Mercedes-Benz: Der EQA startet die Elektro-Offensive unterm Stern

Das "kompakte" SUV auf GLA-Basis ergänzt Verbrenner und PHEV um eine elektrische Version. Die soll 400 Kilometer Reichweite bieten und lädt mit 11 und 100 kW. Clever: CO2-Kompensation über Grünstrom.

Elektrischer Jahresauftakt: Britta Seeger, Mitglied des Vorstands der Daimler und Mercedes-Benz AG und verantwortlich für den MB Cars Vertrieb, präsentierte den neuen Elektro-Stern aus dem Flagship-Story am Münchener Odeonsplatz. | Foto: Screenshot
Elektrischer Jahresauftakt: Britta Seeger, Mitglied des Vorstands der Daimler und Mercedes-Benz AG und verantwortlich für den MB Cars Vertrieb, präsentierte den neuen Elektro-Stern aus dem Flagship-Story am Münchener Odeonsplatz. | Foto: Screenshot
Johannes Reichel

Die Daimler-Tochter Mercedes-Benz hat bei einer kurzen Webpräsentation aus dem Flagshipstore am Münchener Odeonsplatz den neuen vollelektrisch angetriebenen Kompakt-SUV EQA vorgestellt. Dieser basiert auf der konventionellen Plattform des GLA und kombiniert einen vollelektrischen Antrieb. Damit gibt es in dieser weltweit boomenden Klasse der kompakten Geländewagen neben Diesel, Benziner und Plug-in-Hybrid jetzt auch eine vollelektrische Offerte aus Stuttgart. Diese soll mit einem Nettolistenpreis von 39.950 Euro auch voll förderfähig sein, also mit 6.000 Euro staatlicher Kaufunterstützung und 3.000 Euro Hersteller-Bonus.

Basis-Version trotz hohem Gewicht mit strammer Performance

Zum Start kommt die vorderradgetriebene Standardversion EQA 250 mit 140 kW Asynchron-Elektromotor und doppelstöckig aufgebautem 66,5-kWh-Lithium-Ionen-Akku (nutzbar), die WLTP-Zyklus 426 Kilometer oder im NEFZ 486 Kilometer Reichweite (entspricht 17,7 und 15,7 kWh/100 km) bieten soll. Später will der Hersteller auch eine 4x4-Variante mit elektrischem Allrad mittels neu entwickelter, kompakter Synchronmaschine und über 200 kW Leistung sowie über 500 Nm Drehmoment nachlegen. Zudem soll eine Option mit größerem Akku-Satz über 500 Kilometer Reichweite ermöglichen.

Schon die Basisversion verfügt mit 375 Nm über ein üppiges Drehmoment, womit das knapp über zwei Tonnen schweren Elektro-SUV in 8,9 Sekunden auf 100 km/h spurten soll. Das Höchsttempo ist dann auf 160 km/h limitiert, um den Verbrauch halbwegs im Rahmen zu halten. Auch die vierstufige, per Lenkradpaddel in drei Stufen adaptierbare, bis zu 140 kW starke Rekuperation, die wie beim EQV über einen situationsabhängigen "Auto"-Modus verfügt, soll die Energieausbeute verbessern.

Der EQA soll für ein SUV aerodynamisch sein

Zu der auch im Vergleich zum EQC besseren Effizienz beitragen soll der für ein Hochdachgefährt niedrige cW-Wert von 0,28, identisch mit dem GLA. Die Aerodynamik wird optimiert mittels geschlossenem Kühlluftregelsystem, einer strömungsgünstigen Front- und Heckschürze, einem glatten und fast komplett geschlossenen Unterboden, speziell optimierten Aero-Rädern und angepassten Radspoilern vorne und hinten. Die Effizienz verbessern soll auch eine serienmäßige Wärmepumpe, die die Abwärme des elektrischen Antriebs für die Kabinenheizung nutzt. So könne man den Bedarf an Batteriestrom für die Heizung enorm senken und die Reichweite erhöhen, verspricht der Hersteller. Man verweist zudem auf die Möglichkeit der Vorkonditionierung, die über das hier serienmäßige Infotainment MBUX oder über die Mercedes me App gesteuert werden kann.

Der 11-kW-AC-Lader ist Serie, Grünstrom Trumpf

Geladen wird mittels AC-Bordlader, der 11 kW bietet und die Akkus in 5:45 Stunden von 10 auf 100 Prozent bringt. In DC sind es bei 400 Volt dann 30 Minuten von 10 auf 80 Prozent, dank 100-kW-CCS-Lader an Bord. Ein neuer Aspekt beim Thema Laden ist, dass der Hersteller über sein Ladenetzwerk Mercedes me Charge Kunden europaweit an über 175.000 öffentlichen Punkten das Laden ermöglicht und für nachträglichen Ausgleich durch Grünstrom etwaige CO2-Emissionen kompensiert.

