jahre hinzieht, wie Källenius prognostiziert.

Dennoch bleibt das Versprechen grundsätzlich bestehen, E-Autos anzubieten, die Verbrenner erübrigen und bis 2039 komplett klimaneutral zu sein, auch wenn Källenius bei der Präsentation ausgerechnet die neue nicht-elektrische E-Klasse aufs Tapet hob. Der Zeitpunkt des Ausstiegs scheint nun flexibler zu werden, Källenius spricht von "taktischer Flexibilität". Es sei ja durchaus wichtig, zu dekarbonisieren, wand sich Källenius weiter, aber die von der EU geplante Überprüfung der Ziele und des Wegs 2026 sei gut. "Vielleicht gab es in der ganzen Branche ein bisschen zu viel Optimismus", äußerte der Mercedes-Chef.

Es sei kein Geheimnis, dass die Margen bei E-Autos niedriger liegen als bei Verbrennern, gibt auch der Benz-Finanz-Chef Harald Wilhelm unumwunden zu. Gut für das laufende Budget, aus dem ja die Milliarden-Invests in die E-Mobilität bestritten werden müssen. Jetzt ist die Rede von "bis zu 50 Prozent Elektroanteil" in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts, wobei man in großzügiger Auslegung die zwiespältigen Plug-in-Hybride mit einbezieht. Mit einer dezidierten Elektroquote haben die Stuttgarter auch nichts am Hut, obwohl Erzrivale BMW mit der Ansage vorgeprescht ist, bis 2030 mindestens die Hälfte aller Fahrzeuge elektrisch zu verkaufen. Die Schwaben prognostizieren für das laufende Jahr einen E-Anteil von 20 Prozent.

Das liegt wohl auch daran, dass das Wachstum in der E-Mobilität eher in den weniger luxuriösen Segmenten passiert, wo die China-Marken stark sind. Bei Mercedes fehlt neben einem vollen Line-Up an E-SUV vom EQA über EQB, EQC bis zu EQE SUV und EQS SUV sowie den teuren Premiumlimousinen EQE und EQS ein flottentaugliches elektrisches Kompaktmodell wie der zur IAA erstmals gezeigte CLA. Auch die elektrische C-Klasse vermisst man schmerzlich, sie soll aber kommen, ebenso ein E-GLC. Die vorsichtigen Prognosen deuten aber darauf hin, dass man seinen eigenen Kunden in Sachen Transformation nicht so richtig traut, trotz avisierter Reichweiten von bis zu 700 Kilometer beim CLA. Vielleicht fahren ja dann die Vans elektrisch voran: Immerhin hatte man auch einen neuen eSprinter auf die Bühne gerollt, der in der Branche besser ankommen dürfte als die elektrische G-Klasse in ihrer wenig klimabewussten Zielgruppe, die ihn flankierte. Die Vans jedenfalls trugen mit einem gestiegenen Gewinn auf drei Milliarden Euro erklecklich zum leicht schwächelnden Konzernergebnis von 19,7 Milliarden Euro bei.

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