"Grünstrom, also Strom aus erneuerbaren Energien ,ist im Lebenszyklus eines Elektroautos ein signifikanter Faktor, um CO2-Emissionen zu vermeiden. Denn rund 50 Prozent des CO2-Fußabdrucks eines batterieelektrischen Fahrzeugs entstehen beim aktuellen EU-Strommix in der Nutzungsphase, also aufgrund von CO2-behafteten Ladevorgängen", erklärt der Hersteller den Ansatz. 

Die Navigation mit der sogenannten Electric Intelligence soll die schnellste Route unter Einbeziehung der Ladezeiten berechnen. Zudem würden weitere Faktoren, etwa die Topografie und das Wetter in die Kalkulation einfließen.

Fahrerassistenz: Teilweise teilautonom

Das bekannte Arsenal an Fahrassistenz soll dem Fahrer eine kooperative Unterstützung zuteil werden lassen. Erweiterte Funktionen beim EQA seien etwa die Abbiegefunktion, die Rettungsgassenfunktion, die Ausstiegswarnfunktion vor herannahenden Radfahrern oder Fahrzeugen sowie die Warnung vor erkannten Personen im Bereich von Zebrastreifen. Serienmäßig an Bord des Strom-SUV sind der Aktive Spurhalte-Assistent sowie der Aktive Brems-Assistent, der auch auf stehende Fahrzeuge und querende Fußgänger reagiert. In bestimmten Umgebungen fährt der EQA dann teilautomatisiert und nutzt dafür verbesserte Kamera-und Radarsysteme sowie Karten-und Navigationsdaten. So soll etwa der Aktive Abstands-Assistent Distronic als Teil des optionalen Fahrassistenz-Pakets streckenbasiert unterstützen und die Geschwindigkeit vorausschauend vor Kurven, Kreuzungenoder Kreisverkehren anpassen. Er stimmt sich dabei auch mit dem ECO Assistent ab.

Schwarze Phase: Der Black-Panel-Grill als Eyecatcher

Optisch lehnt sich der EQA an die vom ebenfalls auf einer Verbrenner-Plattform basierenden EQC an, fährt an der Front mit einem sogenannten Black-Panel-Grill mit Zentralstern auf und setzt ein paar blaue Akzente im Scheinwerfer. Weiteres, prägnantes Designmerkmal der vollelektrischen Modelle der Schwaben ist das Leuchtenband vorne und hinten, bei dem ein horizontaler Lichtleiter die beiden Tagfahrleuchten der ebenfalls serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer verbindet. Das Interieur setzt wie beim EQC diverse "elektrische" Akzente und soll vor allem ähnlich großzügige Platzverhältnisse bieten wie der GLA. Allerdings erscheint der Kofferraum mit 340 bis maximal 1.320 Liter relativ klein für ein 4,50-Meter-SUV. Und die Zuladung ist aufgrund des limitierten Gesamtgewichts von 2.470 Kilo mit 430 Kilo ebenso mau wie die Anhängelast mit 750 Kilo mau. Die Allradler sollen hier aber etwas mehr Zugleistung bieten. In jedem Fall ist die Zugvorrichtung für einen Fahrradträger freigegeben.

Was bedeutet das?

Es ist ein Ausdruck der neuen schwäbischen Bescheidenheit - mit einer kurzen, knackigen und konzentrierten Präsentation im eigenen Vorzeigestore in München ließ Mercedes-Benz den neuen Hoffnungsträger EQA im weltweit derzeit wichtigsten Segment vom Stapel. Statt großem Pomp und Aufgalopp verbreiteten Britta Seeger und Produktmann Marius Philipp eher zupackende Arbeitsatmosphäre, was bestens zu den Herausforderungen passt, die nicht nur die Pandemie, sondern vor allem die Transformation an den Stern-Konzern stellen. Ob jetzt der EQA das Rad respektive Auto neu erfindet, wie Konzernboss Ola Källenius als Maxime des Handelns ausgegeben hat, ist dabei zweifelhaft, aber auch eher zweitrangig.

In diesem Segment im Jahr 2021 KEIN vollelektrisches Angebot machen zu können, ist schlechterdings ein "No Go". Also wurde eilends die GLA-Basis nach dem Muster des EQC elektrisch umgerüstet. Vorteil für den Kunden: Ein Kampfpreis unter 40.000 Euro netto und Förderfähigkeit. Was kein Fehler sein muss, denn der wenig effiziente, bleischwere und kaum dynamische Plug-in-Hybrid hinterließ zuletzt einen dermaßen mauen Eindruck in unserem VM-Test, ist weder Fisch noch Fleisch, dass man sich nach der E-Version geradezu sehnt. Hoffentlich läuft sie aber effizienter als der EQC, ein elektrischer Kompakt-SUV mit Stern darf schon auch mal unter 20 kWh/100 km kommen - und sollte dies auch.

Denn trotz der cleveren und zeitgemäßen Idee, den unterwegs geladenen Strom per CO2-Kompensation zu "Vergrünen" bleibt oberstes Gebot eines modernen E-Autos: Effizienz ist durch nichts zu ersetzen. Es sei denn durch mehr Effizienz!

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